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Autokäufer um 2,5 Millionen Euro geprellt?

Betrugsprozess vor dem Landgericht Autokäufer um 2,5 Millionen Euro geprellt?

Weil sie in großem Stil Autokäufer um hohe Geldbeträge gebracht haben sollen, müssen sich seit Mittwoch drei Angeklagte vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Laut Anklage sollen sie mit ihrem betrügerischen Geschäftsmodell zahlreiche Kunden um insgesamt 2,5 Millionen Euro geschädigt haben.

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Quelle: dpa

Göttingen/Adelebsen. Die Staatsanwaltschaft hat einen 41-jährigen Autohändler aus Adelebsen, einen 56-jährigen Autohändler aus dem Vogtland sowie einen 58-jährigen Steuerberater aus Thüringen wegen gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

Hauptakteur soll der Angeklagte aus Adelebsen sein. Der ursprünglich aus dem thüringischen Eichsfeld stammende 41-Jährige soll zwischen März 2012 und Dezember 2013 unter zwei Firmenbezeichnungen zahlreiche Kaufverträge mit Kunden über die Beschaffung von Neufahrzeugen abgeschlossen haben. In diesen Verträgen wurden den Kunden Rabatte in Höhe von bis zu 30 Prozent auf den jeweiligen Listenpreis eingeräumt. Um diesen Rabatt erhalten zu können, sollten die Kunden mit dem vollen Kaufpreis oder mindestens einer erheblichen Anzahlung in Vorleistung treten. Das Geld sollten sie auf eines seiner eigenen Konten oder ein Treuhandkonto zahlen, das der mitangeklagte 58-Jährige eingerichtet hatte. Dieser trat laut Anklage in dem Geschäftsmodell bei einem Teil der Verträge als Treuhänder für die von den Kunden vorab gezahlten Geldbeträge auf. Der 56-jährige dritte Angeklagte soll einen Teil der Kaufvertragsanschlüsse für den 41-jährigen Adelebser vermittelt haben.

Der Adelebser Autohändler soll dann für einen Teil der Käufer Fahrzeuge bestellt haben, aber nur mit einem Rabatt von zehn Prozent. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwar das Geld der Kunden kassiert, die für sie bestellten Fahrzeuge jedoch nicht bezahlt zu haben. Die Kunden hätten ihre Fahrzeuge erst erhalten, nachdem sie nochmals den dann höheren Kaufpreis an die Autohäuser gezahlt hatten. In zwei Drittel der Fälle soll der 41-Jährige überhaupt keine Fahrzeuge bestellt oder beschafft, sondern nur die Vorauszahlungen von den geprellten Kunden kassiert haben.

Investitionen in hochriskante ausländische Geldanlagen

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge hat der Angeklagte im Rahmen eines Schneeballsystems einen Teil der Verträge durch Einnahmen aus späteren Vertragsabschlüssen erfüllt. Den größten Teil der an ihn gezahlten Beträge habe er in hochriskante ausländische Geldanlagen investiert, in der „aberwitzigen Hoffnung, einen Gesamtgewinn zu erzielen“, wie es der Staatsanwalt formulierte.

Bei diesen Spekulationsgeschäften soll auch der mitangeklagte 58-jährige Steuerberater mitgewirkt haben. Dieser soll dabei unter anderem 730.000 Euro auf ein Konto in Liechtenstein transferiert haben. Einmal habe er mehr als 300.000 Euro in bar abgehoben, die dann in der Schweiz landeten und ebenfalls in hochriskante Geldanlagen investiert wurden. Am Ende stand statt der erhofften Gewinne der Totalverlust, das Geld der Kunden war futsch.

Kurz nach Prozessbeginn führten die Verfahrensbeteiligten ein Verständigungsgespräch. Die Kammer stellte danach dem 41-Jährigen für den Fall eines Geständnisses eine Freiheitsstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren in Aussicht. Bei dem 56-Jährigen bewege sich der Strafrahmen zwischen zwei Jahren und zehn Monaten und drei Jahren und zwei Monaten. Der 58-Jährige könnte mit einer Bewährungsstrafe davonkommen, weil er inzwischen nach eigenen Angaben mehr als 680.000 Euro zurückgezahlt und sich mit seinen Gläubigern geeinigt hat.

Von Heidi Niemann

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