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Äste der Göttinger Gerichtslinde geschnitten

Baum soll entlastet werden Äste der Göttinger Gerichtslinde geschnitten

Einsatz mit Säge: Die sogenannte Gerichtslinde am Göttinger Stadtfriedhof ist jetzt geschnitten worden. Dabei seien fachmännisch besonders dicke und seit dem letzten Schnitt nachgewachsene Äste, die senkrecht aus alten und sehr starken Ästen herausgewachsen seien, entfernt worden, teilte die Stadtverwaltung mit. Der Schnitt sei notwendig gewesen, um diese alten Äste zu entlasten und den Baum zu sichern.

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Deutlich gekürzt, aber nicht kahl: So präsentiert sich die Gerichtslinde nach dem Schnitt.

Quelle: CH

Die Gerichtslinde gilt als Naturdenkmal. Vor 152 Jahren wurde in Göttingen an diesem Baum die letzte öffentliche Hinrichtung vollzogen. Friederike Lotze hieß die Delinquentin. Sie wurde am 20. Januar 1859 nahe der Linde an der Groner Landstraße – wo bis 1824 das Leinebergische Landgericht tagte und auch Todesurteile vollstreckt wurden – exekutiert.

Lotze war als Dienstmagd bei L. Siebert beschäftigt. Der betrieb, so heißt es in verschiedenen Quellen, in der Langen Straße in Münden eine Bäckerei. Offenbar hatte sich „Junggeselle Siebert, im mittleren Alter“ in seine Angestellte verguckt. „Es entspann sich ein Liebesverhältnis zwischen den beiden“, schrieb 1978 Karl Brethauer in den Göttinger Monatsblättern. Siebert soll der jungen Frau die Ehe versprochen, später aber eine andere geheiratet haben. Aus Gram und Verbitterung über den Wortbruch vergiftete die Magd daraufhin ihren Dienstherrn.

Lotze stand zu ihrer Tat. Der Mord an dem Mündener Bäckermeister vom Dezember 1858 wurde vor dem Obergericht Göttingen verhandelt. Das konnte, schreibt Brethauer, „nur auf Todesstrafe erkennen“. Die Todesurteile des Obergerichts wurden seit dem 16. Jahrhundert auf dem Leineberg vollstreckt. So wurde auch Mörderin Lotze am 20. Januar 1859 vom Gefängnis in Göttingen zur Linde in Grone gebracht.

Die Königliche Regierung in Hannover hatte zur Abschreckung angeordnet, dass alle Dienstboten der umliegenden Kreise der Hinrichtung beizuwohnen hatten, zu der auch viele Schaulustige kamen. Lotze, bereits am Schafott stehend, wurde gefragt, ob sie sich schuldig bekenne. Das soll sie mit leiser Stimme bejaht haben. Nach einem letzten Gebet schnallten sie die Henkersknechte fest und banden ihren Kopf an einen Pfahl. Scharfrichter Schwarz aus Hannover trennte ihr mit einem Schwert den Kopf ab.

Kurz nach der Exekution sollen mehrere Menschen das Blut der Giftmörderin mit Gefäßen aufgefangen und sogar getrunken haben. Einem alten Aberglauben zufolge galt das Blut eines Gerichteten als Heilmittel gegen Schwindsucht, Krämpfe und andere Krankheiten.

Lotze war die letzte, die an der Linde exekutiert wurde. Fortan wurden Todesurteile im Hof des Göttinger Landgerichts vollstreckt.

Von Andreas Fuhrmann und Britta Eichner-Ramm

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Letze öffentliche Hinrichtung

Die letzte öffentliche Hinrichtung unter der Gerichtslinde auf dem Leineberg in Göttingen fand am 20. Januar 1859 statt. Friederike Lotze hieß die zum Tode verurteilte Delinquentin. Sie hatte den Bäckermeister Sievert zu Münden, der ihr die Ehe versprochen hatte und dessen Dienstmagd sie war, am 13. März 1858 vergiftet. Sie wurde mit dem Schwert enthauptet. Ein Rückblick von Matthias Blazek.

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