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Wochenendkolumne Anziehend

„Göttingen zieht an“ – Ich finde Slogans toll. Sie sind einprägsam, wortwitzig und so vielseitig einsetzbar. Mit diesem hier lockt eigentlich Procity zu einem textilen Großereignis am Sonntag in die Göttinger Innenstadt.

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Mode von 2012: Im vergangenen Jahr war der Laufsteg am Gänseliesel, in diesem am Wilhelmsplatz und in der Düsteren Straße.

Quelle: © Heller

Für die übrigen Nachrichten dieser Woche eignet sich dieser Slogan (übrigens abgeleitet vom schottisch-gälischen sluagh-ghairm „Sammel- oder Schlachtruf“, Ende des pädagogischen Ausflugs) aber auch ganz hervorragend.

Bei täglichen Meldungen über Abrechnungsbetrug, Leberskandale, Kinderschänder, Einbrecher, Diebe, Trickser und Schläger scheint Südniedersachsen seine Anziehungskraft auf die kriminellen Elemente der Gesellschaft auch in dieser Woche nicht verloren zu haben. Beruhigend dabei, dass ein Großteil der genannten Verbrechen bereits aufgeklärt und vor den Gerichten verhandelt wird.

Also weiter: Plötzlich zieht Göttingen auch auswärtige Prominenz an. Sicher kann das Oberzentrum immer noch nicht mit Duderstadt mithalten, wo sich Päpste, Präsidenten und Peter Maffay die Klinke quasi in die Hand geben. Aber immerhin: Den fast noch frisch gebackenen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) zieht es schon zum wiederholten Male an die Stadt, die Wissen schafft (schon wieder so ein schöner Slogan). Heute weilt Weil (Entschuldigung, das war zu verlockend) beispielsweise beim hiesigen SPD-Unterbezirk.

„Strukturschwach“ oder „überaltert“

Auch thematisch widmet sich der langjährige Hannoveraner Bürgermeister mit hanseatischen Wurzeln gerne dem Süden. Und das schon bevor der „Südländer“ Stefan Wenzel (Grüne) zu seinem Vize avancierte. Bereits im Januar stellte Weil seinen Südniedersachsenplan der Öffentlichkeit vor. Und in dieser Woche hören wir, dass unser Landesvater künftig tatsächlich die vom Land zu verteilenden EU-Fördergelder (immerhin rund 1,5 Milliarden Euro) stärker in unsere Richtung fließen lassen möchte. Dass er uns dabei mit so uncharmanten Attributen wie „strukturschwach“ oder „überaltert“ versieht, möchte man ihm dabei fast verzeihen.

Wir sind nämlich nicht überaltert, wir sind „als urbanes Zentrum mit altersgerechter Infrastruktur“ ein Anziehungspunkt für viele ältere Menschen. Das haben wir in dieser Woche von Stadtsprecher Detlef Johannson zum Thema „Immer mehr 100-Jährige in Göttingen“ gelernt. Sehen Sie, Herr Weil, man kann sowas auch schön sagen. Kürzer wäre es dann wohl wieder auf „Göttingen zieht an“ herausgelaufen, aber man sollte Slogans auch nicht überstrapazieren.

Ich wünsche ein schönes Wochenende mit hoffentlich weiterhin frühlingshaften Temperaturen, die das Thema Anziehen in den Hintergrund treten lassen.

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