Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Das Geschäft mit dem Weltuntergang Kommentar: Spökenkiekerei

Weltuntergang

Kommentar: Spökenkiekerei

Oft Gegenstand von Weltuntergangs-Szenarien: Asteriodeneinschlag.

© EF

Nostradamus, die Bibel, die Hopi-Indianer, Hollywood, die Zeugen Jehovas und Dutzende ähnlich hochzuverlässiger Institutionen oder Personen wie religiöse Fanatiker, Apokalyptiker und Verschwörungstheoretiker jedweder Couleur haben in den vergangenen zwei Jahrtausenden insgesamt mehr als 300-mal den Weltuntergang mit Datum und allem Drum und Dran vorhergesagt. Wie wir alle wissen, ist das nicht ein einziges Mal eingetroffen. Und jetzt die Mayas.

Die menschliche Psychologie, sagt der Angstforscher Borwin Bandelow, ist eine Ursache dafür, dass jetzt wieder einmal Millionen von Menschen glauben, dass sich aus dem Ende eines uralten Kalenderabschnitts folgern lässt, dass die  Welt am 21. Dezember 2012 untergeht. Eine andere aber ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten das Vertrauen in die Wissenschaft geschwunden ist und Esoterik, Verschwörungstheorien, Spökenkiekerei und unkritischer Glaube jedweder Art Konjunktur haben. Und das nicht nur in islamischen Staaten oder in den USA, wo zum Teil seit anderthalb Jahrhunderten endgültig widerlegter Unsinn wie Kreationismus oder Intelligent Design sogar in Schulen „gelehrt“ werden, sondern auch hierzulande. Das bisher beste Erkenntnismodell, das die Menschheit entwickelt hat – das der wissenschaftlich überprüfbaren  Aufstellung von Hypothesen und gegebenenfalls Widerlegung oder Modifikation als systematische Methode zur Erkenntnisgewinnung – ist derzeit teils unfassbar dummen Anfeindungen ausgesetzt.

Doch es gibt weitere Gründe für die (noch) grassierende 2012-Angstepidemie. Dorfdeppen, so sagte vor einiger Zeit ein mittlerweile gestürzter Wetterprophet, gab es immer schon. Über das Internet seien sie jetzt aber vernetzt – und könnten sich ohne lästige Störungen durch Fakten permanent gegenseitig bestätigen. Nicht gerade wenige Medien – besonders private Fernsehsender – tun das ihrige dazu und verbreiten Sendungen über den „Nostradamus-Effekt“, „2012: Die Prophezeiungen der Maya“ oder „Das Jahr der Apokalypse“, in denen mit viel Brimborium über den Weltuntergang geraunt und das Ende der Welt bildgewaltig in Szene gesetzt wird. Computergenerierte Bilder machen’s möglich. Eindeutige und belegbare Aussagen: Fehlanzeige.

Befördert wird diese dubiose Mixtur durch ein profundes Nichtwissen in vorwiegend naturwissenschaftlichen Disziplinen wie Geographie, Physik, Biologie, Archäologie, Mathematik, (Kultur-)Geschichte oder Chemie bei vielen Zuschauern solcher Produkte. Das Resultat: Wer nichts weiß (oder nichts wissen will), muss alles glauben – und wenn es der größte anzunehmende Unsinn (GAU) ist.

Genau das hat derzeit und garantiert noch bis zum 21. Dezember Hochkonjunktur. Dann wird wohl erst einmal Schluss sein, weil nichts passiert sein wird. Aber keine Bange: Mit Sicherheit geht der ganze Zirkus bald wieder los. Vielleicht mit geheimnisvollen Prophezeiungen aus dem Jenseits von Inge Meysel oder Rex Gildo. Oder mit irgendetwas anderem.

Von Matthias Heinzel

Mehr zum Artikel
Apokalypse
Foto: Am Freitag soll die Welt untergehen – wieder einmal.

Tage der Angst, Tage der Hoffnung: Die Bilanz der Weltuntergangspropheten ist blamabel, aber der Faszination der Apokalypse kann das nichts anhaben.

mehr
Anzeigenspezial
Die schönsten Schneebilder unserer Leser
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Wo kann man hin, was kann man machen? Hier werden Sie fündig: Das Tageblatt hat die wichtigsten Freizeittipps für Sie zusammengestellt