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Buchen statt Bomben

Ehemaliges Muna-Gelände bei Lenglern Buchen statt Bomben

Das Gelände der ehemaligen Munitionsanstalt bei Lenglern ist noch immer mit Munitionsschrott gespickt. Fachleute sanieren das Gebiet und pflanzen neue Bäume.

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Müller, Lücke und Wolkenhauer auf dem Muna-Geläde: Olaf Seidel untersucht die bereits sanierte Sprengfläche.

Quelle: Christina Hinzmann

Lenglern. Im Wald zwischen Lenglern sind noch heute die Spuren des zweiten Weltkriegs sichtbar. Und sie sind noch immer gefährlich. Mehr als 420 “Kampfmittel” - die meisten sind Splitterbomben - haben Fachleute dort seit dem vergangenen Jahr gesichert - darunter auch scharfe.

In der “Muna”, der ehemalige Munitionsanstalt der Wehrmacht bei Lenglern, lagerten noch nach dem zweiten Weltkrieg tonnenweise Bomben und Sprengstoffe. Experten der Landesforsten, des Kampfmittelbeseitigungsdienstes und von Spezialfirmen sind damit beschäftigt, die etwa elf Hektar große Waldfläche von den explosiven Altlasten zu befreien - und sie für einen Waldumbau vorzubereiten. “Das Problem ist, dass die Bomben damals nicht von Fachleuten entsorgt wurden”, sagt Alexander Maudanz, Chef der Firma “M.A.K.S” aus Penemünde. Überall auf der Waldfläche verstreut tun sich Sprengkrater auf. Dort, so erklärt der Sprengstoff-Fachmann, haben damals Arbeiter im Auftrag der Alliierten die Waffenbestände der Nazis in die Luft gejagt. Das Problem: Splitter, kleine Bomben, Sprengstoff und co wurden durch die Detonation im gesamten Umkreis verteilt - aber nicht unbedingt vernichtet. “Hier schauen Sie”, sagt Maudanz und zeigt ein etwa 20 Zentimeter langes Stück, das aussieht wie ein kleiner, erdiger Bohrkern. “TNT”, sagt er. Der Sprengstoff lag im Waldboden. “TNT können wir nicht mit den Metalldetektoren sondieren, da hilft es nur, mit offenen Augen zu arbeiten.” Das explosive Material stammt aus einer der so genannten SD1-Bomben, die die Fachleute zu hunderten aus dem Boden holen. “420 Kampfmittel - überwiegend Bomben - und drei Tonnen Munitionsschrott”, sagt Maudanz. “Das zeigt, wie gefährlich es sein kann, den Wald hier abseits der Wege zu betreten”, sagt Michael Lücke von den Landesforsten. Auch eine Panzermine war im Boden verborgen.

Die flachen Sprengflächen aus den 40er-Jahren werden untersucht und teils metertief ausgebaggert, wenn dort noch Munition verborgen liegt. Auch die Waldflächen säubern die Männer flächendeckend vom den Munitionsresten. „Störkörperbeseitigung“ nennt Lücke diese Arbeit. Im vergangenen Jahr wurden die Rückeschneisen mit dem Metalldetektor abgesucht, jetzt sind die Flächen dran. Es wird gebaggert, sondiert, gerodet.

Auf einer Fläche sind Bäume bereits gefällt, dickte Stuken ragen aus dem Boden. Zwei Kampfmittelbeseitiger ziehen mit Metalldetektoren durch Gelände. “Die Fichten hier werden durch Mischwald ersetzt”, sagt Michael Rudolph von den Landesforsten. “Wir wollen den Wald umstrukturieren”, erklärt Lücke. Auf rund sieben Hektar sollen im nächsten Jahr für den Waldumbau unter anderem Buchen und Lärchen gepflanzt werden . “Rund 50000 junge Bäume kommen in die Erde”, so Lücke. Der Detektor piept. Die Mitarbeiter buddeln vorsichtig in der Erde. Eine weitere SD1-Bombe kommt ans Tageslicht. „Die meisten der Bomben haben keine Zünder“, sagt Dirk Müller vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Einige, so Maudanz, aber schon. Dann kann es gefährlich werden.

Im Zweiten Weltkrieg wurden auf dem Areal der Muna Lenglern Bomben produziert - die Anlage war eine der Waffenschmieden Hitlers. Dort wurde Munition für die Luftwaffe produziert. Nach Kriegsende waren die Alliierten vor Ort, von den 60er Jahren an zog die Bundeswehr ein. Erst 1995 wurde die militärische Fläche stillgelegt. Im Jahr 2000 wurden dort bereits Kampfmittel dort geräumt. Damals fanden die Experten 2542 Splitterbomben.

Die gesamte Sanierung des Waldes soll, so hofft Revierförster Klaus Wolkenhauer, spätestens im Frühjahr 2019 abgeschlossen sein. Wie viel Geld die Landesforsten dafür ausgeben ist laut Lücke schwer zu beziffern. Es sind viele Millionen.

Von Britta Bielefeld

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