Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Amtsgericht Göttingen: Straftäter in Handschellen geflohen

Haftvorführung Amtsgericht Göttingen: Straftäter in Handschellen geflohen

So schnell hat selten jemand üble Annahmen über sich bestätigt: „Fluchtgefahr“ steht im Haftbefehl, den am Mittwochmittag ein Haftrichter im Amtsgericht unterschrieb und damit einen 17-Jährigen hinter Gitter schickte. Dort kam er allerdings nicht an.

Voriger Artikel
Offizieller Startschuss für das Projekt „eRadschnellweg Göttingen“
Nächster Artikel
Hettenser beklagen maroden Zustand des Mühlenwegs

Fluchtort Amtsgericht: Nach Vorführung beim Haftrichter ist ein 17-Jähriger vom Vorhof des Gerichtskomplexes davongelaufen. Rechts das Rolltor zum Zellentrakt.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Binnen Minuten hatte der junge Mann die Gefahr bewiesen und war, die Hände noch in Fesseln, getürmt. Bis zum Abend suchte die Polizei erfolglos nach dem Flüchtigen.

Dem wegen Körperverletzung, Raub- und Eigentumsdelikten vorbestraften Jugendlichen aus Göttingen wird aktuell eine räuberische Erpressung vorgeworfen.

Zusammen mit anderen soll er am Dienstagabend gegen 22.15 Uhr einen 19 Jahre alten Bekannten aus dem Landkreis unter Androhung von Gewalt sowie mit weiteren Drohungen um sein Handy gebracht haben.

„Abgezogen“ nennen die jungen Leute diese Form von räuberischer Erpressung.

Am Mittwochmittag wurde der Festgenommene dem Haftrichter vorgeführt. Der sah dringenden Tatverdacht und erließ zudem einen Haftbefehl. Er begründete ihn mit Flucht- und Wiederholungsgefahr. 

Zu schnell gewesen

Zwei Polizeibeamte wollten den 17-Jährigen nun per Polizeiwagen nach Braunschweig in die dortige Jugend-Untersuchungshaft fahren.

Was dann geschah, beschreibt ein Zeuge so: Auf dem Garagenhof haben um 12.15 Uhr drei Männer, zwei zivile Polizeibeamte und der 17-Jährige mit Handfesseln, gestanden. Urplötzlich sei der Gefesselte davongerannt, „und das außergewöhnlich flink, trotz der Handschellen vor dem Bauch“.

Einer der Begleiter sei ihm noch nachgelaufen, der andere verdattert stehengeblieben. Der Flüchtige sei aber zu schnell gewesen, die Auffahrt Richtung Idunazentrum hoch und auf dem Maschmühlenweg verschwunden.

Danach wimmelte es von Polizeibeamten, -fahrzeugen und Spürhunden rund um den Gerichtskomplex. Gefunden wurde der Flüchtige aber nicht.

Die Polizei gehe nach derzeitiger Bewertung zwar nicht von einer konkreten Gefährlichkeit des Flüchtigen aus, rät aber, wenn der Gesuchte entdeckt wird, nicht selbst an ihn heranzutreten sondern die Polizei unter Notruf 110 zu rufen.

Keine vergleichbare Flucht

Der 17-Jährige sei 1,70 bis 1,75 Meter groß und athletisch, habe kurz geschorene blonde Haare und sei mit grauem T-Shirt und ausgewaschener Jeans bekleidet. Die rechte Hand trage er zudem in einem Verband.

An eine vergleichbare Flucht, so Gerichtssprecher Stefan Scherrer, könne er sich aus seiner Zeit als Haftrichter gar nicht erinnern. Vor etlichen Jahren war einmal ein Vorgeführter durch einen Sprung aus dem Flur vor dem Haftprüfungsraum geflohen.

Der Bereich ist seit Jahren so umgebaut, dass das nicht mehr passieren kann.

Inhaftierte werden üblicherweise auch innerhalb des Gebäudes von der Vorführzelle in den Transporter geführt, ehe das Außentor aufgeht. Wenn aber Jugendliche transportiert werden, geschieht das mit Zivilfahrzeugen vom Vorplatz des Zellentrakts aus.

Dieser Artikel wurde aktualisiert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
„Ihr Sohn nervt!“
Derzeit nur telefonisch im Kontakt: Oliver E. mit dem Handy-Foto seines inhaftierten Sohnes.

„Ihr Sohn nervt!“ Dieser Satz klingt Oliver E. seit Monaten in den Ohren. „Ihr Sohn nervt!“ Das, so sagt der 38-Jährige, habe die Justizangestellte ihm mehrfach am Telefon gesagt, weil der Jugendliche immer wieder zu Hause in Göttingen anrufen und sich beklagen wollte, dass er von Mitgefangenen gemobbt, drangsaliert und gedemütigt werde.

mehr
Anzeigenspezial
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt