Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Gewitter

Navigation:
Anwälte verklagen Anwälte

Vor Gericht Anwälte verklagen Anwälte

Erneut Ärger für eine große Göttinger Anwaltsfirma: Die Kanzlei soll zahlreiche Geldzahlungen, die für einen ihrer Mandanten bestimmt waren, für sich behalten haben.

Erst kürzlich war die Kanzlei in die Schlagzeilen geraten: Die Staatsanwaltschaft hat den Kanzleichef wegen Titelmissbrauchs im Visier, weil dieser seinen Doktortitel zu Unrecht führen soll. Diesmal geht es um die Vorwürfe der Untreue und der Unterschlagung: Die Kanzlei soll als Rechtsvertreterin einer anderen Göttinger Anwaltskanzlei Prozesse gegen deren Haftpflichtversicherung zwar gewonnen, aber seit dem Jahr 2002 von der Versicherung erstrittene Summen nicht an die Kanzlei weitergeleitet haben.

Dazu wurde vor dem Göttinger Landgericht kurz vor Verjährungsende noch im vergangenen Jahr Klage eingereicht. Auf die mögliche Unterschlagung waren die Kläger erst durch eine Anfrage bei der Versicherung gekommen: Groß war das Erstaunen darüber, dass die vermeintlich ausstehenden Beträge längst bezahlt waren. Die Prozesse gegen die Versicherung waren geführt worden, weil die Assekuranz ihrem Kunden zunächst die Deckung von Schäden aus dem Kanzleibetrieb verweigert hatte. Die Göttinger Kanzlei blieb vor Gericht siegreich, die Versicherung wurde zur Zahlung verurteilt.

Das tat sie offenbar auch, indem sie das Geld nicht an ihren Kunden, sondern an dessen Rechtsvertreterin, die jetzt beklagte Kanzlei überwies. Dort soll es laut Klageschrift unberechtigterweise auch weitgehend geblieben sein: Die „Erstattungsbeträge wurden überwiegend jedoch entweder gar nicht oder mit erheblicher Verspätung an den Kläger ausgezahlt, obwohl die Beklagte in jedem Einzelfall verpflichtet gewesen wäre, ihr nicht zustehende Geldbeträge (...) unverzüglich und ohne Mahnung an diesen auszukehren.“

Bei den Rückforderungen geht es um nicht unerhebliche Summen: Die geschädigte Anwaltskanzlei fordert in einem ersten Schritt für neun Einzelfälle fast 38 000 Euro. Dazu könnte noch einmal in etwa die gleiche Summe kommen, weil darin noch nicht die Zinsen für die offenbar nicht weitergeleiteten Beträge enthalten sind.
Gleichzeitig stellte die Kanzlei am Freitag Strafanzeige gegen ihre Berufskollegen. Die Vorwürfe: Untreue und Unterschlagung.

Von Matthias Heinzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Göttingen
Anzeigenspezial
Bilder der Woche 6. bis 12. Januar
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt