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Carport nur mit zwei Etagen und Ziegeldach

Bebauungsplan für Mini-Areal Carport nur mit zwei Etagen und Ziegeldach

Eigentlich ist es gar keine große Sache, die Paul Wucherpfennig seit einem Jahr umtreibt: Sein Sohn Frank hätte hinter seinem Haus in der Marktstraße im Ortskern von Gieboldehausen gern ein Carport für zwei Autos aufgestellt. Schließlich sind die Parkplätze rundherum gebührenpflichtig, außerdem wäre ein Schutz vor Schnee und Eis ganz nett. Das Grundstück ist groß genug, der Carport wäre ruckzuck aufgebaut. Keine große Sache also? Von wegen.

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Hier soll der Carport hin, aber: Bislang kämpft Paul Wucherpfennig erfolglos gegen die Verwaltung.

Quelle: Heinzel

Gieboldehausen. Die Wucherpfennigs haben ihre Rechnung nämlich ohne das deutsche Baurecht gemacht. 1997 ließen sich Gieboldehäuser Politik und Verwaltung einfallen, für ein noch nicht einmal 100 mal 100 Meter großes Stückchen Gieboldehäuser Ortskern einen eigenen Bebauungsplan aufzustellen. Und der ist rigoros: Gebäude müssen zwingend zwei Stockwerke hoch sein, nur „gleichgeneigte Satteldächer“ mit „Dachneigungen zwischen 45 und 60 Grad“ und „gebrannten naturroten Dachziegeln“ oder „roten Betondachsteinen mit gewellter Oberfläche“ sind zulässig. Resultat: Carport nicht genehmigungsfähig – es sei denn, der Unterstand ist zwei Stockwerke hoch und hat ein den Vorschriften entsprechendes Satteldach.

Auch mit der Argumentation, dass direkt gegenüber eine einstöckige und vergleichsweise hässliche Garage steht, kam Wucherpfennig nicht durch. Denn dort gilt der Bebauungsplan „Marktstraße/Mittelstraße“ nicht. Dort darf einstöckig gebaut werden. 

Nun sieht das Baurecht die Möglichkeit vor, Ausnahmegenehmigungen zu erteilen. Unter anderem dann, wenn dies „städtebaulich vertretbar“ ist, „nachbarrechtliche Interessen“ nicht betroffen sind oder eine „unbeabsichtigte Härte“ für den bauwilligen Bürger vorliegt. Auch weil die Nachbarn im Grunde nichts gegen den Carport auf dem Wucherpfennigschen Grundstück haben, steht die Gieboldehäuser Gemeindeverwaltung dem Carport-Projekt nicht völlig ablehnend gegenüber.

Man habe den Antrag „wohlwollend geprüft“, erklärt Alois Grobecker, Vertreter von Bürgermeister Otmar Pfeifenbring (SPD). Doch die Entscheidungsbefugnis über Ausnahmen liege beim Landkreis. Und der habe eine Ausnahme abgelehnt.

Die Kreisverwaltung wiederum will „aus verfahrensrechtlichen Gründen“ keine Auskunft geben. Der Fall befinde sich „in einem laufenden Antragsverfahren“. Allerdings, erläutert Kreis-Sprecher Marcel Riethig, könne die Gemeinde Bebauungspläne jederzeit anpassen.
Eine solche Anpassung zu beantragen, hat auch Wucherpfennig schon erwogen.

Allerdings nur bis zu dem Moment, als er erfuhr, dass er die gesamten Kosten der aufwendigen Prozedur zu tragen hätte. Das wäre teurer als der gesamte Carport samt Aufbau.
Gleich nebenan zeigen sich die Behörden großzügiger. Vor dem Nachbargrundstück hat ein Bürger ein Schild mit dem eigenen Autokennzeichen aufgestellt und sich so auf öffentlichem Grund einen Privatparkplatz reserviert. Der Verwaltung ist es egal.

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