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Bosch: 300 Mitarbeiter bleiben, 150 gehen 2019

Teilschließung in Göttingen Bosch: 300 Mitarbeiter bleiben, 150 gehen 2019

Die jahrelangen Verhandlungen zwischen Bosch und der Gewerkschaft IG Metall sind am Mittwoch zum Abschluss gebracht worden. Demnach steht die Teilschließung des Göttinger Standortes zum Jahresende an. 300 Mitarbeiter sollen bleiben, rund 150 gehen.

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Der Standort Göttingen wird zum Ende des Jahres teilgeschlossen.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Wie die IG Metall Süd-Niedersachsen-Harz am Mittwoch mitteilte, erfuhren die Mitarbeiter von der Einigung während einer Betriebsversammlung der Robert Bosch GmbH in Göttingen am Mittwoch, bei der das Ergebnis des Mitgliedervotums zum Verhandlungsergebnis zwischen Bosch und IG Metall beziehungsweise Betriebsrat bekanntgegeben wurde: Der Vorschlag hatte demnach eine Zustimmung von mehr als 90 Prozent erfahren. Ausgehandelt wurden ein Zukunftssicherungstarifvertrag, Richtlinien zum Interessenausgleich, ein Sozialplan und eine Betriebsvereinbarung über Freiwilligenprogramm und Transfergesellschaft. Der Abbau von 260 Stellen, von denen Ende 2016 die Rede war, ist damit vom Tisch.

So soll der Standort der Robert Bosch GmbH in Göttingen Jahresende teilgeschlossen werden. „Die Instandsetzung von Startern und Generatoren werden bis zum 31. Dezember 2018 in die osteuropäischen Schwesterstandorte verlagert“, erklärte die IG Metall. Die aktuell in Göttingen angesiedelte Instandsetzung von Startern und Generatoren soll an Standorte in Krakovets (Ukraine) beziehungsweise in Bernolakovo (Slowakei) verlagert werden, „da diese Produkte in Deutschland nicht mehr zu wettbewerbsfähigen Kosten gefertigt werden können“, teilte der Konzern mit. Am Standort Göttingen werde man sich zukünftig auf technologisch hochwertige Erzeugnisse konzentrieren. Dazu soll zum 1. Januar in Göttingen eine 100-prozentige Tochter gegründet werden, die „Robert Bosch Aftermarket Solutions GmbH“. „Alle Anlagen, Maschinen und Werkzeuge, sowie alle am Standort Göttingen beschäftigten Arbeitnehmer gehen auf diese Gesellschaft über“, kündigt die Gewerkschaft an. Der Hauptbetriebszweck sein dann nicht mehr Produktion, sondern Industriedienstleistung. Daher gebe es einen neuen Haustarifvertrag, der aber kaum Veränderungen enthalten soll.

Bis es zu einem tatsächlichen Personalabbau kommen soll, vergehe noch einige Zeit. Die Verlagerung der Produktion in die osteuropäischen Werke werde bis Ende 2018 dauern, sodass für das kommende Jahr noch kein tatsächlicher Personalabbau zu erwarten sei. „Trotzdem haben sich Bosch und Betriebsrat darauf verständigt, dass sich ab dem 1. Januar 2019 die Belegschaft um 151 Arbeitnehmern reduzieren wird“, so die Gewerkschaft in einer Mitteilung.

Bosch spricht von rund 170 Mitarbeitern, deren Stellen sozialverträglich abgebaut werden sollen: „Diese Zahl beinhaltet auch Mitarbeiter, die bis Ende 2018 in Ruhestand gehen beziehungsweise in die passive Altersteilzeit eintreten“, erklärte der Konzern. Für die Betroffenen sei ein Sozialplan ausgehandelt worden. Sie sollen ein Angebot erhalten, nach dem sie sich zwischen Freiwilligenprogramm und Eintritt in eine zwölfmonatige Transfergesellschaft ab 2019 entscheiden können. Auf diese Weise sollen betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden. „In beiden Fällen werden noch Austrittsprämienzahlungen zusätzlich zum vereinbarten Sozialplan fällig“, heißt es weiter. Den verbleibenden rund 300 Arbeitnehmern der Robert Bosch Aftermarket Solutions soll garantiert werden, dass es bis Ende 2023 nicht zu betriebsbedingten Kündigungen komme. Bis 2025 sollen diese nur mit Zustimmung des Betriebsrates möglich sein.

Bosch garantiert bis 2022 eine Investitionssumme von mindestens zehn Millionen Euro für Innovation und Qualifikation am Standort Göttingen. Gleichfalls wird die Zahl der Ausbildungsplätze bis 2022 von jährlich fünf auf zehn Auszubildende verdoppelt. Die unbefristete Übernahme von Auszubildenden ist Bestandteil der Vereinbarung. Die Laufzeit des Tarifvertrages für die RBAM GmbH ist bis zum 31. Dezember 2027.

Um zusätzlich Kosten einzusparen und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, verzichten die Mitarbeiter laut Bosch auf einen Teil ihrer Bezüge und haben einer Arbeitszeiterhöhung von 35 auf 37,5 Stunden zugestimmt.

Zu dem Ergebnis der Verhandlung bei Bosch äußerte sich der IG-Metall-Bevollmächtigte und Verhandlungsführer Manfred Zaffke während der Betriebsversammlung: „Ein sehr komplexer und schwieriger Verhandlungsprozess über die Zukunft der Boschstandortes Göttingen ist nun abgeschlossen. Wichtig für die Beschäftigten ist es, dass durch den jetzt beginnenden Transformationsprozess langjährige Sicherheiten und Garantien vertraglich festgeschrieben werden konnten.“ Der Standort Göttingen habe „eine echte Zukunftschance seitens Bosch erhalten“. Dafür zahlten alle Beschäftigten auch ihren Preis. Er lobte die große Solidarität der Gewerkschaftsmitglieder, die sich – trotz drohenden eigenen Verlusts des Arbeitsplatzes – breit hinter die Einigung gestellt hätten. Zugleich forderte er den Boschkonzern auf, „dafür zu sorgen, dass dieser Vertrauensvorschuss aller Beschäftigten in erfolgreiches unternehmerischen Handeln am Standort Göttingen führt.“

Das Zukunftskonzept für den unter wirtschaftlichem Druck stehenden Standort war im Vorfeld vom Geschäftsbereich Automotive Aftermarket der Robert Bosch GmbH, Betriebsrat am Standort Göttingen und IG Metall erarbeitet worden. Ziel war, das Werk zurück in die Erfolgsspur zu führen. Vorbehaltlich der noch ausstehenden Zustimmung des IG Metall Vorstands in seiner Sitzung am 14. November soll der Maßnahmenkatalog umgesetzt werden. „Mit dem jetzt verabschiedeten Zukunftskonzept haben wir gute Chancen, den Produktionsstandort Göttingen wieder wettbewerbsfähig zu machen“, sagte Ahmet Toptas, Werkleiter in Göttingen. In Göttingen beschäftigt Bosch zurzeit rund 500 Mitarbeiter.

Von Nadine Eckermann

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