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Der Schwingungssimulator

Prüfstand entwickelt Der Schwingungssimulator

Einen Prüfstand, der kaum wahrnehmbare Erschütterungen simuliert, hat Prof. Karl-Josef Schalz in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit der Göttinger Accurion GmbH entwickelt – eine kleine Revolution auf dem Gebiet der Schwingungsisolierung.

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Am neuen Prüfstand: Produktionsleiter Uwe Timm (sitzend) mit dem Entwickler der Anlage, Prof. Karl-Josef Schalz

Quelle: Michael Caspar

Göttingen. Einen Prüfstand, der kaum wahrnehmbare Erschütterungen simuliert, hat Prof. Karl-Josef Schalz in den vergangenen drei Jahren gemeinsam mit der Göttinger Accurion GmbH entwickelt. Der Prüfstand ermöglicht dem Unternehmen die Justierung seiner Geräte, die aktiv Schwingungen neutralisieren.

„Die Industrie fertigt immer präziser“, erläutert Stephan Ferneding, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Accurion. Das gehe aber nur, wenn Produktionsbereiche vor störenden Schwingungen geschützt würden. Dies gelte auch für die Messstände, an denen die Qualitätskontrolle der Produkte erfolge. Accurion stelle Systeme her, die bis zu 99 Prozent störender Umgebungsschwingungen beseitigen könnten. Auf Accurion-Arbeitsflächen stehen Maschinen und Messanlagen, die zwischen einem und 150 Kilogramm schwer seien. „Damit unsere Systeme beim Kunden optimal funktionieren, simulieren wir in Tests Erschütterungen“, erläutert Ferneding. Teilweise würden Accurion-Servicetechniker vor Ort störende Schwingungen messen, teilweise liefere der Kunde entsprechende Daten. Alle Geräte der Accurion-Produktion durchliefen Test der eigenen Qualitätssicherung.

„Die Simulation ist bei uns bisher arbeitsintensiv manuell über ein bis zwei Stunden erfolgt“, berichtet Produktionsleiter Uwe Timm. Niederfrequente, also sehr langsame Schwingungen im Bereich von mehr als einem Hertz, wie sie bei höheren Gebäuden auftreten würden, hätten sie gar nicht erzeugen können. Da habe sich Accurion bisher auf eigene Erfahrungswerte verlassen. „Der neue, eine Tonne schwere Prüfstand erzeugt auch niederfrequente Schwingungen“, sagt Prof. Schalz, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Göttingen lehrt. Er hat die gesamte Elektronik, Regelungstechnik und Mechanik des Prüfstands entwickelt, der Schwingungen in vertikaler und horizontaler Richtung erzeugen kann. „Der Prüfstand arbeitet zudem wesentlich genauer und soll die Simulation mittelfristig automatisch durchführen“, ergänzt Ferneding. Damit mache Accurion „einen großen Schritt“ nach vorne.

In die Entwicklung des neuen Prüfstandes investierte das Unternehmen rund 100.000 Euro. „Ohne Professor Schalz hätten wir das nicht geschafft“, sagt Ferneding, der den Wissenschaftler über den Göttinger Messtechnikverband Measurement Valley kennengelernt hat. „Meine Hochschule erwartet von mir die Zusammenarbeit mit Unternehmen“, sagt Schalz. „Die Nachfrage nach unseren Systemen wächst“, berichtet der Geschäftsführer. Die Leiterbahnen auf Halbleitern lägen oft nur noch wenige Nanometer auseinander. Zum Vergleich: Ein Haar hat einen Durchmesser von 50.000 Nanometern.

Wachstum bis zu 30 Prozent

Kleine Erschütterungen, etwa durch eine Klimaanlage oder eine ins Schloss fallende Tür, könnten Produktionen bereits zum Erliegen bringen. Relevant ist dies zum Beispiel bei der künstlichen Befruchtung von Eizellen – hier kommen Accurion-Systeme zum Einsatz. Ein anderes Beispiel: Bei den Olympischen Spielen stehen die Kameras, die bei Leichtathletik-Disziplinen wie Sprint-Läufen die Zielfotos machen, auf einem Accurion-System. So verwackele nichts - auch dann nicht, wenn ein ganzes Stadion jubelt. „Der Bereich Schwingungsisolierung wächst bei uns kräftig, in diesem Jahr wahrscheinlich um 20 bis 30 Prozent“, sagt Ferneding. Bis zu 600 Geräte liefert Accurion im Jahr aus. Die Kunden, etwa Hersteller empfindlicher Mikroskope oder Messtechnik, integrierten die Systeme teilweise in ihre eigenen Produkte. Die Exportquote schätzt Ferneding – angesichts von Weiterverkäufen – auf 70 Prozent. Accurion erwirtschafte mit 30 Mitarbeitern an der Stresemannstraße in diesem Jahr an die fünf Millionen Euro.

Von Michael Caspar

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