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Fast vergessener Konflikt

Belutschistan-Demo Fast vergessener Konflikt

Ein weitgehend vergessener Konflikt ist am Sonnabend in der Göttinger Fußgängerzone ins Blickfeld gerückt: die Auseinandersetzungen in Belutschistan, wo ein Teil der Bevölkerung die Loslösung von Pakistan anstrebt.

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Demo für die Unabhängigkeit Belutschistans am Göttinger Nabel.

Quelle: Swen Pförtner

Göttingen. Organisiert hatte die Kundgebung am Nabel die Bewegung zur Befreiung Belutschistans („Free Balochistan Movement“). Die Pakistanische Armee unterdrücke diese Unabhängigkeitsbewegung „mit brutalen und genoziden Mitteln“, erklärte ein Sprecher. Die Provinz Belutschistan mit der Hauptstadt Quetta bildet den östlichen Teil Pakistans und verfügt unter anderem über viel Erdgas.

Erste Aufstände von Rebellen gab es bereits kurz nach der Angliederung Belutschistans an Pakistan im Jahr 1948. Sie setzten sich in den Jahren danach fort. Mit der Intervention der Sowjetunion im Jahr 1979 geriet der Belutschistan-Konflikt in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Die Sowjetunion unterstützte die Unabhängigkeitsbewegung, um Pakistan zu destabilisieren, dessen Flüchtlingslager als Zentren des afghanischen Widerstandes galten. Die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen der pakistanischen Armee mit der Bewegung verschärften sich um das Jahr 2003. Im Jahr 2006 wurde der Rebellenführer Nawab Akbar Bugti von pakistanischen Sicherheitskräften getötet. In den Jahren danach stieg die Gewalt, auch aus den Reihen der Separatisten: Sie sprengten Gasleitungen, entführten Entwicklungshelfer, Diplomaten und Journalisten, von denen einige getötet wurden. Außerdem gibt es zunehmend Übergriffe auf Zuwanderer aus anderen pakistanischen Provinzen, die teilweise schon lange in der Provinz leben. Andererseits verzeichnen Menschenrechtsorganisationen regelmäßig staatliche Repressionen.

Bei der Kundgebung am Sonnabend in der Weender Straße prangerten die Veranstalter der Bewegung zur Befreiung Belutschistans unter anderem das Verschwinden von 26000 Menschen an, für das die pakistanische Regierung verantwortlich sei. Kinder, Frauen und Studenten seien zu Tausenden umgebracht worden, erklärte Samiir Baloch, Sprecher der Bewegung. Mittlerweile seien in der Provinz Belutschistan viele Massengräber entdeckt worden. Eine freie Berichterstattung über den Konflikt sei praktisch unmöglich.

Obwohl Pakistan ein streng islamisches Land sei, handele es sich bei den Auseinandersetzungen nicht um einen religiösen Konflikt, erklärte der Sprecher. Die Unabhängigkeitsbewegung sei säklular ausgerichtet.

Etwa 30 Menschen nahmen an der lautstarken Demo am Nabel teil. Zum Abschluss zogen die Teilnehmer weiter zum Bahnhof.

Von Matthias Heinzel

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