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Ehefrau von Leberchirurg unter Plagiatsverdacht

Transplantationsskandal Ehefrau von Leberchirurg unter Plagiatsverdacht

Der Skandal um den früheren Leiter der Transplantationschirurgie am Göttinger Universitätsklinikum zieht immer weitere Kreise. Bereits seit mehreren Monaten ermitteln die Staatsanwaltschaften Braunschweig und Regensburg gegen den Mediziner, weil er während seiner Tätigkeit an der Uniklinik Regensburg und später in Göttingen Patienten bei der Vergabe von Spenderlebern bevorzugt haben soll.

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Quelle: dpa

Inzwischen ist zum Transplantationsskandal eine Plagiatsaffäre hinzugekommen: Seine Ehefrau, eine in Göttingen praktizierende Zahnmedizinerin, steht im Verdacht, große Teile ihrer Doktorarbeit aus der Dissertation ihres Ehemannes übernommen zu haben. Die Promotionskommission der medizinischen Fakultät der Universität Regensburg prüft derzeit, ob ihr der Doktortitel möglicherweise wieder aberkannt wird.

Die Ehefrau des Transplantationschirurgen Aiman O.. hat 2006 bei dem Direktor der Chirurgischen Klinik in Regensburg, Professor Hans S., promoviert. Dieser war 2004 auch der Doktorvater ihres Ehemannes gewesen, beide kennen sich von ihrer gemeinsamen Tätigkeit an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) her. Dort war Aiman O. ab 1995 tätig. 2001 wechselte er nach Göttingen, 2003 folgte er seinem MHH-Kollegen Hans Sch. nach Regensburg, nachdem dieser dort Klinikdirektor der Chirurgie geworden war.

2004 promovierte Aiman O. mit einer 54 Seiten langen Dissertation, die auffallend viele Zeichensetzungs- und Rechtschreibfehler aufweist und sich inhaltlich mit Lebertransplantationen bei Patienten mit einem hepatozellulären Karzinom (einer bösartigen Tumorerkrankung der Leber) beschäftigt. Zwei Jahre später legte auch seine Ehefrau eine 57 Seiten lange Dissertation unter dem Titel „Behandlungsstrategien beim Hepatozellulären Karzinom“ vor, mit der sie den Doktorgrad der Zahnmedizin erwarb.

Bis dahin war Leberkrebs allerdings nicht gerade ihr Fachgebiet gewesen: Die heute 45-Jährige hat von 1989 bis 1997 Zahnmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover studiert und ist nach eigenen Angaben seitdem im niedergelassenen Bereich tätig.

Beide Doktorarbeiten weisen frappierende Ähnlichkeiten auf. Dies fängt schon beim Thema an: Beide Mediziner haben die Krankenakten von Leberkrebspatienten untersucht, die zwischen Januar 1995 und März 2002 in der Transplantationschirurgie des Göttinger Uniklinikums behandelt wurden. In der Doktorarbeit des Chirurgen wurden die Daten von 84 Patienten ausgewertet, während in der Dissertation der Ehefrau 120 Patienten berücksichtigt sind.

Auch bei der Gliederung, den Grafiken und der Literaturliste finden sich auffallend viele Übereinstimmungen. Merkwürdig ist dabei, dass in der Literaturliste der Ehefrau die Doktorarbeit ihres Ehemanns nicht aufgeführt ist. Dafür erwähnt sie ihn in ihrer Danksagung auf und dankt ihm „für seine unermüdliche Unterstützung bei der Verfassung der Arbeit“.

Auch viele Formulierungen sind ähnlich. Beide Doktorarbeiten enden wortwörtlich mit dem gleichen Resümee: „Nach unseren, hier erhobenen Ergebnissen ist es nicht notwendig Erkrankte wegen ihres fortgeschrittenen Stadiums von vorn herein von einer Lebertransplantation auszuschließen. Es erscheint eher so, dass bei erzielbarer Stabilität der Tumorerkrankung (…) von einer hohen Heilungschance durch eine Lebertransplantation auszugehen ist.“

Die Uni Regensburg war durch einen ominösen Brief auf den Fall aufmerksam geworden. Darin bot die Zahnmedizinerin als vermeintliche Absenderin an, ihren Doktortitel freiwillig zurückzugeben, um etwaigen Plagiatsvorwürfen zuvorzukommen. Auf Nachfrage habe ihr Rechtsanwalt erklärt, dass dieser Brief eine Fälschung sei, sagte der Sprecher der Uni Regensburg, Alexander Schlaak.

Davon abgesehen sei es gar nicht möglich, einen Doktortitel zurückzugeben. Inzwischen habe die Promotionskommission die Zahnmedizinerin um eine Stellungnahme gebeten. Daneben prüft der Ombudsmann der Hochschule ein eventuelles wissenschaftliches Fehlverhalten.

Dabei dürfte auch die Rolle des Doktorvaters Hans Sch. beleuchtet werden. Der bayerische Wissenschaftsminister hatte diesen im August im Zuge der Ermittlungen zum Transplantationsskandal beurlaubt. Er stehe im Verdacht, seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben.

pid

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