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Angler fordern Fangverbot für Glasaal

Aussterben Angler fordern Fangverbot für Glasaal

„Aalfangverbot für Sportfischer“, „Kormoran wird Vogel des Jahres 2010“. Zwei Schlagzeilen, die auch unter den Angelsportvereinen des Landkreises Göttingen für Aufregung sorgen.

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Für Angler einer der Gründe für die Not der Aale: Kormoran mit Beute, einem Aal.

Quelle: ddp

Ausgerechnet der seit Jahren wieder in Massen auftretende Fischräuber Kormoran ist beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu) zu Ehren gekommen, während andererseits der World Wide Fund For Nature (WWF) Alarm schlägt, weil der europäische Aal vor dem Aussterben stehe. Der WWF fordert deshalb einen Fang-stopp für kommerzielle Fischerei und Sportfischer.

Dabei gäbe es in den Gewässern des Landkreises gar keine Aale mehr, würden die Fischereivereine nicht durch Besatz dafür sorgen, dass der Schlängler hier weiter zum Ökosystem gehört. Denn eine natürliche Vermehrung ist ausgeschlossen, weil keines der hiesigen Gewässer frei von Wehren, Staustufen und Kraftwerken ist. Der Aal, der sich nach 5000 Kilometern Wanderung ausschließlich in der Sargassosee im westlichen Atlantik vermehrt, hat keine Chance, bei Rückkehr der Jungtiere eines der verbauten deutschen Fließgewässer zu erreichen.

„Radikale Bekämpfung“

Der Sportangelklub Göttingen und Willibald Elsner als Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Angelsportler hat deshalb darauf verwiesen, dass es zum Schutz der Aale eine „radikale Bekämpfung der Ursachen“ für das Aussterben bedürfe. Und dazu gehöre in hiesigen Gewässern auch der Fraßdruck durch den Kormoran, dessen massenhaftes Aufkommen auch andere Fischarten wie Flussneunauge, Forelle und Äsche bedrohe.
Als größte Gefahrenpotenziale für die Aalpopulationen nennt Elsner den kommerziellen Fang von Glasaalen (etwa sieben Zentimeter lange zurückkehrende Jungtiere) sowie Wasserkraftanlagen in Flüssen. In Frankreich, Spanien und Portugal werden tonnenweise Glasaale für den Export nach Asien gefangen. Ein Kilogramm, das sind rund 3000 Tiere, kosten 650 bis 1000 Euro.

Der Verbau der Fließgewässer sowie die Wasserkraftanlagen dezimieren den Bestand zudem. Zu tausenden sterben ausgewachsene Aale (Blankaale) beim Versuch, in ihr Fortpflanzungsgewässer abzuwandern, in den Turbinen – „wie in einem Häcksler“, sagt Elsner. Der Schutz der Aale, so der Angler-Funktionär, müsse auch im Bereich der Stadt und des Landkreises Göttingen Vorrang vor der Stromproduktion in kleinen Wasserkraftanlagen haben. Fischtreppen, Fischpässe, Scheuchanlagen und Rechen, die wirksam Turbinenkanäle versperren, seien erforderlich. Die Politik fördere einerseits die Stromerzeugung durch Wasserkraft, beklage zugleich aber Artenschwund. Nach Darstellung des WWF sei die Jungtierpopulation bei Aalen auf nur noch neun Prozent ihres Bestandes aus den 80er Jahren geschrumpft. Es werde laut einer wissenschaftlichen Prognose 60 bis 100 Jahre dauern, bis sich der Aalbestand erholt habe.

Die Göttinger Angler bekommen die Auswirkung der Aal-Problematik schon zu spüren. Als erstes Bundesland hat Hessen den Aal vom 1. Oktober bis 1. März unter Schutz gestellt. Das Aal-Gewässer Werra fällt im Winterhalbjahr für die Göttinger Angler aus. Dann fischt dort nur noch der Kormoran.

Von Jürgen Gückel

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