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Blutiger Höhepunkt einer turbulenten Liebe: Stich ins Herz

Ehefrau vor Gericht Blutiger Höhepunkt einer turbulenten Liebe: Stich ins Herz

Sie schlugen und vertrugen sich. Sie trennten sich und fanden zum Weiterstreiten immer wieder zueinander. Ein Stich ins Herz des 36-jährigen Ehemannes beendete am 10. September 2009 in ihrer Wohnung in der Groner Landstraße den Ehekrieg blutig. Seit Dienstag, 9. Februar, sitzt die 27-jährige Ehefrau wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.

Diesmal wird ein einfaches Vertragen nicht reichen. Gut möglich, dass beide ins Gefängnis müssen. So weit geht die turbulente Liebe, dass das Opfer gestern vor Gericht log.

„Ich hatte Angst. Ich hatte das Gefühl, dass er mich irgendwann umbringt.“ Das sagt die 27-Jährige als Erklärung, warum sie während einer der vielen Streitereien zum Küchenmesser griff und damit „herumfuchtelte“. „Ich hatte Angst, dass er mir wieder weh tut. Ich wollte ihn nur erschrecken mit dem Messer“, sagt sie mit weinerlicher Stimme.

Tatsächlich stach sie mit aller Wucht zu. Die zwölf Zentimeter lange Klinge des Steakmessers drang in die Brust, zwischen den Rippen ins Herz, durchs Zwerchfell bis in die Leber. Zwei schwere Notoperationen retteten dem lebensgefährlich Verletzten das Leben.
Trotz der dramatischen Verletzung, so hatte sich die Angeklagte nach eigenem Bekunden vorgestellt, sollte es wieder laufen wie immer: keine Polizei. Das habe ihr Mann ihr auch gesagt, als er so verletzt in der Wohnung in seinem Blut lag.

So war das immer gewesen. Auf dem Richtertisch liegen jede Menge Akten eingestellter Verfahren. Stets hatte es handgreiflichen Streit zwischen den Eheleuten gegeben. Meist hatte der angetrunkene Ehemann seine Frau geschlagen, geschubst oder bedroht. Wenn der Streit doch polizeilich bekannt wurde und sie später aussagen sollten, hatten sie sich längst vertragen. Zur Tatzeit trug die 27-Jährige noch ein Stützkorsett, weil von einer dieser Auseinandersetzungen ein Wirbel angebrochen war. Und doch sagt die Frau heute noch: „Er hat mich grün und blau geschlagen, so ist er, wenn er betrunken ist, aber ich liebe ihn doch.“

Diesmal aber lag der Mann im Sterben, und sie hätte es gern vertuscht. Sie rief eine Freundin an. Erst diese überredete sie, den Notarzt zu rufen. Das rettete ihm das Leben.

Heute will sie sich nicht mehr erinnern, wie sie an das Messer gelangte, warum sie zustach und was sie danach mit dem Messer machte. Wahrscheinlich wusch sie es sorgsam ab. Das Opfer, kaum außer Lebensgefahr, schilderte der Polizei und später dem Untersuchungsrichter den Angriff seiner Frau. Deshalb wurde sie verhaftet und sitzt seit September in Untersuchungshaft.

Doch in einem Brief ins Gefängnis schrieb er ihr bald wieder von seiner Liebe, gab zwei Zettel zu den Akten, in denen er behauptet, seine belastenden Aussagen seien falsch. Und auch gestern erinnert er sich an gar nichts mehr, schließlich habe er 2,08 Promille Alkohol im Leib gehabt. Er behauptet gar: „War nicht so schlimm.“ Hartnäckig bleibt er dabei, obwohl er als Ehemann hätte schweigen können und jetzt eine Anklage wegen Falschaussage die Folge sein wird. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Jürgen Gückel

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