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Wenig großflächige Schäden im Landkreis

Funktionierender Hochwasserschutz Wenig großflächige Schäden im Landkreis

Während Städte wie Hildesheim in den vergangenen Tagen und auch gestern noch gegen das Hochwasser ankämpften, blieb die Lage in den Landkreisen Göttingen und Northeim weitgehend ruhig. Ein Grund: der Hochwasserschutz, der seit dem Hochwasser 1981 ausgebaut wurde – und nun schlimmere Schäden verhinderte.

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Das Hochwasser aus der Luft.

Quelle: Meder

Landkreis. Im Juni 1981 kam es in den Landkreisen Göttingen und Northeim zu einem Hochwasser, das schwere Schäden anrichtete. Die Leine erreichte in Göttingen den historischen Höchststand von 3,84 Metern. Damit sich das nicht wiederholt, zog die Stadt Konsequenzen. Zwischen 2001 und 2013 wurden im Verlauf der Leine auf einer Länge von etwa sechs Kilometern vom Flüthe-Wehr im Süden bis zur Kläranlage im Norden Maßnahmen ergriffen, um den Fluss im Zaum zu halten.
Die nicht standfesten Deiche wurden durch Spundwände verstärkt und durch den Bau von Hochwasserschutzwänden erhöht, erklärt Detlef Johannson, Sprecher der Göttinger Stadtverwaltung. Außerdem seien Geländeprofilierungen vorgenommen und ein Siel- und Schöpfbauwerk errichtet worden, um die Stausicherheit und Entwässerungsmöglichkeit des Leinekanals zu verbessern.

Die Maßnahmen orientierten sich an der Rekordflut von 1981. So ist der Hochwasserschutz in Göttingen auf einen Leinepegel von 3,84 Metern ausgelegt. „Rechnerisch sind dann noch 50 Zentimeter Luft nach oben bis zur Überflutung der Deiche“, sagt Johannson. Der Ausbau habe sich bislang bewährt.

Kanalnetz gut gerüstet

Ebenfalls gut gerüstet für starken Regen ist das Göttinger Kanalnetz, wie Maja Heindorf von den Göttinger Entsorgungsbetrieben (GEB) mitteilt. Dieses habe den aktuellen Starkregen „gut gemeistert“. Die GEB-Sprecherin macht darauf aufmerksam, dass es auch in der Verantwortung der Hauseigentümer liege, sich um die jeweilige Grundstücksentwässerungsanlage zu kümmern. Verbesserungsbedarf am Kanalsystem, der mit den aktuellen Ereignissen zusammenhänge, gebe es keinen. Allerdings seien die GEB seit Jahren im Zuge des Göttinger Kanalsanierungskonzepts mit Baumaßnahmen beschäftigt, wie sie sich gegenwärtig an der Roten Straße und am Maschmühlenweg zeigten.
Auch die Stadt Duderstadt hat das Hochwasser 1981 zum Anlass genommen, den Hochwasserschutz im Bereich der Flüsse Hahle und Brehme zu intensivieren, wie Duderstadts Bauamtsleiter Johannes Böning mitteilt. „Es gab erhebliche Tiefbaumaßnahmen. Den Flüssen wurde mehr Platz gegeben, es wurden Dämme gebaut“, sagt er. Außerdem sei 1989 das Brehme/Sandwasser-Regenrückhaltebecken fertigggestellt worden, das nun erstmals gefüllt war. „Das hat einen guten Dienst erwiesen“, so Bönings Fazit.

Keine Probleme in Friedland

Trotz des in den vergangenen Tagen funktionierenden Hochwasserschutzes würden im August im Rat der Stadt mit Einsatzkräften und Helfern der vergangenen Tage Verbesserungsmöglichkeiten thematisiert. Außerdem würden Ende des Jahres Ergebnisse einer Hochwasserschutzkonzeption genutzt, um langfristige Maßnahmen abzuleiten. „Die Hahle hat in Duderstadt ein Einzugsgebiet von 62 Quadratkilometern, die Brehme nur eines von 28 Quadratkilometern“, sagt Böning – und weist darauf hin, dass die Planung eines Hahle-Regenrückhaltebeckens in Betracht gezogen werden könnte.

Hochwasser 1981

Schwere Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen führten Anfang Juni 1981 dazu, dass in den Landkreisen Göttingen, Northeim und im Werra-Meißner-Kreis Katastrophenalarm ausgelöst wurde. Herberhausen war durch Sturzbäche zwischenzeitlich von der Außenwelt abgeschnitten. In Göttingen standen Teile der Innenstadt unter Wasser. Im Landkreis wurden Wohnungen, Keller, Ställe, Bahngleise, Straßen und Felder überflutet, es gab Erdrutsche. Allein in Gelliehausen fielen am 3. Juni 106 Millimeter Niederschlag. Kleinvieh ertrank. Als in Northeim ein Rhumedamm brach, standen weite Teile der Stadt unter Wasser. hein

Auch die Gemeinde Friedland, die vor zwei Jahren schwer von Hochwasserschäden betroffen war und vor etwa einem Jahr in Klein Schneen noch einmal mit Wassermengen zu kämpfen hatte, bereitete sich auf ein erneutes Hochwasser vor. „Wir haben Gräben ausgehoben und darauf geachtet, dass Durchlässe frei sind“, sagt Uwe Turinsky, zuständig für die Sachbearbeitung der Feuerwehren in der Gemeinde Friedland. Das Ergebnis: „Wir hatten keine Probleme mit dem Hochwasser.“ Seit den großen Schäden in den vergangenen zwei Jahren habe die Gemeinde eine Hochwasserschutzkonzeption in Auftrag gegegeben. „Die 13 Ortsteile der Gemeinde Friedland wurden mit den Einzugsgebieten der Gewässer betrachtet“, sagt Werner Hübner, Sachbearbeiter im Fachbereich Bauwesen. Niedernjesa sei außen vor gelassen worden, weil der Ort bereits ein Hochwasserschutzkonzept habe. Mittlerweile wurden Auftaktgespräche zur Abhilfe von Problemen geführt, bis Jahresende sollen diese durch sein – und anschließend ein Konzept mit Maßnahmen für jeden Ort entwickelt werden.  

Für die Aufgabe des Hochwasserschutzes sind die Städte und Gemeinden zuständig, die Landkreise sind nur bei einem Katastrophenalarm gefragt. Zu solch einem kam es im Landkreis Göttingen und Northeim nicht. Wie auch in Göttingen sind die Zuständigen in der Stadt Northeim mit dem Hochwasserschutz zufrieden. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Hochwasserschutzanlage zur Eindämmung der Rhume instandgehalten“, sagt Jörg Dodenhöft, allgemeiner Vertreter des Northeimer Bürgermeisters. Dadurch hätten sie die Schäden weitestgehend klein gehalten. Zusätzlich hätten sie während des jetzigen Hochwassers aktuell die Pegel ausgewertet und darauf reagiert, indem sie beispielsweise am Stadion den Damm noch um eine Sandsackreihe erhöhten.

Von Hannah Scheiwe und Maximilian Zech

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