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Ebergötzer Osterwurst brutzelt in der Glut

Brauchtum seit 50 Jahren Ebergötzer Osterwurst brutzelt in der Glut

Seit mehr als 50 Jahren ist sie Saisonware: Ebergötzer Osterwurst wird in der Glut des vom Vorabend noch schwelenden Osterfeuers gegart und verspeist. Zubereitet wird die Spezialität nur im Dorf – unter anderem von Fleischermeister Jürgen Kerl nach einem geheimen Rezept.

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Produziert derzeit die berühmten Ebergötzer Osterwürste: Fleischermeister Jürgen Kerl.

Quelle: Theodoro da Silva

Ebergötzen. „So lange ich lebe wird hier Osterwurst gebraten“, schwärmt Ebergötzens ehemaliger Bürgermeister Willi Behre – „heiß aus dem Osterfeuer oder aus dem Lagerfeuer im Garten“.

Natürlich ist auch bei Familie Behre längst die Brandstelle hergerichtet, und die Würste liegen bereit. „Egal ob es regnet oder schneit, Osterwurst wird gebraten“, stellt der 72-Jährige klar. Und die wird bei Familie Behre nicht alleine gegessen: „So etwa 25 Leute sind wir immer: Nachbarn, Freunde und natürlich die Familie selbst.“ Seit vielen Jahren sind „immer auch ein paar Soldaten unserer Paten-Kompanie dabei“.

Karriere der Osterwurst

Begonnen hat die Karriere der Osterwurst vor Jahrzehnten bei winterlichen Holzauktionen. Zum Aufwärmen wurde ein Feuer angezündet. Und wenn es bitterkalt war, wuchs das Bedürfnis nach warmen Speisen. Kurzerhand wickelten die Ebergötzer mitgebrachte Mettwürste in mehrere Lagen Zeitungspapier und legten sie in die Glut. Bevor das Papier Schicht für Schicht abgebrannt war, wurden die Päckchen aus dem Feuer geholt und der Inhalt heiß verzehrt. Es war der Anfang eines Osterbrauchs, den die Ebergötzer anfänglich im eigenen Garten, dann Ostermontag auf dem Brennplatz praktizierten.

So erzählt es Fleischermeister Jürgen Kerl, der sein Handwerk vor 28 Jahren bei seinem Namensvetter Erich Kerl erlernt hat. Zum Lernstoff in der Fleischerei gehörte auch die Osterwurst, die Kerl und seine Mitarbeiter seit Freitag vor einer Woche nach Art einer Mettwurst zubereiten und verkaufen. Hinein kommen Schweinemett „von Tieren aus der Region“, Salz und Pfeffer, sagt Kerl. Und damit endet seine Auskunftsbereitschaft, denn die Würze für die seit Jahrzehnten im Traditionsgeschäft hergestellte Traditionswurst ist ein Betriebsgeheimnis.

Zubereitung im Osterfeuer oder zu Hause

Für die Osterzeit kaufen Ebergötzer, aber auch Fans aus umliegenden Dörfern entweder halbrunde oder runde Würste zu je 300 oder 500 Gramm. 400 Kilogramm wurden bislang produziert. In Alufolie gewickelt landen sie in der Glut des Osterfeuers, zu Hause in der Grillkohle oder im Ofen und werden mit Graubrot und Salaten verspeist.

Und wenn jemand seinen Appetit überschätzt und zu viele Osterwürste eingekauft hat, ist das überhaupt nicht tragisch. Überzählige Würste können gut aufbewahrt werden, sagt Kerl: „Einfach hängen lassen, dann werden sie fest wie normale Mettwürste.“

Von Katharina Klocke
und Ulrich Schubert

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