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Buschtrommeln noch kein Beweis für Schuld

Aus dem Amtsgericht Buschtrommeln noch kein Beweis für Schuld

Wer macht denn so was? Diese Frage stellen sich viele, wenn eine Tat passiert, die man sich nicht sofort erklären kann. Die Frage wird sich auch mancher Autobesitzer gestellt haben, der sein geparktes Auto mit abgetretenem Spiegel, eingeschlagener Scheibe oder Fußabdrücken im Blech wiederfand.

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Göttingen. Wer macht denn so was? Das haben sich die Fußballer des Bovender SV gesagt, als sie vom Unglück einer jungen Anhängerin erfuhren. Ihr Ford Fiesta war regelrecht zusammengetreten worden. Kaum ein Stück Blech noch heil, keine Scheibe ganz. Schaden für rund 5000 Euro. Und unter den Bovender Kickern war man sich bald einig, das müsse der Ex gewesen sein. Wer denn sonst? Hatte sie sich nicht gerade von ihm getrennt, und war er nicht an jenem 30. Dezember 2010 am Tatort? Soweit die Buschtrommeln.

Im Amtsgericht wurde jetzt dem nachgegangen, was der Buschfunk getrommelt hatte. Dazu war es erst nach Umwegen gekommen. Die Autobesitzerin hatte am Tag nach der Tat die Polizei eingeschaltet, hatte einen Verdacht geäußert, und der Angeklagte, ein 25-Jähriger Fußballfan, hatte Besuch bekommen. Die Polizei stellte seine Kleidung sicher, fand darauf aber keinen Glassplitter und nicht die geringste Spur. Der Verdächtigte bestritt zudem die Tat. So wurde das Verfahren ohne jedes belastende Indiz eingestellt.

Doch viel später kam der Geschädigten zu Ohren, was sie schon zu wissen geglaubt hatte: Der Ex-Freund soll beim Bier einem Kameraden gestanden haben, sich an der Verflossenen – genauer, an deren Auto – gerächt zu haben. Die Ermittlungen wurden neu aufgerollt, es kam zur Anklage wegen Sachbeschädigung.

Vor dem Amtsrichter musste nun die Nacht zu Silvester 2010 erneut ausgebreitet werden. Damals hatte der Bovender SV sein Hallenturnier ausgerichtet. Zahlreiche Besucher traten als Zeugen auf. So jener Betreuer, der noch weit nach dem letzten Spiel mit in der Kabine gesessen hatte und der, nachdem er von dem Vorfall gehört hatte, auch bald überzeugt war, es könne nur der Ex-Freund gewesen sein. So hätten damals alle gedacht. Monate später, so berichtet er als Zeuge, habe er sich mit dem Angeklagten mal in der Küche „leicht angetrunken“ beim Bier über Rachegedanken unterhalten. Wut am Auto auszulassen, so habe er gesagt, finde er „auch besser, als sich an Personen zu vergreifen“. Da habe der Angeklagte ihm zu verstehen gegeben, dass er es wirklich gewesen sei. Das habe er später auch der Geschädigten gesagt.

Doch es folgen weitere Zeugen jener Nacht. Die beschrieben, wie sie erst in der Kabine feierten, dann zum Angeklagten fuhren, um seine Jacke zu holen, weiter zu einer Freundin im Unterdorf gefahren sind und dort bis zum Morgen getrunken hätten. Im Ergebnis ein lückenloses Alibi bis 4.30 Uhr – und nicht der geringste Hinweis darauf, dass der 25-Jährige zu Fuß wieder den Berg rauf bis zur Sporthalle gegangen sei und dann am Blech gewütet habe. Was folgte war zwangsläufig: ein Freispruch. Denn Buschtrommeln, so der Richter, sind kein Beweis für Schuld.

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