Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Schneeregen

Navigation:
Mit den Landwirten zusammenarbeiten

Agraminister Meyer diskutiert über Tierhaltung Mit den Landwirten zusammenarbeiten

Auch Schlachttieren soll es gut gehen, wünschen sich 85 Prozent der deutschen Verbraucher. Doch Biofleisch hat nur einen Marktanteil von einem Prozent. Über diesen Widerspruch sprach Niedersachsens Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Christian Meyer (Grüne), am Mittwoch in Göttingen.

Voriger Artikel
Kapelle auf Stadtfriedhof restauriert
Nächster Artikel
280 Gäste und ein Gänseliesel
Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Bei anderen Lebensmitteln liegt der Bioanteil bei sechs bis sieben Prozent“, berichtete der Göttinger Agrarwissenschaftler Professor Achim Spiller im Holbornschen Haus. Selbst unter den 100 Teilnehmern der Veranstaltung, die von den grünen Fraktionen im Rat der Stadt und im Kreistag ausgerichtet wurde, waren Tierwohl-Label des Deutschen Tierschutzbundes oder des Bauernverbandes nahezu unbekannt, Das liege, so Spiller, vor allem an der Lebensmittelindustrie und den vier marktbeherrschenden Handelsketten. Sie würden Tierwohl-Produkte nicht offensiv vermarkten. Das habe auch mit dem zwei- bis dreimal höheren Preis von Biofleisch zu tun. Der Staat müsse aktiv werden, forderte der Agrarwissenschaftler.

„Wo ethische Grenzen überschritten werden, müssen ökonomische Interessen zurückstecken“, erklärte Claudia Preuß-Ieberschär vom Verein Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft. Sie forderte unter anderem ein Verbot der Kastenhaltung bei Schweinen. Sie macht es den Tieren unmöglich, sich umzudrehen.

Vor mehr Gesetzen und Verordnungen warnte dagegen der Geschäftsführer des Göttinger Kreisbauernverbandes, Achim Hübner. Sie zwingen kleine Betriebe zum Aufgeben. Die Konzentration in der Landwirtschaft werde so beschleunigt. Das sah auch der Minister so. Eine andere Folge sei die Zunahme von Fleischimporten aus Ländern, wo weniger auf das Tierwohl geachtet werden müsse.

Meyer warb für eine Zusammenarbeit mit den Landwirten. Betriebe, die sich vorbildlich um ihre Tiere kümmerten, gelte es zu fördern. Bisher fließen Agrarsubventionen überwiegend an die, die Masse produzieren. So erhalten 20 Prozent der Betriebe 80 Prozent der Fördergelder. Seit seinem Amtsantritt steuere er dagegen an. So habe er es geschafft, dass der Antibiotika-Verbrauch in niedersächsischen Ställen deutlich zurückgegangen sei. Enten haben nun Zugang zu Wasser. Er habe Anreize geschaffen, damit Schweinen nicht die Ringelschwänze amputiert werden. In der Hühnerhaltung boomten mobile Ställe mit 500 bis 1000 Tieren.

Gleichzeitig, so Meyer, gelte es, die Verbraucher aufzuklären. Viele Bürger seien bereit, für Produkte mehr zu zahlen, bei deren Herstellung auf das Tierwohl geachtet werde. Deshalb sei die Kennzeichnungspflicht wichtig. So müsse zum Beispiel auch auf den Verpackungen von Nudeln oder Kuchen stehen, ob die verarbeiteten Eier aus Freilandhaltung stammten. Das mache zudem Rückrufaktionen möglich. Derzeit werden oft importierte Kafigeier verwendet, sagte der Grünen-Politiker.

Wie schwer selbst ernährungsbewussten Verbrauchern das Umdenken weg von der Menge hin zur Qualität fällt, schilderte Holger Plöger von der Bioküche Leinetal. Seit zehn Jahren beliefere seine Firma Kindertagesstätten und Schulen mit Biomahlzeiten. Noch immer fragten Eltern, warum ihre Kinder wenig Fleisch bekommen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Anzeigenspezial
Die Bilder der Woche vom 2. bis 8. Dezember
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt