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Debatte über Zukunft der Haupt- und Realschulen

Schulschließung Debatte über Zukunft der Haupt- und Realschulen

Die Wogen schlagen hoch bei Lehrern, Schülern und Eltern. Es gibt Pfiffe und Transparente, die Verwaltung wird gescholten, die Politik wirkt ein wenig ratlos – entschieden ist derweil noch nichts. Gut 200 – überwiegend protestierende – Gäste verfolgten die jüngste Debatte im Schulausschuss des Göttinger Rates.

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Mit Plakaten verleihen Schüler ihrem Unmut Luft: Die Käthe-Kollwitz-Schule soll nach Willen der Verwaltung schließen.

Quelle: Hinzmann

Die wurde von zwei Fragen bestimmt: Soll die Käthe-Kollwitz-Schule geschlossen werden und die Heinrich-Heine Schule einzige Hauptschule in Göttingen sein? Und soll die Voigt-Realschule an den Standort Weende umziehen und die dortige Personn-Realschule aufgegeben werden?

Beide Vorschläge aus der Verwaltung stoßen auf heftige Kritik bei den von Schließung betroffenen Schulen. Aber auch die Ratspolitiker und beratenden Mitglieder im Ausschuss haben Bedenken.

Das sagen die Parteien

Die SPD beklagt vor allem die aus ihrer Sicht unzureichenden Informationen im Vorfeld der Debatte seitens der Verwaltung, erntete dafür aber deutlichen Widerspruch von Schuldezernent Ludwig Hecke. Vorschläge zur Sache gab es von der SPD nicht. Sie hofft aber auf „paritätische Ausschüsse“ und Signale von den Schulen, wie sich die Probleme harmonisch lösen ließen. Die CDU sieht zurzeit überhaupt keine Not, eilig etwas zu ändern. Die von der Verwaltung vorgebrachten Alarmzeichen seien spekulativ und ließen viele Fragen zur Entwicklung von Schülerbewegungen an den Schulen in Stadt und Landkreis Göttingen unberücksichtigt. Die Grünen mahnten im Ausschuss an erster Stelle einen sensiblen Umgang mit den Betroffenen an, sehen in den vorgeschlagenen Änderungen aber auch Chancen für ein gutes Bildungsangebot an Göttinger Haupt- und Realschulen. Die Verwaltungsideen seien eine sinnvolle Diskussionsgrundlage und zielten in die richtige Richtung

Das sagt die Verwaltung

Ausgelöst wurde die schulpolitische Debatte von der Göttinger Schulverwaltung – aus „aktuellem und guten Grund“, erklärten Hecke und die Leiterin des Fachbereiches Schule, Maria Schmidt. Sowohl an den beiden Haupt- als auch an den Realschulen seien die Anmeldezahlen mit dem laufenden Schuljahr extrem zurückgegangen. Neue Gesamtschulen im Kreisgebiet würden weitere Schüler abziehen – besonders von der Heinrich-Heine-Hauptschule. Sowohl an den Haupt- als auch an den Realschulen könnten schon jetzt oder in naher Zukunft keine zwei Klassen mehr je Jahrgang gebildet werden. Damit sinke auch die Lehrerzahl und ein differenzierter Unterricht sei kaum noch möglich.

Nach Abwägung verschiedener Faktoren (Tageblatt berichtete) schlägt die Verwaltung vor, die Käthe-Kollwitz-Schule auslaufen zu lassen und allein die Heinrich-Heine-Hauptschule in Grone zu stärken. Dort gebe es unter anderem ein genehmigtes Ganztagsangebot mit neuer Mensa und viele renovierte Räume. Hierzu sei die Verwaltung allerdings auch für Alternativvorschläge offen.

Für die Probleme an den Realschulen hingegen sieht sie nur einen Lösungsweg: Die Voigt-Schule zieht aus ihren beengten Räumen nach Weende um. Die dortige gut ausgebaute Personn-Realschule wird namentlich aufgegeben und in die Voigt-Schule integriert. Nur über diesen Weg sei es möglich, anerkannte zusätzliche Lehrer- und Sozialarbeiterstunden für ein Ganztagsangebot (zurzeit in Weende) zu übertragen. Würde aus beiden eine neue Schule gegründet, würden die Zusatzstunden und Lehrer verloren gehen.

Das sagen die Hauptschulen


„Für uns sind die Argumente nicht nachvollziehbar“, sagte im Ausschuss Christopher Franzmann-Korff, Leiter der Käthe-Kollwitz-Schule. Seine Schule habe mehr Anmeldungen als die Heinrich-Heine-Schule, sei immer noch zweizügig und nehme jährlich viele Nachrücker auf. Und gerade in kleinen Klassen könnten die Hauptschüler zudem besser gefördert werden. Die Elternvertreterin Silke Oltmanns beklagte vor allem unzumutbar lange Wege und Schultage, wenn Hauptschüler aus dem Raum Gleichen künftig bis nach Grone fahren müssten. Die Leiterin der Heinrich-Heine-Schule, Silvia Stockburger-Brunnert, stützt die Linie der Verwaltung, weil nur an einer größeren Hauptschule mit ausreichend Kindern auch zehnte Klassen für Realschulabschlüsse gebildet und gute Ganztagsangebote gefahren werden könnten. Und sie bot eine „kollegiale gemeinsame Arbeit“ an.

Das sagen die Realschulen

Elternvertreter von der Personn-Realschule äußerten sich „schockiert“ über Verfahren und Umgang mit der Schule seitens der Verwaltung. Dadurch würden die Schule und noch mehr ihre Schüler „zurückgesetzt“. Grundsätzlich zeigten alle Realschulvertreter Verständnis dafür, dass langfristig nicht beide Schulen gehalten werden könnten. Personn-Lehrerin Jutta Schleusener appellierte an Rat und Verwaltung, aus beiden Schulen gleichberechtigt eine neu zu entwickeln – mit neuem Namen. Anders als die Verwaltung gehe sie davon aus, dass nur dann die bestehenden Zusatzlehrer- und Sozialarbeiter im Ganztagsprogramm erhalten blieben. Zudem müsste bei Stellenabbau ein sozialverträglicher Umgang mit den Betroffenen garantiert werden.

Beide Schulen seien bei diesem Verfahren Opfer, konterte Schulleiter Peter Stahr für die Voigt-Realschule: „Sie verlieren ihren Namen, wir verlieren unser Haus.“ Diese Feststellung ließe sich aber auch positiv drehen, so Stahr: Aus dem guten Traditionsnamen der Voigt-Schule mit ihren höheren Anmeldezahlen und aus dem hervorragenden Strandort der Personn-Realschule könne eine Ganztagsschule mit „großem Gewinn für alle“ entstehen.

Entschieden wurde im Schulausschuss nichts. Die Diskussion wird auf verschiedenen Ebenen fortgeführt.

Von Ulrich Schubert

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Analyse

Wieviele Klassen- und Fachräume brauchen die Göttinger Schulen, um ihre Schüler nach vorgegebener Stundentafel optimal zu unterrichten? Und haben sie dafür ausreichend Räume zur Verfügung? Das hat die städtische Schulverwaltung analysiert.

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