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Amtsgericht Northeim spricht verdächtigte Pflegeassistentin frei

Toter Frau Ringe gestohlen Amtsgericht Northeim spricht verdächtigte Pflegeassistentin frei

Eine „Riesensauerei“,  urteilte Amtsanwältin Julia Mansfeld energisch: „Klauen ist schon schlimm genug, aber dies ist ganz besonders schlimm.“ Dabei war es rechtlich nur einfacher Diebstahl, dessen die 51-jährige Pflegeassistentin sich im Amtsgericht Northeim verantworten musste – allerdings Diebstahl von einer Toten.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Northeim. Vier goldene, teils mit Edelsteinen besetzte Ringe soll sie laut Strafbefehl der gerade gestorbenen alten Dame von den Fingern gezogen haben, ehe sie sie wusch und für die Beerdigung ankleidete. So dröhnend die Anklagevertreterin die Tat aber auch anprangert, sie beantragt am Ende doch Freispruch.

Und freigesprochen wird die unbescholtene, seit 20 Jahren in dem Heim arbeitende Pflegeassistentin schließlich auch.

Für den Heimbetreiber aus dem Landkreis Northeim muss es damals der Super-Gau gewesen sein: Diebstahl an einer Verstorbenen im Pflegeheim, und die Tochter der Toten ist Staatsanwältin.

Noch zwischen Eintritt des Todes und dem Besuch des Hausarztes zur Leichenschau wurden der 80 Jahre alten Bewohnerin vier Goldringe von den Fingern gezogen; der Ehering, ein Ring mit Diamant, einer mit Rubin, vor allem aber das Familienerbstück mit Saphir, das der Vater der Verstorbenen seiner Frau einst zur Geburt der Tochter schenkte.

Erst der Bestatter sollte sie abnehmen

Ein Pferd habe er damals verkauft dafür, „welch ein Liebesbeweis“, sagen die beiden Enkeltöchter.

Deshalb, weil die Mutter den Familienschmuck so gern trug, habe man sich in jener Nacht noch an ihrem Totenbett darauf verständigt, ihr die Ringe zunächst an den Fingern zu lassen. Erst der Bestatter sollte sie abnehmen. Die Töchter hatten die Nacht über am Bett der Mutter gewacht, bis sie gegen Morgen starb.

Dann baten sie das Pflegepersonal, die Verstorbene zu waschen, ihr ihr Lieblingskleid anzuziehen und ihr das Gesteck Orchideen in die Hand zu geben, das sie in der Todesnacht aus der Pflanze im Zimmer der Mutter gebunden hatten.

Später wunderten sich Pflegemitarbeiter und Töchter, dass nicht nur der Strauß, sondern weitere Orchideenblüten die Hände der Frau ganz verdeckten. Darunter verborgen die Finger – ohne Ringe. Die 51-Jährige selbst sagte unumwunden, dass sie es war, die weitere Blüten platziert habe. Dadurch hatte sie sich in Verdacht gebracht.

Doch war wirklich nur sie allein mit der Toten? Fünf Zeuginnen werden gehört, fünf Aussagen dieser Zeuginnen bei der Polizei mit den jetzigen Angaben verglichen. Im Ergebnis Widersprüche um Widersprüche. So machte die eine Zeugin vor, in welcher Körperhaltung sie eine andere Pflegeassistentin am Bett der Toten gesehen haben will, die so Verdächtigte aber will dort nie gewesen sein.

„Ich hoffe, sie waren es wirklich nicht“

Ebenso sagt eine Zeugin, eine Palliativschwester, es habe keine Ringe mehr an den Fingern der Toten gegeben, als sie diese gefaltet habe. Und Verteidigerin Nina Jüttner macht zudem darauf aufmerksam, dass es weitere Diebstähle in dem Pflegeheim gegeben habe, auch nach dieser Tat noch.

Es sei nicht einmal erwiesen, dass es überhaupt einen Diebstahl gab.

Den hält Richter Arno Cardinal nach den Aussagen der Töchter zwar für belegt, nicht erwiesen sei allerdings, wer es war. Auch er verwies auf die vielen Widersprüche. Viele hätten schließlich Zugang zum Zimmer der Toten gehabt. „Auch sie haben sicher persönlich gelitten unter dem Verdacht“, sagte er tröstend zur Freigesprochenen – und fügte an: „Ich hoffe, sie waren es wirklich nicht.“

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