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Ehepaar Golla feiert eiserne Hochzeit

65 lange Jahre Zweisamkeit Ehepaar Golla feiert eiserne Hochzeit

Ernst und Gertrud Golla merkt man das Alter nicht an. „Du kannst ja auch auf meinem Schoß Platz nehmen“, meint Ernst (93 Jahre) mopsfidel, als sich die beiden für das Tageblatt-Foto auf dem Sofa drapieren. Seine Frau (87) lässt sich dann doch lieber neben ihm nieder. Das Paar feiert am zweiten Weihnachtsfeiertag eiserne Hochzeit: 65 Jahre Ehe. Große Jubiläen scheinen die zwei gebürtigen Niederschlesier anzuziehen. Bereits seit 50 Jahren wohnen sie in ihrer Wohnung am Göttinger Egelsberg. „Wir sind beständige Leute“, stellt die 87-Jährige fest.

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Die beiden Eheleute sind exemplarisch für eine Generation. Kennengelernt haben sie sich, während der Krieg heraufzog: Gertrud süße 16, Ernst, der Marineflieger, auf dem ersten Heimaturlaub. Obwohl die beiden aus dem selben langgestreckten Dorf unweit von Breslau stammen, waren sie sich zuvor nie über den Weg gelaufen. Sie scheinen selbst erstaunt darüber, wie klein die Welt da noch war. Doch, so schildert Ernst, als er sie sah, wusste er: „Die ist es.“ Wenig später stand er mit einem Freund bei ihr auf der Matte, „zum Kaffee trinken“, wie die beiden dreist angekündigt hatten. „Ich dachte: Den Quatsch machste mit. Dann habe ich mir einen ausgesucht“, schildert seine Frau die Eheanbahnung.

Im letzten Kriegswinter heirateten sie Hals über Kopf, „während der Russe schon vor der Tür stand“. Für einige Zeit verlieren sie sich aus den Augen: Sie ist auf der Flucht gen Westen, mit Planwagen und Pferd. Er, wieder im Krieg, wird interniert, kommt frei. Währenddessen hängt seine Frau in einem Lager in Tschechien. Doch er eilt herbei, mit „dem Fahrrad auf dem Zug, kohlrabenschwarz im Gesicht“ und holt sie weg, mit ihrem Rucksack voller Habseligkeiten in ihre neue Heimat nach Bad Sachsa.

Es folgt die Geschichte des Wirtschaftswunders: Ernst arbeitet als Kältemonteur, im Sommer bis zu 80 Stunden, „man hatte ja nichts“. Sie kümmert sich um die beiden Kinder. Mit Tochter und Sohn zieht die Familie nach Göttingen, der Arbeit wegen. Mühsam ersparen sie sich Annehmlichkeit um Annehmlichkeit, der erste Urlaub folgt nach 20 Jahren.

„Wir sind zufrieden“ lautet Ernsts Grundstein der langen Ehe. Dass es nicht ganz so einfach ist, klingt in der Beschreibung seiner Frau durch. Einer müsse zurückstecken, damit der Friede gewahrt bleibt.

Ob es ein Erlebnis gibt, an das sie besonders gerne zurückdenken? „Nein“, antworten die beiden, die inzwischen Urgroßeltern sind. „So vieles war schön. Die Urlaube, die Kinder, das Familienleben.“ „Das Leben war lang“, blickt die 87-Jährige Hausfrau zurück. „Jetzt kommt es einem so kurz vor.“ Und Ernst, bis heute beim Basteln und Skat kloppen aktiv, ergänzt: „Das Leben hat eigentlich gut geklappt. Wenn man sieht, was heute so für ein Theater gemacht wird.“ Einen guten Rat für jüngere Generationen hat er noch in petto: „Man muss sich pflegen.“

Erik Westermann

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