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Bürgerforum fordert „sofortige Öffnung“

Ehemalige JVA am Waageplatz Bürgerforum fordert „sofortige Öffnung“

Die Geldquelle aus Europa für die Umnutzung der ehemaligen Justizvollzugsanstalt am Waageplatz ist vorerst versiegt. Mit dem abgelehnten Antrag auf EU-Fördermittel fordert das Bürgerforum Waageplatz-Viertel nun die „sofortige“ Öffnung und Teilnutzung des JVA-Gebäudes.

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Zimmer mit vergitterter Aussicht: die ehemalige JVA am Waageplatz.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. „Leerer Raum ist toter Raum. Dabei gilt es doch, das Viertel zu beleben“, schreibt das Bürgerforum in einer Mitteilung. Das gehe nicht mit „Hochglanz-Renovierungen“, „Kommerzialisierung“ und „Steigerung der Kaufkraft“. Diese führten „unweigerlich zu sozialer Verdrängung“. Das Forum hat eigene Vorstellung erarbeitet, wie nun die unter Denkmalschutz stehende JVA genutzt werden könnte, und schlägt „sozialen Wohnraum“, ein Café, Räume zur Erinnerung am Mahnmal der Synagoge, Ateliers und Proberäumen, einen Ort, „wo getanzt und geklönt werden kann“ und einen „Toberaum als Drinnen-Spielplatz für die Kinder im Viertel“ vor. Das „immens“ große Gebäude der JVA biete Platz genug. „Sozialer Wohnraum und Kulturschaffung brauchen keine Luxus-Sanierung. Aus unserer Sicht braucht es letztlich nur guten, politischen Willen, um alternative Konzepte finanzierbar zu machen. Zu lange dauern sollte es nicht mehr“, meint das Bürgerforum.

Mangelnde Innovation

Die Stadtverwaltung hatte sich für die ehemalige JVA um Mittel aus europäischen Förderprogramm für Regionalentwicklung (EFRE) beworben. Bis zu fünf Millionen Euro hätten so zwischen 2018 und 2020 nach Göttingen fließen können. Die Stadt hätte eine weitere Million Euro zuschießen müssen. Der Fokus sollte auf der ehemaligen JVA und ihrem Ausbau zu einem Hostel mit 100 Betten liegen. Das Nein zum Förderantrag kam Anfang September. Hauptgrund: mangelnde Innovation. In Bologna sei bereits ein ähnliches Konzept gefördert worden. 20000 Euro hatte die Ratsmehrheit für die Erarbeitung eines Konzeptes bewilligt.

Derweil hofft die Göttinger Stadtverwaltung auf andere Fördertöpfe: So soll der Bereich der nördlichen Göttinger Innenstadt in das Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen werden. Die ehemalige JVA liegt innerhalb dieses Gebiets. „Zurzeit finden die Vorbereitenden Untersuchungen statt. Bei einer Aufnahme in das Bund-Länder-Programm könnten finanzielle Mittel unter anderem für die Sanierung der ehemaligen JVA zur Verfügung gestellt werden“, erklärte Verwaltungssprecher Detlef Johannson. Bei dem Sanierungsverfahren seien „natürlich“ auch Beteiligungsverfahren vorgesehen. „Dann kommen die Anwohner zu Wort. Das macht aber erst Sinn, wenn es ein Konzept gibt. Daran wird gearbeitet“, führte Johannson aus.

Eine Million Euro für marodes Dach

„Das Gebäude ist sanierbar“, hatte der ehemalige Leiter der Göttinger Beschäftigungsförderung, Dietmar Linne, im Mai gesagt. Und das, obwohl der klassizistische Bau seit neun Jahren weitgehend ungenutzt leer steht, von jeglicher Versorgung mit Strom, Wasser und Gas getrennt „Die Grundsubstanz des Gebäudes ist gut“, bescheinigte Maik Bachmann vom Gebäudemanagement der Beschäftigungsförderung, damals. Größtes Sorgenkind und dickster Brocken bei den kalkulierten Sanierungskosten: das mehr als 1000 Quadratmeter große Dach. Allein eine Millionen Euro hatten Linne und sein Team dafür veranschlagt.

Gegenüber dem Tageblatt erneuerte die Fraktionsvorsitzende der FDP im Rat der Stadt, Felicitas Oldenburg, ihre Forderung erneuert, dass die Nachnutzung der ehemaligen JVA nicht am Denkmalschutz scheitern dürfe. „Der Denkmalschutz muss sich bewegen, um einen moderne Nutzung zu ermöglichen“, sagte Oldenburg. „Wir wollen, dass das praktikabel gehandhabt wird, bevor das Haus weiter vor sich hin gammelt.“ Ihr schweben als Nutzung unter anderem etwa Büros für Start-ups oder ein Café vor. Sie erhofft sich eine baldige Belebung des Viertels und nicht erst in „historischen Zeiträumen“.

Von Michael Brakemeier

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