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Buch bietet Geschichten aus vier Jahrhunderten

Wilderei im Solling Buch bietet Geschichten aus vier Jahrhunderten

Sie tragen düstere und geheimnisvolle Namen wie „der rote Paland“, „der schwarze Dehne“ oder „der krumme Küster“, und sie künden von einer rauen und entbehrungsreichen Zeit im Solling. Über die Jahrhunderte hinweg sind Wilderer in dem waldreichen Gebiet unterwegs gewesen. Trafen sie auf Förster als Vertreter der staatlichen Ordnung, gab es „Begegnungen auf Leben und Tod“ – so der Titel eines neuen Buches, das das Phänomen Wilderei im Solling vom 16. bis zum 20. Jahrhundert beleuchtet.

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Sievershäuser Wilddiebswaffen: Zeugen einer jahrhundertelangen Auseinandersetzung ums Jagdrecht.

Quelle: Verlag Jörg Mitzkat

13 Menschen kamen von 1779 bis 1909 bei Anschlägen durch Wilderer ums Leben, sechs wurden verletzt, so weist es die Liste von Autor Detlef Creydt am Ende des Buches aus. Unter den Toten waren nicht nur Förster, sondern auch Waldarbeiter und einfache Bürger.
Ungleich höher war der Blutzoll, den die Wilderer entrichten mussten. Von 1669 bis 1946 wurde 48 Wilddiebe von Förstern erschossen, elf verletzt. Weitere sieben Wilderer kamen durch Unfälle ums Leben oder töteten sich selbst. 1841 sprang ein Mann namens Schwerdtfeger aus Sievershausen während eines Verhörs in Göttingen aus dem Fenster und starb an den Folgen des Sturzes.

Armut, Elend, Niedertracht und tödliche Begegnungen in einem unzugänglichen Waldgebiet – das ist der Stoff für viele schaurige Geschichten, von denen der Sollingdichter Heinrich Sohnrey einige festgehalten hat. Creydt hat sie neben vielen anderen in seinem Buch zusammengefasst. Darunter ist auch der von Sohnrey geschilderte Fall eines Komplotts gegen den Jagdaufseher Götemann, der gegen Geldzahlungen Anzeigen gegen Wilderer unterlassen haben soll. Als er einmal wieder Geld nahm, aber trotzdem wohl eine Anzeige machen wollte, lockte ihn eine Gruppe von Wilddieben in einer Hinterhalt und erschlug ihn. Die Haupttäter Christian Hildebrand und Johann Langheim wurden 1831 von Göttinger Richtern zum Tode verurteilt. Sie wurden am 20. September enthauptet. Sohnrey schildert die Hinrichtung ausführlich und spart nicht an Details: „Aber seine Enthauptung bot insofern ein doppelt schauriges Bild, als es dem Scharfrichter nicht gelungen war, den Kopf mit einem Streiche vom Rumpf zu trennen; er musste zuletzt noch abschneiden.“
In Creydts Buch sind viele Geschichten gesammelt: von Wilderern, die Reue zeigen und begnadigt werden, vom vielseitig kriminell begabten Bartoldt Kistner aus Dassel, von bei Schießereien getöteten Wilderern, von ehrbaren Männern, bei denen man Wildhäute im Haus fand, von erschossenen Förstern, vom bauernschlauen Wilddieb Eduard Düsterdiek alias Kilalli, vom Sievershäuser Wilddiebsprozess 1927 und von einem Hirschtransport im Sarg. Doch daneben liefert der Autor auch allgemeine geschichtliche Hintergründe wie die Entwicklung der Waffentechnik, die Entwicklung der Jagd- und Forstaufsicht oder ausgerottetes und neu auftauchendes Wild. So gab es noch im 18. Jahrhundert große Wolfsjagden im Solling.

Creydt macht auch klar, dass hinter der Wilderei nicht allein kriminelle Energie, sondern auch grundlegende gesellschaftliche Gegensätze und oft wirtschaftliche Not standen. Im 15. und 16. Jahrhundert, so der Autor, gelang es den Landesherren, sich das alleinige Jagdrecht über das Hochwild anzueignen. Damit einher ging die Einschränkung der Nutzung der Wälder für die Untertanen. Dem stand die Rechtsauffassung weiter Teile der Landbevölkerung entgegen, dass jeder das Recht habe, frei lebendes Wild zu jagen. Je höher die Wildbestände und damit auch die Wildschäden waren, desto mehr wurde nach dieser Auffassung vorgegangen. Zeitweise wurden zwei Drittel des im Solling erlegten Wildes durch Wilddiebe zur Strecke gebracht, schreibt Creydt.

Weder Todesopfer noch hohe Geld- oder Freiheitsstrafen schreckten die Wilderer ab. Denn neben der Jagdleidenschaft stand oft große wirtschaftliche Not hinter der Wilderei, besonders in Kriegs- und Nachkriegszeiten. Doch während erschossenen oder verdienten Forstleuten viele Gedenksteine gesetzt wurden, erinnert an die Wilderer im Solling heute nur noch wenig.

Detlef Creydt: Begegnungen auf Leben und Tod: Förster und Wilderer im Solling. Jagd-, Wild- und Waldgeschichten im Laufe der Jahrhunderte. Verlag Jörg Mitzkat, gebunden, 248 Seiten, 22,50 Euro.

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