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Angriff auf Tattoo-Studio: Antifa provoziert versehentlich Rockerszene

Racheaktionen befürchtet Angriff auf Tattoo-Studio: Antifa provoziert versehentlich Rockerszene

„Die linke Szene in der Roten Straße ist in heller Aufregung.“ Das sagt Gerd Hujahn, Einsatzleiter der Göttinger Polizeiinspektion. Grund sei der Angriff auf das Tattoo-Studio „Jenny B’s“ am Sonnabend. Damit habe die Antifa, offenbar unabsichtlich, die Rockerszene provoziert.

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Grund der Auseinandersetzungen: Der Angriff auf das Tattoo-Studio in der Roten Straße am vergangenen Sonnabend.

Quelle: Heller

Göttingen. Eine Gruppe Vermummter hatte das Studio in der Roten Straße während der Eröffnungsfeier attackiert. Die Täter, laut Polizei stammen sie aus der linken Szene, zertrümmerten mit Baseballschlägern Fensterscheiben und Inventar. Der Angriff, zu dem sich im Internet „einige Antifas“ bekannten, galt drei Neonazis, die sich in dem Laden aufhielten.

Was die Angreifer aber offenbar nicht wussten: Unter den Gästen im Tattoo-Studio befanden sich laut Polizei auch Mitglieder von Rockerclubs, auch aus der hiesigen Szene. „Und die fanden die Aktion natürlich gar nicht gut“, sagt Hujahn.

Dadurch habe sich eine „schwierige Gemengelage“ ergeben. „Der Angriff galt natürlich den Rechten. Die Angreifer wussten nicht, dass auch Rocker da sind“, sagt Hujahn. „Wir konnten aber schlecht einschätzen, wie es weitergeht.“ Weil die Polizei Racheaktionen der Rocker befürchtete, habe sie vor Ort das ganze Wochenende über Präsenz gezeigt und ein linkes Wohnprojekt in der Roten Straße geschützt.

Rocker vor Ort, aber als Gäste

Parallel habe man „direkte und indirekte Gespräche mit beiden Parteien“ geführt, sagt Hujahn. Unter anderem hätten die Ermittler auch mit Personen „aus dem Umfeld der Hells Angels und Red Devils“ gesprochen und noch einmal deutlich gemacht, dass der Angriff nicht ihnen galt. Und dass es keinen Sinn habe, die Konfrontation zu suchen. Hujahn nennt das „Gefährderansprache“.

Jennifer Franke, Inhaberin des Tattoo-Studios, kann die Sicht der Polizei in diesem Fall nicht nachvollziehen. „Niemand von den Gästen hat den Linken gedroht“ , sagt die 42-Jährige. „Es gab auch keinen Rockerauflauf.“ Es seien zwar Rocker vor Ort gewesen, aber als Gäste und nicht in Kutten.

Natürlich würden in ihren Studios auch Leute aus der Rockerszene tätowiert. Diese würden sich nun einmal gerne tätowieren lassen. „Aber ich gehöre der Rockerszene nicht an. Und auch der Laden ist kein Rockerladen“, betont Franke. Das bestätigt auch Hujahn: „Es ist kein Studio von Rockern.“

Franke bekräftigt auch nochmals, dass sie nichts davon gewusst habe, dass drei Neonazis bei der Eröffnungsfeier waren: „Das ist total schrecklich, dass die dort aufgelaufen sind.“ Dass sie keine Kontakte in die rechte Szene habe, hätten mittlerweile auch die Linken eingesehen. Diese seien sogar bereits auf sie zugekommen, so Franke.

Es habe Gespräche gegeben. Sie könne noch nicht viel verraten, aber „wir haben uns mit unseren Nachbarn in der Roten Straße sehr angenähert“. Das sei „sehr, sehr erfreulich“.

Während der Eröffnungsfeier eines Tattoo-Studios in der Roten Straße in Göttingen kam es zu einem Überfall. Vermummte Personen zertrümmerten Fenster und Vitrinen.

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"Keinerlei Interesse an irgendeiner Auseinandersetzung mit dem Laden "

Wie diese Annäherung aussieht, zeigte sich dann Mittwoch am späten Nachmittag. Auf der Internet-Plattform indymedia wurde eine Erklärung „zum Vorfall am 19.01.13 in der Roten Straße“ eingestellt. Darin heißt es, dass sich Bewohner des Wohnprojekts Rote Straße mit Franke und ihrem Team in deren Laden getroffen hätten, „um, entgegen von außen lancierter Meldungen, klarzustellen, dass keinerlei Interesse an irgendeiner Auseinandersetzung mit dem Laden Jennys besteht“.

Sie hätten zudem  „ihr Bedauern über den Vorfall“ am Sonnabend ausgedrückt. Weiter heißt es: „Weder Jenny noch die BewohnerInnen der Rote Straße verstehen das anscheinende Interesse der Polizei, einen Konflikt innerhalb der Roten Straße herbeizureden und damit Mutmaßungen über angebliche Hintergründe in der Öffentlichkeit noch weiter anzuheizen.“

Sowohl Franke als auch die Bewohner der Roten Straße positionierten sich klar gegen Nazis in der Stadt. Dennoch hätten sich alle Anwesenden gegen eine Aktion wie die am vergangenen Sonnabend ausgesprochen.

Wir haben Blumen bekommen

Damit sei es nun auch gut, sagt Franke. Ohnehin wolle sie jetzt einen Schlussstrich unter die Sache ziehen und „noch mal bei Null anfangen“. Das Studio in der Roten Straße werde sie auf jeden Fall weiter betreiben. Das liege auch an der Anteilnahme Göttinger Bürger. „Viele haben ihre Entrüstung ausgedrückt über das, was passiert ist. Wir haben Blumen bekommen und kleine Geschenke. Das habe ich im Leben nicht erwartet.“

Sie halte Göttingen immer noch für eine tolle Stadt. „Und ich freue mich, ein Teil der Roten Straße zu sein.“ Mittlerweile hätten sich die Wogen geglättet, sagt auch Hujahn. Die Polizei rechne nicht mehr mit Übergriffen. Die Ermittlungen wegen des Angriffs auf das Tattoo-Studio liefen aber weiterhin auf Hochtouren.

Spuren seien gesichert worden. „Und falls sich dadurch ein Tatverdacht ergibt, werden wir dem auch nachgehen.“

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Vermummte rücken mit Knüppeln an

In der Roten Straße in Göttingen ist am Sonnabend das Tattoo-Studio JennyB eröffnet worden. Gegen 14.30 Uhr stürmte ein Gruppe Vermummter mit Knüppeln das Geschäft. Sie schlugen das Schaufenster und Vitrinen ein. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter  in den Reihen der linken Szene zu suchen sind.

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