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Bilder und Texte aus dem alten Göttingen

„Kaiserreich und Republik“ Bilder und Texte aus dem alten Göttingen

Die Probleme ändern sich nie. Feinstaub und Verkehrsaufkommen beschäftigen die Innenstadtbewohner der Gegenwart. Und darüber ärgerten sich einige Göttinger vor 124 Jahren im Mai 1886: „Die Unterzeichneten bitten die Kgl. Polizeidirektion ganz ergebenst, das Treiben von Schaf-Heerden durch die Straßen der Stadt Göttingen zu verbieten, da durch den hierbei erzeugten Staub die Gesundheit der Bewohner (...) in hohem Grade gefährdet wird“.

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Pferde statt Autos: der Kornmarkt zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Quelle: EF

Nachzulesen ist der Beschwerdebrief im Quellenheft „Kaiserreich und Republik“, das Ernst Böhme, Leiter des Stadtarchivs Göttingen, mit Unterstützung eines Arbeitskreises und des Geschichtsvereins herausgegeben hat. Das 80 Seiten starke Heft ist als zweiter Band der „Dokumente aus dem Stadtarchiv Göttingen“ erschienen, gedacht als Material für den Schulunterricht. „Es bietet Arbeitsangebote für Geschichte in allen Altersstufen und dokumentiert historische Zusammenhänge an lokalen Beispielen“, beschreibt Arbeitskreismitglied Peter Aufgebauer vom Institut für Historische Landesforschung das Ziel der Quellensammlung. Ergänzt wurden Texte und Bilder aus dem Stadtarchiv, dem Städtischen Museum und Zeitungen durch Kommentare, die Studierende erarbeitet haben.

Die Bürgerproteste gegen den Viehtrieb leiten das erste Kapitel „Wirtschaft und Gesellschaft im Wandel“ ein. Im Jahr 1871 besaßen 854 Göttinger Weiderechte an den hinter den Bahnhof liegenden Kuhweiden. Täglich wurden rund 200 Tiere dorthin getrieben. Als sich immer mehr Einwohner über Lärm, Schmutz und Krankheitsrisiko erbosten, ließ die Stadt die Flächen sperren. Die Schäfer mussten sich Flächen außerhalb der Stadt suchen. Die Anzahl der innerstädtischen Tiere ging in den Folgejahren zurück.

Badeordnung, erste Autos und bauliche Entwicklung der Stadt um 1900 setzen das Kapitel fort.Im folgenden geht es um die Bismarckverehrung, die in Göttingen bis heute Spuren hinterlassen hat. „Die Absicht, den Thurm auf dem Hainberge nach mir zu benennen, ist für mich sehr ehrenvoll und erweckst in mir Erinnerungen an die Zeit, wo ich in meinem ersten Semester als jüngstes Mitglied der Hannovera mit meinen Genossen trinkend und singend vom Hainberge auf die Stadt und das Thal blickte“, antwortete der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck 1892 eine entsprechende Anfrage der Stadt Göttingen.

Es folgen weitere Abschnitte, die sich mit dem ersten Weltkrieg und seinen Auswirkungen, den 1920er Jahren bis hin zur Radikalisierung der Politik und dem in der Stadt Göttingen frühen Erstarken der Nationalsozialisten befassen. Mit dem SA-Sturm auf das gewerkschaftliche Volksheim am Maschmühlenweg Ende April 1933 endet der Quellenband „Kaiserreich und Republik in Göttingen“ – und leitet damit über zu Heft 1 der Dokumente aus dem Stadtarchiv, der sich mit „Göttingen im Dritten Reich“ befasst.

Von Katharina Klocke

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