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Aufgewühlt durch ZDF-Kriegsfilm

Endlich Gewissheit über den Tod des verschollenen Bruders Aufgewühlt durch ZDF-Kriegsfilm

Eine schwer erklärliche Mischung aus Neugier, Angst und so etwas wie Pflichtbewusstsein erfüllte Martha Sohnrey, als sie sich am Sonntagabend vor den Fernseher setzte, um sich den ersten Teil des ZDF-Kriegsfilms „Unsere Mütter, unsere Väter“ anzusehen.

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Schicksal aufgeklärt: Martha Sohnrey mit den beiden noch vorhandenen Bildern ihres verschollenen Bruders Rudolf Stieler.

Quelle: Hinzmann

Groß Ellershausen. Bei den ersten Bildern ahnte die 85-Jährige aus Groß Ellershausen noch nicht, wie sehr sie dieser Film aufwühlen würde: Zum Ende des Dreiteilers würde sie endlich wissen, was mit ihrem seit 1944 verschollenen Bruders geschehen war.

„Warum tust du dir das an?“ hatte die Tochter gefragt, als Sohnrey kundtat, sich den TV-Film anzusehen, der mit drastischen Bildern nicht spart. Die Tochter wusste, wie sehr Martha Sohnrey das Verschwinden ihres Bruders in den Abwehrkämpfen im Sommer 1944 bis heute noch beschäftigt. Marthas Antwort: „Das muss ich ertragen können. Mein Bruder ist in den Krieg gezogen, das jetzt bin ich ihm schuldig.“

Das letzte Lebenszeichen des Gefreiten Rudolf Stieler, dem älteren Bruder Marthas, war am 19. Juni 1944 aus Beschenkowizy gekommen, 30 Kilometer westlich der Stadt Witebsk im heutigen Weißrussland. Seitdem waren alle Bemühungen der Familie vergebens gewesen, sein Schicksal aufzuklären.

Um Witebsk hatte ein paar Tage nach Rudolfs letzter Nachricht eine große Kesselschlacht begonnen, nachdem die übermächtigen sowjetischen Truppen zu einer weiteren Offensive angetreten waren. Um so erschütterter war Martha Sohnrey , dass das Kriegsgeschehen bei Witebsk im zweiten Teil des ZDF-Films in erschreckend realistischen Bildern in ihrem Wohnzimmer auf sie eindrang.

Plötzlich war ihr der Bruder wieder ganz nah. Keine Frage: Den dritten und letzten Teil von „Unsere Mütter, unsere Väter“ am Mittwoch würde sie sich ganz sicher ansehen.

Doch vor Mittwochabend, erzählt Martha Sohnrey, geschah etwas ganz und gar Unglaubliches. In der Post lag ein Brief des Deutschen Roten Kreuzes, vom Generalsekretariat Suchdienst des DRK. Inhalt: ein „Gutachten über das Schicksal des Verschollenen Rudolf Stieler“ mit dem Fazit: „Alle Feststellungen lassen nur die Schlussfolgerung zu, dass er gefallen ist.“

Vorher eine ausführliche Erklärung, wie genau Rudolfs Bataillon nahe dem Städtchen Lepel im Kampf mit russischen Truppen oder Partisanen unterging. In dem Wald- und Sumpfgebiet fielen mit Rudolf Stieler zwölf weitere Soldaten. Wegen der übermächtigen Angriffe der Sowjets konnten Opfer nicht geborgen werden.

Nicht unerwartet

Der DRK-Brief, sagt Martha Sohnrey, war nach fast sieben Jahrzehnten eine völlig unerwartete, schier unglaubliche Überraschung. Nach Kriegsende, und 1950 noch einmal, sagt Sohnrey, habe die Familie den Suchdienst angeschrieben – ohne jeden Erfolg. Der schon 1972 verfasste DRK-Bericht hatte die Hinterbliebenen nie erreicht. Nun kam die Klärung – in einem Moment, als sich die Kriegsbilder in Marthas Sohnreys Kopf gerade wieder aufgetürmt hatten.

Immer noch völlig aufgewühlt habe sie sich am Abend den letzten Teil des ZDF-Dreiteilers angesehen, sagt Sohnrey. Aus dem Film, vor allem aber wegen des plötzlich wieder ganz nahen Schicksal ihres Bruders zieht sie einen klaren Schluss: „So etwas darf nie, nie wieder passieren.“

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