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Das Geschäft mit dem Weltuntergang

Angstforscher Borwin Bandelow Das Geschäft mit dem Weltuntergang

„Ich bin so verzweifelt“, schreibt „Ich“ in einem der vielen Blogs und Foren im Internet, die sich mit dem angeblich im Kalender der Mayas vorhergesagten Ende der Welt beschäftigen: „Die Welt geht wirklich unter." Der Göttinger Angstforscher Prof. Borwin Bandelow hat Antworten darauf, warum die Weltuntergang-2012-Angstmache derzeit so erfolgreich ist.

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Oft Gegenstand von Weltuntergangs-Szenarien: Asteriodeneinschlag.

Quelle: EF

Göttingen. Hannah aus Hamburg verkündet: „Ich habe solche Angst, ich bin erst 13 Jahre. Wenn es stimmt , dass die Welt untergeht, mache ich davor Selbstmord.“ Was sagt Bandelow dazu?

Der Mensch, sagt der Wissenschaftler, „verfügt über zwei Angstsysteme“ – ein primitives, simpel reaktives System wie bei höher entwickelten Tierarten und ein zweites, intellektuelles System, über das nur der Mensch verfüge und das Gefahren rational bewerte. Das Problem, erklärt Bandelow: „Das primitive System ist von Natur aus das Stärkere, weil es für das Überleben wichtig ist.“

Dort schlage beispielsweise die Information, die Maya hätten in ihrem Kalender auch Vorgänge nach 2012 aufgelistet, eben nicht durch. Außerdem hätten viele Menschen, erklärt Bandelow weiter, „die Realitäten nicht im Griff“ und pflegten offenbar ein unstillbares Bedürfnis, ihr eigenes Schicksal an das Wirken höherer Mächte gekoppelt zu sehen.

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Am Freitag, 21. Dezemeber, soll die Welt untergehen. Das lesen zumindest einige aus dem Kalender der Maya, mit teils Sorgenerregenden folgen. Nüchterner betrachtet endet zu diesem Zeitpunkt lediglich ein Zyklus - und ein neuer beginnt. Wir dürfen gespannt sein.

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Es sei zudem erwiesen, dass religiöse oder religionsähnliche Empfindungen, beispielsweise in Gottesdiensten, im menschlichen Körper die Ausschüttung von Endomorphinen – umgangssprachlich als Glückshormone bezeichnet – bewirkten. Beim Thema Ende der Welt könne dies neben massiven Ängsten auch zu einer „Lust am Untergang“ führen – vor allem, wenn das Weltende (wieder einmal) nicht stattfinde und der Betroffene nach dem Motto „Hurra, ich lebe noch“ wieder beruhigt schlafen gehen könne.

Dazu komme, sagt Bandelow, „dass es mittlwerweile viele Menschen gibt, denen man erzählen kann, der Mond sei achteckig“. Auch einen noch simpleren Grund für die derzeitige 2012-Hysterie hat Bandelow ausgemacht: „Manche Leute wollen damit schlicht nur ein Geschäft machen.“
Und was macht der Angstforscher selbst am 21. Dezember? „Ganz einfach: arbeiten, wie immer an einem solchen Tag“, sagt Bandelow.

 
Prof. Gordon Whittaker über die Maya-Weltuntergangshysterie

Haben „die Mayas“ das Ende der Welt am 21. Dezember 2012 – Kernpunkt der aktuellen Weltuntergangshysterie – vorausgesagt? „Nein“, meint Prof. Gordon Whittaker, Ethnologe und Altamerikanistiker an der Göttinger Georg-August-Universität. Die intellektuelle Oberschicht der Maya habe Geschehnisse prophezeit, die weit jenseits des angeblichen Weltuntergangs-Datums liegen. Nach dem vielbeschriebenen „Ende“ des Maya-Kalenders beginne an diesem  Tag schlicht ein neuer Zyklus.

Vielleicht aber auch nicht. Die These vom Zyklus-Ende gründet sich auf der Annahme, dass dieser Zyklus 13 Perioden aufweist. Andere Wissenschaftler gehen hingegen von 20 Perioden aus – mit der Konsequenz, dass das Zyklus-Ende noch lange nicht in Sicht ist. Außerdem seien die Maya-Jahre nicht notwendigerweise Sonnenjahre, sondern Ritualjahre, die zum Teil von astronomischen Vorgängen entkoppelt gewesen sein könnten. Noch komplizierter wird die Angelegenheit auch dadurch, dass der Maya-Kalender so oder so eine komplexe Angelegenheit ist, da er 13 Zahlen und 20 Tagesnamen miteinander kombiniert und die Wissenschaft laut Whittaker nicht über alle Stellschrauben einer Meinung sei. Und damit nicht genug. Man wisse auch nicht genau, wann die Spanier die Mayas „entdeckt“ hätten und somit eine erste Synchronisierung des europäischen Kalenders mit der Maya-Zeitrechnung stattgefunden habe. Whittaker: „Genauso gut kann es der 23. statt der 21. Dezember sein.“ Aber Weihnachten sei der Zyklus definitiv vorbei. Allerdings: Zyklus-Ende bedeute keinesfalls Weltende, sagt Whittaker. Die Mayas hätten „keine Daten für Weltuntergänge festgelegt“, sondern bestenfalls besondere Ereignisse erwartet. Ende ein Zyklus, beginne schlicht ein neuer.

All dies, vermutet Whittaker, werde die Weltende-Propheten kaum beeindrucken. Wenn sich der Weltuntergangstag folgenlos verzogen hat, werde die große Zeit der Umdeutungen beginnen: „Auch Astrologen finden immer einen Ausweg, wenn das nicht eingetreten ist, was sie vorhergesagt haben.“ Außerdem liege es in der Natur des Menschen, angesichts seiner eigenen Endlichkeit nach vorhersehbaren Mustern und Erklärungen zu suchen, um eine vermeintliche Sicherheit zu finden. Und, so Whittaker: „Man lässt sich gern erschrecken und freut sich, wenn‘s vorbei ist.“

Der Maya-Forscher selbst spielt allerdings mit dem Gedanken, sich rechtzeitig aus dem Staub zu machen: „Am 21. Dezember“, verrät Whittaker, „erwarte ich, zusammen mit meinen Studierenden auf meiner mit ihrer Hilfe (und mit Studierendenbeiträgen finanzierten) heimlich gezimmerten Arche zu stehen und voll damit beschäftigt zu sein, mit Tränen im Auge die uns entgegengestreckten, flehenden Arme gewisser Elemente der Uni-Verwaltung abzuschlagen.“

 
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