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„Overcrowding“ und massive Überlastung des Personals

Beschwerde über Situation in UMG-Notaufnahme „Overcrowding“ und massive Überlastung des Personals

13 Stunden Wartezeit, keine Verpflegung und kaum eine Chance auf ärztliche Behandlung. So schildern Edwin und Jutta Brämer ihre Erfahrungen in der Notaufnahme der Universitätsmedizin Göttingen (UMG). Dort wird bestätigt, dass solche „Overcrowding“-Szenarien keine Ausnahme sind.

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Quelle: dpa

Göttingen. Es ist 9 Uhr am Morgen des 5. Dezember, als Edwin Brämer seine Frau mit Darmbluten in die UMG-Notaufnahme fährt. Die Aufnahme erfolgt schnell und reibungslos. Die behandelnde Ärztin stellt klar, dass die Patientin auf jeden Fall in der Klinik bleiben müsse, aber zurzeit kein Bett frei sei. Jutta Brämer wird untersucht, es wird Blut abgenommen und ein Tropf angelegt. Ihr wird gesagt, dass ein Gastroenterologen über ihren Gesundheitszustand informiert würde. „In der Notaufnahme war keiner bei ihr“, so Brämer. Es folgt langes Warten.

Nach drei Stunden bittet man einen Pfleger mehrfach um etwas zu trinken, bis tatsächlich eine Flasche Wasser gereicht wird. Schlechter sieht es mit dem Essen aus. Zwar gibt es die Aussage der Ärztin, dass die Patientin durchaus essen dürfe und für Verpflegung gesorgt werde. Aber das Friedländer Ehepaar hofft vergebens. „Meine Frau wurde nicht verpflegt“, ärgert sich Brämer. Auch für den weiteren Blutverlust habe sich niemand interessiert.

Gegen 18 Uhr informiert die Ärztin, dass auf Station kein Bett zur Verfügung stehen würde und man sich auf eine Nacht in der Notaufnahme einstellen müsse. Weitere drei Stunden später bekommt Jutta Brämer die Information, dass sie die Nacht auch Zuhause verbringen könne. Um 22 Uhr ist sie wieder in den eigenen vier Wänden. Dort kollabiert sie am nächsten Morgen, ein Notarzt stabilisiert ihren Zustand. In der Uniklinik bekommt sie – endlich auf Statin aufgenommen – zwei Blutkonserven, um den Blutverlust auszugleichen. Nach sechs Tagen darf sie wieder nach Hause.

Der Ärger bei dem Friedländer Ehepaar ist so groß, dass sie sich mit einem offenen Beschwerdebrief an die die Klinikleitung und die Presse wenden. Er wolle betonen, dass dem Pflegepersonal nicht die Schuld zugeschoben werden dürfe, so Brämer. Diese würden sich wirkliche Mühe geben und oft an ihre Belastungsgrenzen gehen.

Die vorliegende Beschwerde belegt ein wichtiges Problem in der Notfallversorgung im bundesweiten Zusammenhang, sagt Prof. Sabine Blaschke, Ärztliche Leiterin der Interdisziplinären Notaufnahme: „Die rasant steigenden Fallzahlen in den Notaufnahmen der Krankenhäuser der Maximalversorgung bringen seit Beginn der letzten Dekade eine Überlastung der Notaufnahmen mit sich.“

Das Patientenaufkommen nehme aufgrund der demografischen Entwicklung und der Veränderungen der hausärztlichen Versorgungsstrukturen rasant zu. Das bedeute, dass sich bei begrenzten Ressourcen immer wieder so genannte „Overcrowding“ Szenarien in den Notaufnahmen abspielen. Blaschke: „Die vorliegenden Beschwerden beschreiben umfassend die aktuelle Versorgungsrealität in den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser und Kliniken.“

UMG richtet Taskforce „Interdisziplinäre Notaufnahme“ ein

Der „Sachverständigenrat Gesundheit“ hat im September 2017 Maßnahmen für eine Verbesserung der Notfallversorgung aufgezeigt. Das Thema ist in der gesundheitspolitischen Diskussion angekommen. Die UMG habe darüber hinaus in diesem Jahr eine Task Force „Interdisziplinäre Notaufnahme“ eingerichtet, die Maßnahmen zur Verbesserung der Notfallversorgung zeitnah auf den Weg bringen werde, so Sabine Blaschke, Ärztliche Leiterin der Notaufnahme. Die Taskforce ist mit einem Mitglied des UMG-Vorstandes, der Geschäftsführung Kliniken, dem Pflegedirektor, der Ärztlichen Leitung, der Pflegedienstleitung und Pflegekräften der INA besetzt.

Von Markus Scharf

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