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Analphabetismus: Ein Betroffener aus der Region erzählt Im Interview: Gundula Laudin

VHS Göttingen

Im Interview: Gundula Laudin

Welche Probleme haben Analphabeten im Alltag? Wie viele gibt es? Darüber sprach Andreas Fuhrmann mit Gundula Laudin (46), Fachbereichsleiterin Sprachen an der Volkshochschule (VHS) Göttingen.

„Der Kurs hat sehr viel gebracht“: Früher konnte Fritz R. noch nicht einmal die Entschuldigung für seinen Sohn verfassen. Heute fällt ihm das Schreiben wieder leichter.

© Hinzmann
Wie viele Menschen in Göttingen können nicht richtig lesen und schreiben?
Etwa 15 000 Menschen. Grundlage für die geschätzte Zahl ist die relativ neue Level-One-Studie, nach der 7,5 Millionen (14 Prozent) der erwerbsfähigen Deutschen funktionale Analphabeten sind.
 
Was bedeutet funktionale Analphabeten?
Das sind Menschen, die zwar einzelne Sätze lesen oder schreiben können, nicht jedoch zusammenhängende, auch kürze Texte wie eine Arbeitsanweisung. Sie können also nicht richtig lesen und schreiben, um im Beruf oder Alltag zurechtzukommen.
 
Nennen sie bitte Beispiele.
Wenn jemand zwar Wörter lesen kann, aber zum Beispiel den Elternbrief aus der Schule, die Sicherheitsanweisung am Arbeitsplatz oder das Schreiben von der Bank nicht lesen kann, dann ist der Alltag ein Problem. Auch beim Schreiben: Wenn in jedem zweiten Wort ein Fehler ist, dann reichen diese Kenntnisse nicht aus – und das wissen die Betroffenen auch oft.
 
Das heißt?
Um sich nicht vor der Familie oder den Kollegen zu blamieren, vermeiden sie vorsichtshalber das Schreiben und sind dann kaum besser dran als ein totaler Analphabet. Nicht ausreichend lesen und schreiben zu können, ist peinlich und wird von den Betroffenen nach Möglichkeit verheimlicht. Daher gibt es eine hohe Dunkelziffer.
 
Wer ist häufig von Analphabetismus betroffen?
60,3 Prozent der funktionalen Analphabeten sind Männer. Am stärksten betroffen sind die Altersgruppen 50-64 und 18-29. 58 Prozent der funktionalen Analphabeten haben Deutsch als Erstsprache gelernt, 57 Prozent sind erwerbstätig, 19 Prozent haben keinen Schulabschluss.
 
Warum gibt es so viele Analphabeten, auch in Göttingen?
Auch in Göttingen ist das Thema kein Randphänomen. Probleme in der Familie, desinteressierte und überforderte Eltern, Vernachlässigung: All das kann dazu beitragen, dass Kinder in der Schule nicht richtig lesen und schreiben lernen. Lesen und Schreiben wird im Wesentlichen in der Grundschule vermittelt. Wer hier den Anschluss nicht findet, läuft hinterher.
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