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Angeklagte: „Muss ich jetzt ins Gefängnis?“

Aus dem Amtsgericht Angeklagte: „Muss ich jetzt ins Gefängnis?“

Der Angeklagten sieht man an, dass sie nicht auf Rosen gebettet ist. Die Färbung wächst langsam aus dem Haar, Zahnersatz kann sie sich nicht leisten, seit vielen Jahren bezieht sie Arbeitslosengeld II. Das, so wird ihr vorgeworfen, hat sie durch Betrug aufgebessert.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Die Wonderbra-Büstenhalter und Teelichter, die sie in Mengen im Versandhandel bestellte, hat sie nicht für sich genutzt, sondern auf dem Flohmarkt verkauft. Das macht den Betrug auch noch zu einem gewerbsmäßigen. „Ich habe das nicht richtig verstanden: Muss ich jetzt ins Gefängnis“, fragt sie, als ihr die Richterin das obligatorische letzte Wort vor der Urteilsverkündung erteilt. Geduldig wird ihr übersetzt, was der Staatsanwalt in seinem Plädoyer beantragt hat: zehn Monate Gefängnis, ausgesetzt zur Bewährung. Und genau so kommt es dann auch.

Die 56-jährige Göttingerin, allein lebend, geschieden, Mutter erwachsener Kinder, ist schuldig, in vier Fällen des Betruges. Sie hat – und zwar schon vor mehr als fünf Jahren – telefonisch und unter falschen Namen beim Versandhändler Bonprix Waren bestellt und sich an ihre Adresse schicken lassen.

Mal waren es Kleidungsstücke, mal Kerzen, und eben auch Push-up-BHs. Die gelieferte Ware im Wert je Lieferung zwischen 106 und 604 Euro – insgesamt für rund 1200 Euro – wurde auf Flohmärkten in Northeim und Göttingen zu Bargeld.

Inkassodienst vor der Tür

„Das habe ich alles gemacht, das gebe ich zu. Ich mache das auch nie wieder“, räumt sie ihre Taten ein. Dass es ausgerechnet die Namen der Schwägerin oder einer Bekannten, die sie im Frauenhaus kennenlernte, waren, die sie missbrauchte, tut ihr besonders leid. Die Schwägerin etwa hat heftig Ärger bekommen, als eines Tages ein Inkassodienst vor der Tür stand, um im Auftrag des Versandhändlers das seit Jahren ausstehende Geld einzutreiben.

Erhebliche Inkassokosten kamen obendrauf. Über die Lieferadresse kam man schließlich auf die Angeklagte. Die stottert inzwischen Monat für Monat je 60 Euro der Forderungen von ihrem Hartz-IV-Geld ab.

Wäre die Frau nicht wegen Betruges, Diebstahls und Urkundenfälschung vorbestraft, wäre das Urteil milder ausgefallen. So bleibt es bei zehn Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Sie muss – vorerst – nicht ins Gefängnis.

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