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Streik sorgt für Verspätungen

Stillstand bei den Stadtbussen Streik sorgt für Verspätungen

Ungewohnte Leere herrscht am Freitagmorgen am Busbahnhof in Göttingen. Die Fahrer der Göttinger Verkehrsbetriebe (GöVB) streiken. Es gibt zwar Wege und Möglichkeiten, jedoch nicht ohne Abstriche.

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Quelle: Swen Pförtner
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Göttingen. Streik bei den Göttinger Verkehrsbetrieben

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„Viele viele Aufträge“, sagt ein Taxifahrer am Bahnhof. Er spüre den Streik bei den GöVB deutlich. Seit 6 Uhr in der Frühe gebe es deutlich mehr Fahrgäste als sonst. Glücklich, wer einen der nicht zur GöVB gehörenden Busse nehmen konnte. So zum Beispiel Monika Scharper aus Adelebsen. „Normalerweise nehme ich die 22“, sagt Scharper. Heute muss sie für ihren Weg zur Arbeit auf die 155 warten und kommt dadurch eine Stunde zu spät. „Ich habe mich gestern schon drauf eingestellt“, erklärt die 41-Jährige. „Eigentlich habe ich schon Verständnis, aber es wäre einfacher, wenn man es früher gewusst hätte“, sagt die Adelebserin. So habe nicht nur sie durch die Ausfälle Probleme, sondern ihre ganze Familie.

Hintergrund des Warnstreiks ist die Forderung von Verdi nach einer Anhebung des Weihnachtsgeldes von 86 auf 100 Prozent. Um das durchzusetzen, war die Vereinbarung über das Weihnachtsgeld zum 30. Juni gekündigt worden. Doch es gab nur eine einzige Gesprächsrunde, in der die Arbeitgeberseite, vertreten von Kommunalen Arbeitgeber-Verband (KAV), eindeutig erklärte, es werde weder eine Anhebung des Weihnachtsgeldes noch weitere Gespräche oder Verhandlungsrunden darüber geben. Die Folge: Warnstreiks, darunter der Ausstand der Busfahrer der GöVB am Freitag.

Die Streikenden versammelten sich schon Freitagfrüh vor dem GöVB-Gebäude im Industriegebiet und trotzten Kälte und Regen mit einem Feuerkorb. Die Behauptung, in allen anderen kommunalen Bereichen werde auch nur 86 Prozent Weihnachtsgeld gezahlt, sei falsch, erklären Rolf Dieter Hoffmann von Verdi und Carsten Syring, Mitglied der Tarifkommission. Der Satz sei je nach Zugehörigkeit zu Berufs- und Altergruppen gestaffelt.

„Die sollen lieber im Sommer streiken“, scherzt Daniel Honsel. Auch er wartet am Busbahnhof auf seinen Alternativbus, einen Regionalbus nach Duderstadt. Das Ärgerliche: Sein Semesterticket gilt in diesem Bus nicht für den Weg zum Nordcampus. In Bezug auf den Streik sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter: „In gewisser Weise habe ich Verständnis, aber es ist schon nervig.“

Besucher aus dem Ausland wundern sich, warum sie im vermeintlich gut durchorganisierten Deutschland so lange auf ein Taxi warten müssen. So eine dreiköpfige Gruppe von Geschäftsleuten aus Japan, die vor einem meist leeren Taxistand vor dem Göttinger Bahnhof stehen und sich anhören müssen, dass die wenigen ankommenden Taxis alle schon reserviert worden sind. Nach 20 Minuten schließlich greift sich einer der Männer einen Taxifahrer und überredet ihn, die Gruppe umgehend zum Zielort zu fahren. Ob er viel vom GöVB-Streik mitbekomme? „Wir haben jede Menge zu tun“, meint der Taxifahrer. „Vor allem für ältere Leute ist der Streik schlecht, beispielsweise bei Arztterminen.“ Zum Teil lag die Mehrarbeit der Taxifahrer am Freitag aber auch an den vielen sturmbedingten Ausfällen im Zugverkehr.

Im Stadtgebiet hatten sich die offenbar gut informierten GöVB-Kunden gut auf den Totalstreik von Betriebsbeginn bis Betriebsschluss eingestellt: keine Wartenden an den Haltestellen, keine überraschten Kunden – zumindest nicht im Innenstadtring.

Nicht nur mit Taxis, sondern auch mit anderen Bussen wussten sich die Stadtbus-Kunden zu helfen. Es habe viele Anrufe im Info-Turm des Verkehrsverbundes Süd-Niedersachsen am Bahnhof gegeben, berichtet eine Mitarbeiterin. So weit es möglich war, habe man den Anrufern dabei geholfen, sich Ersatzrouten der überregionalen Busse zu suchen. Das habe auch ziemlich gut funktioniert, meinte die Mitarbeiterin. Und viele GöVB-Kunden seien auch ohne weitere Ratschläge in die überregional fahrenden Busse eingestiegen.

Lesen Sie auch: Busfahrer streiken für mehr Weihnachtsgeld

Von Finn Lieske und Matthias Heinzel

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