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Angeklagter hat „Bälle lange in der Luft gehalten“

Aus dem Amtsgericht Angeklagter hat „Bälle lange in der Luft gehalten“

Mit wackeligen Beinchen stakst der kleine Junge strahlend seinem Vater entgegen. Bevor er auf den Arm darf, muss der Wachtmeister dem 39-Jährigen erst noch die Handschellen abmachen. Der Richter gratuliert dem Angeklagten zum dritten Kind, gerade einmal eine Woche alt, geboren, während der Mann aus Adelebsen wieder einmal hinter Gittern saß.

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Symbolbild

Quelle: dpa

29 Verurteilungen weist seine Vorstrafenliste auf – heute kommt die 30. hinzu. Und jetzt ist Schluss mit Milde. „Wir haben kein Verständnis mehr für Ihre Ausreden“, sagt Amtsrichter Arno Cardinal. Das Urteil lautet auf zweieinhalb Jahre Gefängnis und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Dabei hat der aus dem Raum Uslar stammende Mann doch alles reumütig gestanden: sieben schwere Diebstahlstaten plus Autofahren ohne Führerschein.  Er hat sogar eine dramatische Erklärung geliefert, warum er nach zwei Entziehungskuren auch diesmal wieder rückfällig wurde und erneut Heroin nahm.

Denn eigentlich lief ja alles gut, nachdem sich der gelernte Forstwirt selbstständig gemacht hatte, zunächst Brennholz in Solling und Bramwald machte und schließlich für verschiedene Auftraggeber im Lohnauftrag Holz in den Wäldern der Landkreise Göttingen und Northeim einschlug. Weil er keinen Führerschein besitzt, hatte er einen Teilhaber in der Firma, der fuhr und mithalf. Doch dann fiel dem Partner beim Bäumefällen ein Ast auf den Kopf: Schädelbruch, langes Koma, noch viel längere Rehabilitation.

Der Angeklagte machte allein weiter, ließ sich von unzuverlässigen Helfern fahren, stand dann schon mal allein im Wald und wurde nicht abgeholt. Verboten ist das kommerzielle Holzeinschlagen ganz allein wegen der Unfallgefahr ohnehin. Da habe er wieder zur Droge gegriffen. Ein Teufelskreis begann.

Um Heroin zu beschaffen, aber auch um die Familie zu ernähren, brauchte er Geld. Gleichzeitig vertrauten ihm die Holzfirmen nicht mehr. Aufträge blieben aus. Zu Hause musste er seinen Drogenrückfall verbergen. Und damit ihn die Polizei nicht erwischt, war er fast nur noch auf Waldwegen im Auto unterwegs.

Bei diesen Fahrten entdeckte er, was seine Kollegen so an Gerätschaft im Wald ließen, wenn sie Feierabend machten. Er brach ihre Werkzeugkisten auf, zapfte ihr Diesel aus den Vorratstanks, stahl Elektrogeneratoren und ganze Anhänger voller Waldarbeiter-Werkzeug. In Wäldern bei Adelebsen, Hardegsen, Bursfelde, Nienover und Neuhaus schlug er zu. Die Beute machte er zu Geld oder verbrauchte sie selbst. Am 11. Dezember 2011 wurde er auf frischer Tat gefasst.

Der psychiatrische Gutachter Georg Stoplmann attestiert dem Angeklagten vor dem Amtsgericht Northeim zwar eine schwere Drogenkrankheit, seine Steuerungsfähigkeit sei deshalb aber in keinem Fall eingeschränkt gewesen. Es sei ihm ja sogar gelungen, den Rückfall vor seiner Lebensgefährtin zu verbergen. Eine Therapie sei aber aussichtsreich.

Selbst die Richter beeindruckt der Angeklagte, weil er „so viele Bälle so lange in der Luft gehalten“ und dabei „richtige Managerfähigkeiten bewiesen“ habe. Er sei doch „eigentlich ein patenter Mann“, sagt Richter Cardinal in der Urteilsbegründung, Doch Drogen als Bewältigungssstrategie von Problemen anzusehen, könne nicht weiter angehen. Es sei jetzt „Schluss mit letzten Chancen.“ Deshalb müsse er jetzt in eine geschlossene Entziehungsanstalt, damit es danach Schluss ist mit der dauernden Drogenkriminalität. „Oder wollen Sie, dass Ihre Kinder Sie immer nur im Knast besuchen?“

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