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Doch kein Logistikzentrum zwischen Holtensen und Lenglern?

Kehrtwende Doch kein Logistikzentrum zwischen Holtensen und Lenglern?

Überraschende Kehrtwende beim umstrittenen Logistikzentrum zwischen Holtensen und Lenglern: Die Bovender Ratsfraktionen ziehen ihre bisherige Position zurück und wollen das langfristig geplante Großprojekt jetzt auf Initiative der SPD stoppen.

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Lage des geplanten GVZ.

Quelle: GT-Archiv

Lenglern / Holtensen. „Dann ist das Projekt tot, ohne Bovenden geht es nicht“, kommentierte am Dienstag Göttingens Landrat Bernhard Reuter (SPD) den Vorstoß seiner Genossen.

Der größte Teil des etwa 130 Hektar großen Areals gehört zu Bovenden, nur ein kleiner zur Stadt Göttingen. Das Land Niedersachsen, der Landkreis, Bovenden und Göttingen wollen auf der umstrittenen Fläche Grundstücke für Logistikunternehmen vorhalten.Dagegen regte sich in den vergangenen Wochen Protest in Lenglern, Holtensen und Teilen der Göttinger Weststadt.

Nach einer gemeinsamen Sitzung fordern die Sozialdemokraten im Fleckenrat Bovenden und im Ortsrat Lenglern jetzt, „die Planung eines Güterverkehrszentrums (GVZ) in Lenglern nicht in Angriff zu nehmen und auf den Erwerb von Vorratsflächen zu verzichten“. Sie begründen dies mit den massiven Protesten der Anwohner und Bürger.

„Intensive Bürgerbeteiligung“

Es gebe zwar noch keine konkreten Erschließungspläne, und Gemeindebürgermeisterin Heidrun Bäcker (SPD) habe mehrfach eine „intensive Bürgerbeteiligung“  angekündigt, wenn es konkret wird. Unter den jetzigen Bedingungen solle und könne aber auch eine vorbereitende Planung nicht gegen den Willen der Lenglerner Bürger umgesetzt werden.

„Es ist unser Anliegen, mit und für den Bürger zu agieren“, so die Ortsbürgermeisterin Marianne Stietenroth (SPD). Der Fraktionsvorsitzende im Fleckenrat, Thorsten Heinze, fügte an: „Wir müssen zukünftig noch früher und transparenter auf den Bürger zugehen.“ Er will den Antrag der SPD im Verwaltungsausschuss einbringen.

Der Antrag hat gute Chancen: Inzwischen hat sich auch die Mehrheitsgruppe aus CDU, FWG, FDP und Grünen gegen die Bevorratung mit Flächen für das Güterverkehrszentrum ausgesprochen, sagte Gruppensprecher und CDU-Fraktionschef Harm Adam am Dienstag. Zwar halte er ein Güterverkehrszentrum grundsätzlich für eine gute Sache

Umsetzung nur mit Bürgern

Solch ein Projekt könne aber immer nur mit den Bürgern umgesetzt werden. Und auf keinen Fall dürfe es gegen die Grundstückseigentümer durchgesetzt werden – und schon gar nicht zur „Enteignung“ kommen. Für die FDP beschreibt Ratsherr Reinhard Schmidt den Plan als „Gigantomismus“. Ein Güterverkehrszentrum in dieser Größenordnung sei nicht mehr zeitgemäß, unterstützt er die anderen Parteien.

Dass das Areal direkt an der Autobahn 7 und Eisenbahntrasse Göttingen-Bodenfelde einmal als Lager- und Umschlagplatz für Güter genutzt werden könnte, ist kein neuer Plan. Seit 2008 ist das Projekt bereits im Raumordnungsprogramm des Landes Niedersachsen beschrieben – als „AREA 7“ forciert vom Landkreis und vom Flecken Bovenden.

Auf Göttinger Seite wird es als Güterverkehrszentrum IV bezeichnet – analog zu drei bestehenden GVZ-Anlagen. Konkrete Pläne oder einen Investor gibt es zwar noch nicht, aber vorsorglich wollten Land und Kommunen für die Ackerflächen schon jetzt bei Weende Ersatzflächen sichern. Sie sollen den betroffenen Bauern angeboten werden, wenn das GVZ einmal umgesetzt werden sollte – zunächst auf 40 Hektar, später erweiterbar auf 130.

Protestwelle

Erst die politische Diskussion um diese Ersatzflächen löste in den vergangenen Wochen eine Protestwelle aus. Anwohner, Landwirte und Umweltschützer wehren sich gegen ein fast 200 Fußballfelder großes Logistikzentrum in ihrer direkten Nachbarschaft – mit permanentem Lkw-Verkehr, Verladelärm und 24-Stunden-Betrieb unter gleißenden Scheinwerfern.

Sie sorgen sich auch um ihr angrenzendes Naherholungsgebiet auf besonders fruchtbarem Ackerboden und bezweifeln, dass ein so großes Logistikzentrum tatsächlich benötigt wird. Erst kürzlich demonstrierten bei Lenglern mehr als 200 Bürger unter dem Slogan „Stoppt den Wahnsinn“.

▶ Kommentar:  Besser spät als nie

Dieser Befreiungsschlag war fällig. Überfällig.

Aber lieber spät als nie. Es war ja schon merkwürdig, dass Politik, Verwaltung und Wirtschaftsstrategen schon seit 2008 still und fast unbemerkt Platz für ein gewaltiges Güter-Umschlagzentrum auf den Weg gebracht haben, ohne die Karten offen auf den Tisch zu legen.

Natürlich ist es gut, die wirtschaftliche Entwicklung und Arbeitsplätze auf lange Sicht im Blick zu haben. Und natürlich ist das Areal zwischen Lenglern und Bovenden mit seinen Anschlussmöglichkeiten grundsätzlich geeignet.

Tatsächlich wurde in öffentlichen Sitzungen mehrmals informiert. Aber niemandem waren die Ausmaße klar – schon gar nicht außerhalb der Planer-Runden.

Vielleicht haben die Politiker damals selbst nicht erkannt, wie explosiv ihr Blatt ist, wenn man es von der anderen Seite betrachtet.

Von der Seite der Bürger nämlich, die sich heute nicht mehr alles vor die Nase setzen lassen wollen – erst recht keine riesigen Lagerhallen mit ständigem Lkw-Verkehr. Sie sind spät auf die Barrikaden gegangen, die Politik hat spät reagiert.

Aber lieber spät als nie.

Ulrich Schubert

Ulrich Schubert

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Einrichtung weiterer Ortsräte
Neues Rathaus am Hiroshimaplatz.

Mit der Einrichtung weiterer Ortsräte, etwa für die Stadtteile Holtenser Berg und Leineberg, soll sich auf Wunsch des Rates der Stadt der Ausschuss für allgemeine Angelegenheiten, Integration und Gleichstellung befassen. „Wir müssen den Bürgern die Möglichkeit geben, ein demokratisch gewähltes Gremium als Interessenvertretung zu bekommen“, begründete am Freitag Rolf Becker (Bündnis 90/Die Grünen) den Antrag seiner Fraktion.

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