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Dreibeiniger Keiler verletzt zwei Jäger im Mais

Schuss löst sich und trifft Lastwagen auf B 27 Dreibeiniger Keiler verletzt zwei Jäger im Mais

Dramatischer Jagdunfall im Maisfeld: Ein dreibeiniger, mehr als 100 Kilogramm schwerer und schwer verletzter Wildschwein-Keiler hat in einem Maisfeld bei Groß Schneen zwei Jäger angegriffen und einen von ihnen schwer verletzt. Der zweite Jäger stürzt e durch die Wucht des heranstürmenden Tieres.

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Wildschwein-Keiler erlegt im Mais: Für Jagdpächter wachsen sich Maisfelder zum Horror aus. Hier ein Foto aus Rotenburg.

Quelle: Krüger

Dabei löste sich ein Schuss aus seiner Flinte, der in den Aufbau eines vorbeifahrenden Lastwagens einschlug und in der Rückseite des Führerhauses stecken blieb. Ein dritter Jäger erlegte schließlich das tobende Tier.

Es war ein Jagdunfall, wie ihn Jäger in Südniedersachsen lange befürchtet haben. Auf immer mehr und immer größeren Feldern wird Mais angebaut, um ihn in Biogasanlagen zu Energie umzuwandeln. Binnen weniger Jahre hat sich der Maisanbau in Niedersachsen vervierfacht. Kreisjägermeister Ernst-Friedrich Wille spricht von „Horror“ und meint: „Wir Jäger schlagen fast Rad.“ Riesige Flächen würden durch den Maisanbau der Jagd praktisch entzogen. Darin tummeln sich mindestens ab Ende August die Sauen mit ihren Frischlingen, leben „wie im Paradies“ und seien praktisch unbejagbar. Dabei richteten sie gewaltige Schäden an, die die Jagdpächter teuer zu stehen kommen. Bis Mitte Oktober falle die Wildschweingjagd praktisch aus oder könne nur unter unverantwortbaren Risiken betrieben werden.

Oft werden die Wildschweine, die sich von Maiskolben ernähren und wegen Pfützen im Feld dieses praktisch nicht mehr verlassen müssen, parallel zur Erntearbeit gejagt. Häcksler machen das Feld immer kleiner, herausstürmende Sauen werden geschossen. Am Donnerstag wurden zwei Tiere erlegt, ehe es zum Unfall kam.Weil Häcksler und Transportfahrzeuge in Schussnähe sind, lehnen viele Jäger diese Art Jagd als zu gefährlich ab.

Am Donnerstag lauerten drei Jäger an dem Feld nahe der B 27 nördlich von Groß Schneen auf Sauen, als der Landwirt um Hilfe bat. Er habe mit der Erntemaschine eine Sau angefahren und verletzt. Tatsächlich wurde ein abgetrennter blutiger „Wurf“ (Rüsselteller) gefunden. Unmittelbar danach wurde einer der Jäger von einem gewaltigen Keiler angegriffen. Weil das Tier offenbar nur mit drei Beinen aufgewachsen war – der rechte Vorderlauf fehlte –, hatte es vor der Erntemaschine nicht fliehen können, war verletzt worden und entsprechend aggressiv. Beim Sturz des Jägers löste sich ein Schuss. Erst Stunden später wurde der Polizei von einer Spedition aus Duderstadt gemeldet, das dieser einen Lastwagen getroffen hatte, der gerade vorbeifuhr.
Schließlich griff das tobende Tier einen 63 Jahre alten Jäger an und verletzte ihn am Bein schwer. Er musste notoperiert werden. Mitpächter der Jagd, Karsten Schönewald, erlegte den Keiler. „Der größte, den ich je gesehen habe.“

Für Schönewald war das das Ende seiner jagdlichen Ambitionen, sagte er gestern. Das Hobby sei ruinös. Im Vorjahr hatte er allein für sein Revier mit 6300 Euro Landwirte für Wildschweinschäden entschädigen müssen. Dabei sei eine ordentliche Waid wegen riesiger Schläge Raps und Mais gar nicht mehr möglich.

Das Problem, so Kreisjägermeister Wille, werde mit weiteren Biogasanlagen, die fast nur Mais benötigen, noch zunehmen. In einem Gespräch am 5. Oktober mit Landvolk und Biogas-Betreibern wolle die Jägerschaft „Klartext reden“. Wille: „In Maisfeldern zu jagen ist riskant bis fahrlässig. Ich lehne das künftig ab.“

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Das ist die Kehrseite der Umstellung auf alternative Energie: Monokulturen so weit das Auge schaut. Mittendrin Wildschweinrotten, die es sich gut ergehen lassen und vor Jägern sicher sind.

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