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Der Liebste, das Glück: Chorwettbewerb in Münden

Mitteldeutscher Sängerbund Der Liebste, das Glück: Chorwettbewerb in Münden

Viele Chöre und Gesangvereine auf den Dörfern plagen erhebliche Nachwuchssorgen. Dass dem so ist, wird beim Chorwettbewerb des Mitteldeutschen Sängerbundes im Rittersaal des Welfenschlosses auf einen Blick deutlich: Sowohl im Publikum als auch bei den Chören dominiert eindeutig die Haarfarbe Grau.

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Vorsingen vor der Jury: der Gesangverein Zierenberg von 1843 im Welfenschloss.

Quelle: Heller

Alle vier Jahre wird der Wettbewerb ausgetragen. Auch der Sport- und Gesangverein Lippoldshausen von 1883 ist gegenüber den vorigen Teilnahmen nicht jünger geworden, wie Leiter Peter Möller einräumt. Dennoch ist der Chor noch einmal angetreten, um wie in den Jahren zuvor das Prädikat „Leistungschor“ zu erringen. Denn darum geht es: dass sich die Chöre in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen Auszeichnungen ersingen. Diese reichen vom Leistungschor über den Konzertchor bis zum Meisterchor.
Gesungen werden selbst gewählte und etwa ein Jahr vor dem Wettbewerb vorgegebene Stücke. So manches englischsprachige Lied hat sich eingeschlichen, auch italienisch ist manchmal zu hören. Im Mittelpunkt aber stehen deutschsprachige Volkslieder. Es geht also viel um Herzen und Schmerzen, um Sonne und Wonne, um die Ferne, den Liebsten, das Glück. Lieder wie „Auf du junger Wandersmann“ oder „Auf einem Baum ein Kuckuck“, die früher fast jeder kannte – hier, unter einer dunklen Holzbalkendecke im fahnengeschmückten Rittersaal, haben sie noch einmal ihren Platz. Ob diese Lieder in 30 Jahren noch oft gesungen werden, darf in Zeiten von Rap und einer hochprofessionellen Musikindustrie bezweifelt werden.
Möller, selbst 63 Jahre alt, schätzt das Durchschnittsalter seines gemischten Chores auf etwa 60 Jahre. Die jüngste Sängerin ist 42 Jahre, der jüngste Mann Ende fünfzig, der älteste 85. Chöre hätten auch eine soziale Aufgabe im Dorf, so Möller, der den Gesangverein seit 27 Jahren leitet.
Das Ausbleiben des Nachwuchses erklärt Möller, im Hauptberuf Jurist bei einer großen Bank, mit veränderten Freizeitgewohnheiten. Wöchentliches Üben zu festen Zeiten in einer festen Gemeinschaft – das „wollen viele nicht mehr über sich ergehen lassen“. Auch seien einige Anfänger abgesprungen, als sie gemerkt hätten, dass es auch um harte Arbeit gehe „und nicht um Trallala“.
Noch kann der 1839 in Hann. Münden gegründete Mitteldeutsche Sängerbund beachtliche Zahlen vorweisen: 42 000 Sänger in 800 Chören sind nach eigenen Angaben in ihm zusammengeschlossen. Doch nur ein Bruchteil davon – knapp 20 Chöre – nimmt am Wettbewerb teil. Es gebe noch ältere Chöre, und nicht alle hätten den Mut, sich dem Wettbewerb zu stellen, meint Möller. Aus dem Sängerkreis Fulda - Werra - Weser ist der Chor aus Lippoldshausen der einzige, der antritt.
Zwischen Aktenkoffern und Aktenordnern machen sich die drei Jury-Mitglieder Notizen. Für den Chor aus Lippoldshausen reicht es am Ende zum gewünschten Prädikat „Leistungs–chor“. Doch in 30 Jahren, das ist Möller klar, wird die Zahl der Chöre, auch wenn es einige jüngere gebe, drastisch geschrumpft sein: „Die Masse wird nicht mehr da sein.“

Von Jörn Barke

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