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Das Freibad als zweite Heimat

Anne Sievers erinnert sich Das Freibad als zweite Heimat

Das Freibad am Brauweg feiert sein 90-jähriges Bestehen. Als das Schwimmbad 1927 eröffnete, war die Göttingerin Anne Sievers sechs Jahre alt - und konnte bereits schwimmen. Das Freibad habe sie ihr Leben lang begleitet, erzählt die 96-Jährige. "Es war eine zweite Heimat für mich."

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Anne Sievers

Quelle: mze

Göttingen. Sievers hatte sich nach einem Aufruf des Tageblattes anlässlich des Geburtsgtags des Bades gemeldet. Leser sollten ihre schönsten Erinnerungen an die Einrichtung am Brauweg schildern. Und davon hat die 96-Jährige eine ganze Menge.

Das Wasser hat für Sievers immer eine wichtige Rolle gespielt, erzählt sie. "Ich bin genau auf der Grenze zwischen den Sternzeichen Wassermann und Fische geboren", sagt die ehemalige Zahnarzthelferin. Es sei 1926 gewesen, als ihre Mutter ihr in der damaligen Städtischen Badeanstalt an der Bürgerstraße das Schwimmen beigebracht habe. Ein Jahr später eröffnete das Freibad am Brauweg. "Meine Eltern hatten damals schon ein kleines Auto, einen Opel", erzählt Sievers. Gemeinsam seien sie im Sommer jeden Morgen von der Innenstadt, wo die Familie wohnte, zum Freibad gefahren. Dort hätten sich die Eltern oft mit Freunden getroffen. "Wenn man reinging, waren links die Herren- und rechts die Damenkabinen", erinnert sich die Göttingerin. Auch ein kleines Restaurant habe es gegeben. Nach dem morgendlichen Schwimmen hätten die Eltern sie dann direkt zur Schule gefahren.

Programm

Seinen 90. Geburtstag feiert das Freibad am Brauweg am Sonnabend, 12. August, mit einem ganztägigen, besonderen Programm. Wie immer öffnet das Bad um 8 Uhr – die Frühschwimmer können also wie gewohnt ihre Bahnen ziehen. Um 11 Uhr beginnt dann das Jubiläumsprogramm. Beim Moonlightschwimmen von 22 bis 23 Uhr wird das Fest dann ausklingen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zum Freibad habe damals die "Klie'sche Badeanstalt" gelegen, erzählt Sievers. Dabei handelte es sich um das alte Universitätsbad von 1819, das dem Freibad später angegliedert worden sei. Ein Wehr staute an dieser Stelle das Wasser der Leine und erzeugte einen künstlichen Wasserfall, berichtet Sievers. Unter diesem habe sie jeden Morgen mit ihrem Vater gestanden, bevor es hinüber zum Baden ging. Auch an einige Feste kann sie sich erinnern, die im Freibad gefeiert worden seien, als sie etwa zehn Jahre alt war. "Das sind meine schönsten Erinnerungen an das Freibad", sagt Sievers.

Dann kamen andere Zeiten. Während des Krieges sei das Freibad geschlossen gewesen. Da die junge Erwachsene und ihre Freunde nicht auf das Schwimmen im Sommer verzichten wollten, seien sie in die Schwimmbäder nach Adelebsen oder Einbeck ausgewichen oder an die Weser gefahren. "Wir sind fast jeden Sonntag unterwegs gewesen", erinnert sich die Rentnerin. Auch nach dem Krieg blieb Sievers dem Wasser treu. 1946 heiratete sie einen leidenschaftlichen Schwimmer aus Kassel, der später im Freibad am Brauweg die Jugend im Wasserball trainierte. Gemeinsam seien sie in den Schwimmverein SSV Hellas Göttingen eingetreten, aus dem später der ASC 1846 Göttingen hervorgegangen sei. "Uns beiden hat die Schwimmerei gut getan", sagt Sievers. Selbst im Urlaub habe sich ihr Ehemann immer als erstes nach dem nächsten Freibad umgesehen. Noch mit weit mehr als 70 Jahren sei er am Brauweg regelmäßig seine 1000 Meter geschwommen, erzählt die 96-jährige Witwe. Sie selbst habe mit etwa 60 Jahren aufgehört, ins Freibad zu gehen. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2002 sei sie mit 81 Jahren schließlich aus dem ASC ausgetreten.

Zum Wasser und zum Freibad am Brauweg habe sie dennoch ihr Leben lang eine besondere Verbindung gehabt, erzählt Sievers. Nicht zuletzt durch ihren Mann, der ein "echter Wassermann" gewesen sei. "57 Jahre war ich mit meinem Mann verheiratet", sagt die Göttingerin rückblickend, "und immer im Wasser."

Von Maximilian Zech

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