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Dritte Band der Weender Ortschronik erschienen

Geschichte Dritte Band der Weender Ortschronik erschienen

Der nördliche Göttinger Stadtteil mit seinen mehr als 20 000 Einwohnern ist der einwohnerstärkste Stadtteil der Leinestadt. Zumindest die alten Weender trauern immer noch den Zeiten vor der Eingemeindung 1964 als selbstständige Gemeinde nach. Mit der Zeit der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus bis in die Gegenwart befasst sich der dritte Band der Weender Ortschronik – von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil.

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Der ebenfalls im Wallstein-Verlag erschienene Band wurde gestern in Weende in der Sparkasse präsentiert. Die Sparkasse unterstützte die Herausgabe des Abschlussbandes. 1992 war der erste Teil der Chronik „Dorf und Kloster Weende von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert“ und 1998 der Band „Eine Arbeitervorstadt entsteht. Weendes Weg in das Industriezeitalter“ erschienen. Für Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer (SPD) ist die Chronik ein Gemeinschaftswerk, das für alle Ortsteile Maßstäbe setzt.

Nach dem Ersten Weltkrieg – jeder zehnte erwachsene Weender war gefallen – wurde während des revolutionären Umbruchs zur Republik auch in Weende ein Arbeiter- und Soldatenrat gegründet. Durch die traditionell starke Sozialdemokratie in dem Arbeitervorort und pragmatische Zusammenarbeit blieb die politische Lage stabil. Bis 1933 gab es im Gegensatz zum Umland eindeutige Mehrheiten gegen den Nationalsozialismus.

Bau von Artilleriekasernen

Schon in den 20er Jahren gab es Klagen über löchrige Straßen. Eine Polizeiverordnung des Gemeinderates über eingeschränkten Lastwagenverkehr zum Schutz des Straßenbelages wurde 1922 aber vom Landrat als unzulässig und überflüssig wieder aufgehoben. Beleuchtet wird auch das Vereins- und Geschäftsleben. 1926 stieg der SC Weende in die zweithöchste Fußball-Spielklasse auf.

Mitte der 30er Jahre begann der Weg in den Zweiten Weltkrieg und in Weende wurden Artilleriekasernen gebaut. Zu den Verfolgten durch die Nationalsozialisten gehörte auch der spätere Bürgermeister Ernst Fahlbusch. Der Feinmechaniker und SPD-Kreisvorsitzende kam in „Schutzhaft“ und 1944 nach dem Attentat am 20. Juli sogar in das KZ Neuengamme.

Geschrieben wurde der dritte Chronikband von der Historikerin Dr. Sylvia Möhle. 1997 gründete sie in Göttingen ein Büro für Archivrecherchen und Familienforschung.

Im Anhang gibt es Einzelbeiträge, beispielsweise zur Entwicklung des Uni-Nordcampus von Gerhard Ströhlein oder über Auguste Ahlborn und ihre Stiftung. Auch das Gesetz über die Neugliederung des Landkreises und der Stadt Göttingen aus dem Jahr 1964, das sogenannte Göttingen-Gesetz, ist in der geltenden Fassung abgedruckt.

Über das Ortswappen mit einem Steinbock, das auf das 14. Jahrhundert und die Familie von Weende zurückgeht, schreibt der heutige Ortsbürgermeister Hans Otto Arnold (CDU). Der Heraldik-Experte gestaltete das Wappentier 2007 neu, sodass es nicht mehr so „dürr und sperrig“ erscheint wie auf früheren Abbildungen. So bleibe die sprichwörtliche Widerstandskraft des Steinbocks als Wappensymbol gegen eine vollständige Aufgabe der Weender Identität in der kleinen Großstadt Göttingen erhalten.

Sylvia Möhle, Von der Arbeitervorstadt zum Göttinger Ortsteil, Weende im 20. Jahrhundert, Wallstein Verlag, Göttingen 2009, 320 Seiten mit 73 Abbildungen, ISBN 978-3-8353-0568-7, 24 Euro.

Von Gerald Kräft

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