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„Durch ein Wunder ist niemand getötet worden“

Fußgängerampel Bürgerstraße „Durch ein Wunder ist niemand getötet worden“

Für viele Anwohner und regelmäßige Passanten ist die Fußgängerampel an der Göttinger Bürgerstraße ein Sicherheitsrisiko. Ein Unfall, bei dem genau an dieser Stelle in der vergangenen Woche Ampeln und Zäune umgefahren wurden, scheint die Kritiker zu bestätigen.

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Der Fußgängerüberweg an der Ampel Bürgerstraße/Gartenstraße ist für viele ein Ärgernis.

Quelle: Mischke

Göttingen. Laut Polizei hatte ein 64-jähriger Mercedes-Fahrer auf Höhe der Gartenstraße die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren. Er rutschte über die Fußgängerinsel und fällte zwei Ampelmasten und mehrere Zaunstücke. Verletzt wurde niemand, hieß es in der Mitteilung. Was aber beinahe passiert wäre, schildert Franziska Hartung. Sie stand als Augenzeugin mit mehreren Kindern an der Ampel: „Wären wir fünf Sekunden früher da gewesen, hätte ich mit meinen Kinder direkt auf der Insel gestanden. Wir hätten keine Chance gehabt.“

Auch ein Fahrradfahrer, der die Straße bei Rot überquert hatte und einige Fußgänger, die noch nicht losgegangen waren, hätten schlicht Glück gehabt. „Man kann sagen, dass nur durch ein Wunder hier niemand getötet worden ist“, schließt die junge Mutter. So wie sie nutzen mehrere Hundert Menschen diese direkte Verbindung in die Innenstadt und zurück.

„Schlicht und ergreifend lebensgefährlich“

Einer von ihnen ist Uwe Pathé. Er bringt sein zweijähriges Kind hier täglich in die nahegelegene Kindertagesstätte Gartenstraße. „Dieser Fußgängerüberweg, der durch Getrenntschaltung beider Ampeln die Fußgänger dazu nötigt, auf dem schmalen Mittelstreifen völlig ungeschützt stehen zu bleiben, ist schlicht und ergreifend lebensgefährlich“, sagt er. Mehrfach habe er die Stadtverwaltung auf diesen Missstrand hingewiesen und Sicherheitsmaßnahmen angemahnt. Bisher allerdings ohne Erfolg, denn die Verantwortlichen hätten ihn entweder vertröstet oder überhaupt nicht reagiert.

Aus der Göttinger Stadtverwaltung heißt es auf Nachfrage: „Wir kennen die Verhältnisse, wissen also, dass die Querungshilfe nicht optimal ist und dass Fußgänger gern in einem Zug die Straße überqueren und ungern in der Mitte warten“, sagt Sprecher Detlef Johannson. Man untersuche, welche Verbesserungsmöglichkeiten hier bestünden. Das Problem liege darin, dass die Ampel im Interesse der Grünen Welle geschaltet sei, für einen Straßenabschnitt, der täglich im Schnitt knapp 40 000 Fahrzeuge zu verkraften hat, so Johannson.

„Was wir den einen geben, müssen wir den anderen nehmen“

„Wir sind wie so oft in der Situation: Was wir den einen geben, müssen wir den anderen nehmen“, sagt der Verwaltungssprecher. Das Interesse am Verkehrsfluss auf der Bürgerstraße gehe zu Lasten eines komfortableren Angebots für querenden Fußgängerverkehr. Von Komfort allerdings wollen die Fußgänger und Fahrradfahrer gar nicht sprechen. Ihnen geht es um Sicherheit. „Wir nutzen diesen Übergang mittlerweile gar nicht mehr“, sagt Hartung. Lieber nehme sie einen Umweg in Kauf.

Pathé will sich mit der Situation nicht einfach abfinden. Er wendet sich stattdessen in einem letzten Versuch mit konkreten Forderungen an die Stadt: Durchgängige Grünphasen für die Fußgänger, eine längere Pause zwischen den Ampelphasen für Autos und Fußgänger, eine Radarfalle für die zahlreichen Rotlichtsünder, Betonwände auf der Mittelinsel und eine Reduzierung auf Tempo 40. Und wenn das alles nicht möglich sei, könne man hier auch gerne einen Tunnel oder eine Brücke bauen.

Er werde auch nicht davor zurückschrecken, das Problem von einem Gericht klären zu lassen. Einen entsprechenden Strafantrag wegen Nötigung und schwerer Amtspflichtverletzung gegen die Verantwortlichen hat der besorgte Vater bereits formuliert.

CDU bringt Thema in den Bauausschuss

Seine Fraktion habe eine dringende Anfrage für die Bauausschusssitzung am 7. Dezember formuliert, sagt Marcel Pache, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion. Nach dem jüngsten Unfall und den zahlreichen Rückmeldungen speziell aus dem Umfeld der Kita Gartenstraße wolle man von der Göttinger Stadtverwaltung einige Antworten haben: Seit wann liegen Beschwerden vor? Welche Gründe gegen eine durchgehende Grünphase wurden bislang vorgetragen? Ist man bereit, etwas an der Situation zu ändern und welche Alternativen bestehen, um die Gefahrenlage zu minimieren?

Von Markus Scharf

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