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Ausstellung „Movements of Migration“ im Künstlerhaus Göttingen

„Affenheim“, Arbeitskampf und Anatolien Ausstellung „Movements of Migration“ im Künstlerhaus Göttingen

„Ich bin Deutscher“, klingt die Stimme eines Kindes durch den Kopfhörer. Ihr kleiner Sohn, so berichtet in einem der vielen Tondokumente der jüngst im Künstlerhaus eröffneten Ausstellung „Movements of Migration“ Tülin Demirel, spreche nicht die Sprache seines Papas (Türkisch).

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Migration im Stadtbild: Verschiedene Installationen, Filme und Tondokumente befassen sich mit Ansichten und Einschätzungen.

Quelle: Heller

Göttingen. Auch dass der Knirps die Heimat seines Großvaters (Anatolien) nur von Ferienbesuchen her kenne, erfährt der Besucher. Die Filminstallation gewährt Einblicke in das Leben der Familie Demirel und den Dreh- und Angelpunkt ihrer Familienerinnerungen: eine Gartenlaube, die Tülins Vater vor 27 Jahren baute.

Diese Installation unter dem Titel „Mosaik der Erinnerung“ ist eine der vielfältigen Ansichten und Perspektiven auf ein Thema, das in der Göttinger Gesellschaft bislang eher ein Schattendasein führte. „Lange Jahre blieb die Geschichte der Migration aus der kommunalen Erinnerungsarbeit ausgegrenzt“,  heißt es in den Begleit-Infos zur Schau.

Und das, obwohl 18,5 Prozent der Göttinger Bevölkerung Migrationshintergrund haben. Die Ausstellung „Movements of Migration“ im Künstlerhaus mit verschiedenen Stationen in der Innenstadt entstand in Kooperation zwischen der Universität Göttingen und dem Kunstverein.

Es lohnt sich, sich auf die persönlichen Geschichten der Göttinger Migranten einzulassen und sich Zeit zu nehmen und ihnen zuzuhören. Mit Hilfe der künstlerischen Aufarbeitung des Themas hoffen die Ausstellungsmacher und Forscher des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie, die Stimmen der Einwanderer an die Öffentlichkeit zu tragen.

„Movements of Migration“ heißt das künstlerisch-studentische Ausstellungsprojekt, das vom 3. bis zum 30. März im Göttinger Künstlerhaus in der Gotmarstraße zu sehen ist. In der Ausstellung geht um die Geschichte und Gegenwart der Migration in Göttingen.

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Das gelingt auf ganz vielfältige Weise. Am Markt etwa fällt ein Plakat auf einer Litfaßsäule auf. Es zeigt unter dem Slogan „I want your brain!“ die Figur des Uncle Sam, der eigentlich für das US-Militär wirbt, hier aber einen Gauß-Kopf trägt. Der Gelehrte wirbt um „die besten Köpfe für Göttingen“ und öffnet den Blick für die Universität als einen zentralen Migrationsmagneten der Stadt.

Die Installation in der Studierendenzentrale am Wilhelmsplatz 4 hingegen lässt Macher und Bewohner des Mahatma-Gandhi-Hauses – überwiegend afrikanische und asiatische Studierende – zu Wort kommen. Während mancher Göttinger das Wohnheim abwertend „Affenheim“ nannte, loben deren ehemalige Bewohner die „besondere Atmosphäre“ und das  Zusammenleben verschiedener Menschen und Kulturen. „Das bereichert unheimlich“, lautet eines der Zitate, die an dieser Station zu hören sind.

Und auch über die damalige Wohn- und Arbeitssituation der sogenannten Gastarbeiter erfährt man Überraschendes, Unbekanntes und auch Schockierendes. Eine der Stationen des „Walk of Migration“ ist der Frisörsalon Ordi’s in der Goetheallee 11. Sowohl visuell als auch akustisch bietet sich hier ein Eindruck der Migrationsgeschichte in der Stadt.

Unter dem Titel „Gekommen, gekämpft, geblieben … und einfach vergessen?“ sind da zum Beispiel Ausschnitte aus Tageblatt-Berichten aus den 70er-Jahren zu sehen, und aus dem Kopfhörer klingen die Stimmen der Menschen, die etwa von „Bruchbuden“ für „330 Mark Miete“ oder von ihren Arbeitsbedingungen bei Göttinger Betrieben erzählen. Bei Holz Henkel waren, so erfährt man, die Bedingungen so miserabel, dass 1963 eine Gruppe griechischer Gastarbeiter in einen 21 Stunden währenden Arbeitskampf traten. Dargestellt wird dies in einer Installation vor dem Bahnhof.

Mehr zu der Ausstellung auf movements-of-migration.org
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