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„Anders haben wir keine Chance zu verändern“

Bildungsstreik „Anders haben wir keine Chance zu verändern“

„Eigentlich bin ich bei ‚sowas‘ ja nicht dabei“, erklärt Arne. Zu Beginn sei der Soziologiestudent von der Besetzung des Verfügungsgebäudes (VG) abgeschreckt gewesen, weil sie ihm zu „links“ und „autonom“ erschienen sei. „Das Thema Bildung ist mir aber so wichtig, dass ich mithelfe und versuche, etwas zu verändern.“ Von den übrigen Besetzern sei er positiv überrascht worden: „Das Ziel steht im Vordergrund, nicht die politischen Interessen der einzelnen Gruppen.“

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Am Verfügungsgebäude der Göttinger Universität: Protesttransparente weisen auf die Forderungen der Studierenden hin.

Quelle: Mischke

In der Tat wird die Besetzung des VGs hauptsächlich von linken Hochschulgruppen unterstützt. Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta), gebildet durch die Arbeitsgemeinschaft Demokratischer Fachschaftsmitglieder (ADF), hält sich heraus. Der Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) hat die Unileitung in der vergangenen Woche sogar aufgefordert, das Gebäude räumen zu lassen. Die Besetzung diene nicht den Interessen der Studierenden.

Die Universitätsleitung teilt indes mit, dass sie derzeit noch keinen Handlungsbedarf sehe. Im VG wird aber befürchtet, dass sich die Haltung der Uni schnell ändern könnte. „Wir bleiben so lange, wie es nötig und möglich ist“, sagt Arne.

Der Bildungsstreik 2009 hatte mit Beginn des Wintersemesters bundesweit wieder an Fahrt aufgenommen, so auch in der Universitätsstadt Göttingen. Seit Mittwoch letzter Woche halten die Streikenden das Erdgeschoss des VGs besetzt und planen dort ihre Aktionen.

„Verschulter“ Lehrplan

Zweimal täglich wird im VG ein offenes Plenum abgehalten; Streikende bieten Seminare und Workshops zum Protest und zu politischen Themen an. Studierende lernen, essen und schlafen im VG. An den Wänden hängen überall Infozettel. Diese teilen auch die Forderungen mit: Unter anderem werden die Abschaffung der Studiengebühren, freier Zugang zu Masterplätzen und ein weniger „verschulter“ Lehrplan angestrebt. „Eigenes Denken ist momentan nicht gefragt, sondern Auswendiglernen“, meint Lukas, der Germanistik und Musikwissenschaft studiert. Neben dem Studium bleibe zudem kaum noch Zeit für andere Aktivitäten.

Außerdem fordern die Studierenden bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten. „Auf dem institutionellen Weg haben wir keine Chance, etwas zu verändern“, beklagt Lukas, „deshalb müssen wir diese Form des Protests wählen. Es geht uns aber nicht darum, die Uni zu schwänzen. Wir gehen weiter zu unseren Seminaren.“

Arne und Lukas gehören dem Arbeitskreis Presse der Besetzer an. Den beiden ist aber wichtig, dass ihre Meinungen zum Bildungsstreik nur zwei unter vielen seien: „Es spricht hier niemand für alle Besetzer.“

Hat der Bildungsstreik bereits Erfolge zu verbuchen? „Die öffentliche Meinung verändert sich zu unseren Gunsten“, meint Lukas. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) zum Beispiel habe die Proteste im Sommer noch als „gestrig“ bezeichnet. „Jetzt spricht sie von ‚Verständnis für die Studierenden‘“, fügt Arne hinzu. Im VG herrscht aber Skepsis. Es könnte sich nur um „leere Versprechungen“ handeln, um den deutschlandweiten Protesten den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Von Christian Röther

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