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Die Fusion „hätte ich gerne noch geschafft“

Volkshochschule Göttingen Die Fusion „hätte ich gerne noch geschafft“

Neben Computer und Telefon liegen auf dem Schreibtisch zwei kleine Papier- und Aktenstapel, einige Fachbücher stehen in Griffnähe. Auch die Wände wirken mit ausgewählten Gemälden, Kunstfotos, einem Originalplakaten und einer kleinen Magnet-Pinnwand überraschend aufgeräumt.

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Geht nach 33 Jahren: Günter Blümel vor dem (noch) neuen VHS-Gebäude.

Quelle: Theodoro da Silva

Warum Günter Blümel trotzdem vor dem Auszug „graust“, wird deutlich, wenn er die Türen des großen Wandschranks öffnet: hunderte Akten, Broschüren und Bücher. „Ich bin Sammler, da kommt halt viel zusammen“, räumt er mit entschuldigendem und zugleich stolzem Ton ein. Sein voller Schrank ist geprägt von 33 Jahren Arbeit. So lange leitet Blümel als Geschäftsführer die Volkshochschule Göttingen. Gestern hat er das letzte Mal das neue Kurs-Programm der VHS vorgestellt, Ende September wird er 65 und geht in den Ruhestand.

„Natürlich“ habe sich die VHS in 33 Jahren sehr gewandelt, sagt der Philologe. Die Göttinger Volkshochschule habe sich immer „am Puls der Zeit weiter entwickelt“. Um 1980 hätten ihre Kurse vor allem die damalige Reformbewegung in der Gesellschaft widergespiegelt – „viel pädagogisches, mehr Kinderbetreuung und der wachsende Wunsch, etwas gemeinsam zu machen“. Mitte der 80er folgte eine Phase der Individualisierung, „man wollte sich zunehmend frei machen, auch von den alten Formen der Arbeit“, so Blümel. Und mit dem immer schwierigeren Arbeitsmarkt verändere sich das aktuelle Bildungsangebot inzwischen wieder deutlich: „Früher brauchte keiner ein Bewerbungstraining oder für seine Berufsentwicklung einen Chinesischkurs.“ Zugleich sei der Malkurs aber auch heute noch gefragt wie einst.

Wenn Blümel über die Kurse, Umzüge, bis zu 32 Unterrichtsstandorte, Dozenten, ständigen Finanzprobleme und politischen Debatten zur VHS spricht, wird deutlich, dass sein Posten immer mehr war als ein Job. Immer wieder hat er mit seinen Mitstreitern neue Ideen entwickelt, um den Bildungsbedarf der Göttinger über Schule und Ausbildung hinaus zu decken – und die VHS weiter zu entwickeln. Dabei seien „persönliche Kontakte über politische Fraktionsgrenzen hinaus immer unglaublich wichtig gewesen“, gibt Blümel auch seinem Nachfolger als Tip mit auf den Weg. Für solche Kontakte sei er mittags auch so manches Mal extra in der Rathauskantine Essen gegangen. Zugleich war sich der VHS-Chef aber auch nicht zu schade, abends spontan in eine Schule zu fahren, wenn ein Hausmeister einen Kurs aussperren wollte.

Besonders hartnäckig hat Blümel für den Bau des neuen VHS-Gebäudes mit Schultrakt und Verwaltung an der Lokhalle gekämpft. Den Einzug dort vor elf Jahren wertet er als die wichtigsten Phasen der VHS – und als größten Erfolg seiner Arbeit. Und er spüre, dass das Image der VHS „als zuverlässiger Dienstleister – auch für die Wirtschaft – inzwischen sehr hoch ist“. Nur ein „Punkt“ trübe seinen Abschied: Die Fusion der VHS und Kreisvolkshochschule „hätte ich gerne noch geschafft“.

Dass sich die VHS sehr gewandelt hat, belegen die Zahlen: 1977 gab es 271 Kurse und 6098 Teilnehmer, im vergangenen Jahr meldeten sich für 1249 Seminare 14 750 Teilnehmer an. Die Dozentenanzahl stieg von 185 auf 460, statt zehn sind es heute 52 Mitarbeiter in der Verwaltung. Der Jahresetat ist von 810 600 auf 4,64 Millionen Euro geklettert. Die Stadt zahlte vor 33 Jahren einen Zuschuss von 157 000 Euro und im vergangenen Jahr 553 260 Euro, das Land Niedersachsen damals gut 231 000 Euro und im vergangenen Jahr 515 000 Euro.

Von Ulrich Schubert

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