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Betrunkene Jugendliche randalieren im Nikolaiviertel

Vandalismus, Lärm und Beleidigungen Betrunkene Jugendliche randalieren im Nikolaiviertel

Vandalismus, Schlägereien, Beleidigungen: Seit einigen Wochen herrscht in der Nikolaistraße besonders an Wochenenden Ausnahmezustand. Vor allem junge Menschen sind es, die hier volltrunken bis in die Morgenstunden lärmen. Die Anwohner machten jetzt ihrem Ärger im Jugendhilfeausschuss Luft. Besonders der Club Gap, Nikolaistraße 9, steht in der Kritik.

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Nikolaistraße am Wochenende: Urin an der Kirche, Erbrochenes im Hauseingang. Disco und Kiosk werben mit günstigen Alkoholika.

Quelle: EF

Vom „Ballermann“ ist die Rede, von einer „No-go-Area“, ja gar von „Krieg“, wenn die Anwohner der Nikolaistraße über die Situation in ihrer Straße berichten. Rund 30 von ihnen kamen am Donnerstag in den Jugendhilfeausschuss der Stadt Göttingen, um über ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen zu berichten. Ihre Forderung: Es müsse endlich etwas geschehen, lange könnten sie die ständigen Belästigungen nicht mehr ertragen.

Jugendliche, einige fast noch Kinder, würden sich in der Nikolaistraße besonders an den Wochenenden regelmäßig volllaufen lassen, sagte ein Anwohner. „Sie liegen auf dem Gehweg, fallen einfach um, pissen und kotzen in die Ecken – es ist unvorstellbar.“ Bisweilen sei es so laut, dass er und seine Frau nächtelang kein Auge zumachen würden. „Und wenn man sich beschwert, wird man beschimpft und mit Flaschen beworfen.“ Schuld sei vornehmlich das im Oktober eröffnete Gap, das die Jugendlichen erst anziehen würde. Und in den Kiosken der Straße würden die sich dann mit Alkohol versorgen – oder von Älteren versorgen lassen.

„Man traut sich nicht mehr, nachts nach Hause zu gehen“, sagte eine Anwohnerin. Sie habe Angst. Man habe ihr schon angezündete Böller durch das gekippte Fenster in die Wohnung geworfen. Andere gaben an, wegen des Lärms an den Wochenenden gar ihren Schlafplatz zu wechseln. „Ich schlafe dann auf dem Sofa und meine Nachbarin auf einer Liege im Flur“, sagte eine Frau. Sie habe nichts gegen feiernde, junge Menschen, auch nicht in ihrer Straße. Das gebe es schon immer. „Aber nicht so.“

„Das hat mit einer lustigen Party nichts zu tun“, ergänzte eine Anwohnerin. Sie traue sich abends nicht mehr aus dem Haus. Junge Männer würden gegen ihr Fenster urinieren. „Und wenn man sich dann beschwert, wird man als Fotze beschimpft.“

Dieter Arend vom Fachbereich Ordnung der Stadt bestätigte die Aussagen der Anwohner. Besonders im neuen Jahr sei ein „sprunghafter Anstieg der Beschwerden und Einsätze“ zu verzeichnen. Die Ausmaße der Beleidigungen, Schlägereien und Verschmutzungen „durch überwiegend jugendliche und sehr junge Menschen ist neu und besonders in ihrer Intensität überraschend“, sagte Arend. Der Vandalismus und die Verwendung von Feuerwerkskörpern zur Bedrohung von Anwohnern“ sei dabei „ein vollkommen neues Phänomen“. Zwei Hauptgründe nannte Arend für die jüngsten Entwicklungen: die Kioske, denn dort bekomme man günstig Alkohol in jeglicher Form; und das Gap, das viele junge Menschen anziehe, auch Minderjährige, die um Mitternacht den Laden verlassen müssten – um dann auf der Straße weiterzufeiern.

Stadtordnungsdienst und Polizei würden verstärkt Präsenz zeigen und Kioske und Kneipen kontrollieren, ob sie Alkohol an Jugendliche ausgeben. Die Verstöße lägen aber „bei nahezu null“, so Arend. Das liege vornehmlich an den sogenannten Scheinkäufen, wenn also Volljährige den Alkohol für Minderjährige kauften. Ferner habe man mit den Anwohnern und den Gewerbetreibenden bereits Gespräche geführt. Den Kiosken habe man aufgetragen, freiwillig das Flaschenpfand auf 50 Cent zu erhöhen. Vom Betreiber des Gap habe man gefordert, sein unternehmerisches Konzept darzulegen und ein Lärmgutachten vorzulegen. Und mit der Göttinger Polizei habe man vereinbart, weiter Sonderkontrollen durchzuführen. „Diese Kontrollmaßnahmen laufen und sind dicht, beheben aber nicht das Problem“, sagte Arend. Man müsse tiefer gehen.

Dieser Meinung waren auch die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses. Sie brachten einstimmig einen Antrag der CDU auf den Weg, in dem sie die Verwaltung auffordern, sich in der Jugendinnenstadtkonferenz den Problemen im Nikolaiviertel anzunehmen und Lösungen zu erarbeiten. Zudem sollen verstärkt Kontrollen durchgeführt werden. Der neue Jugenddezernent Siegfried Lieske regte in diesem Zusammenhang an, auch die betroffenen Bürger mit einzubeziehen. Zudem sagte er, dass es nun wichtig sei, auf die „relativ überraschend aufgetretene Problematik“ schnell zu reagieren.

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