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"Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt"

Göttinger Fahrdienst "Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt"

Zu Beginn des neuen Jahres herrscht Ungewissheit beim Göttinger Fahrdienst. Viele Mitarbeiter sind bereits entlassen worden, wie es weitergeht, ist unklar. Bei den Göttinger Werkstätten weist man die Verantwortung dafür zurück.

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Stillstand auf dem Firmenareal des Göttinger Fahrdienstes an der Robert-Bosch-Breite. foto: Wenzel

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. Weil der Großauftrag der Göttinger Werkstätten nach 40 Jahren wegfällt, muss die Gemeinnützige Fahrdienst Gesellschaft mbH 30 ihrer rund 80 Mitarbeiter entlassen. Ein herber Schlag für die teilweise langjährigen Angestellten. „Wir wissen derzeit nicht, wie es für uns weitergeht“, sagt ein Mitarbeiter. Die Stimmung unter den Angestellten des alteingesessenen Transportunternehmens an der Robert-Bosch-Breite sei entsprechend schlecht. Viele offenene Frage stehen im Raum. Wie sicher ist mein Job im Jahr 2017? Wie steht es um mein Lohn?

Richtig nachvollziehen kann man beim Fahrdienst die aktuelle Misere nicht. „Denn die Leistung, die wir erbracht haben war gut“, sagt ein Angestellter. Immerhin hatten sich in den vielen Jahren zwischen Fahrern und Behinderten enge und fast freundschaftliche Beziehungen entwickelt. „Viele Eltern der Menschen mit Behinderungen, die wir gefahren haben, können nicht verstehen, warum wir den Auftrag für die Göttinger Werkstätten nicht mehr ausführen“, sagt ein anderer Mitarbeiter. „Da wird schmutzige Wäsche gewaschen“, denkt er laut.

Der Geschäftsführer der Göttinger Werkstätten, Holger Gerken, weist unterdessen jegliche Kritik sowie mögliche Verantwortung für die finanzielle Lage des Fahrdienstes von sich. „Wir haben korrekt gehandelt“, sagt er auf Anfrage. 330 Personen habe der Göttinger Fahrdienst regelmäßig für die Göttinger Werkstätten transportiert. Für den Fahrdienst bedeutet der Auftrag rund 50 Prozent des jährlichen Umsatzes. Doch Inhaber des Fahrdienstes Markus Kaczmarek kündigte 2016 den langjährigen Vertrag. „Für uns kam die Kündigung völlig überraschend“, erzählt Gerken weiter. Denn bis zu diesem Zeitpunkt gab es an der Dienstleistung des Fahrdienstes nichts zu beanstanden. „Wir haben mit dem Fahrdienst keine negativen Erfahrungen gemacht“, sagt Gerken.

Busse des Fahrdienstes sind veraltet

Nach der Kündigung hätten die Göttinger Werkstätten den Auftrag allerdings ordnungsgemäß ausschreiben müssen. Fünf Angebote wurden eingeholt. Zwei davon kamen nicht in die engere Auswahl. „Unter den verbliebenen drei war auch der Gemeinnützige Fahrdienst“, berichtet Gerken. Der Fahrdienst schaffte es aber nicht an die erste Position.

Entscheidend sei beim Auswahlverfahren nicht nur der Preis gewesen. „Wir haben in unser Anforderungsprofil bewusst auch Qualitätskriterien einfließen lassen“, erzählt Gerken weiter. Ein nicht unwesentlicher Punkt sei dabei auch das Alter der Fahrzeuge gewesen, mit denen die Menschen mit Behinderungen transportiert werden sollten. „Leider waren die Fahrzeuge des Fahrdienstes im Vergleich zu alt“, so Gerken. Der Leiter der Göttinger Werkstätten ist sich deshalb keiner Schuld bewusst.

Auch das Oberlandesgericht in Celle habe an der Vergabepraxis nichts kritisiert. Kaczmarek war dort mit einer Klage wegen Unzulässigkeit des Auswahlverfahrens abgeblitzt. Kaczmarek will aber nicht aufgeben. Einem Weiterzug der Klage an den Europäischen Gerichtshof sieht Gerken gelassen entgegen. „Meines Wissens ist die Frist für eine Anhörung des nächst höheren Gerichtes vier Wochen“, sagt er. Diese Frist sei bereits Ende Oktober abgelaufen. Bernard Marks

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