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„Eigentlich ein liebenswerter Kerl“

34-Jähriger muss in Psychiatrie „Eigentlich ein liebenswerter Kerl“

Es war kein Mordversuch, sondern lediglich gefährliche Körperverletzung im Zustand verminderter Schuldfähigkeit. Dennoch wird ein 34 Jahre alter Psychiatriepatient aus dem Landeskrankenhaus Moringen noch viele Jahre in der geschlossenen Psychiatrie bleiben müssen, weil er im August 2010 in der Feldmark von Geismar einer arglosen Mirabellenpflückerin ein Steakmesser in die Seite gerammt hat.

Er wirke „eigentlich wie ein liebenswerter Kerl, der aber sehr krank und sehr gefährlich ist“, sagte sogar der Vertreter der Nebenklage, Rechtsanwalt Steffen Hörnig. Denn der Angeklagte leidet an einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung, ist überangepasst und birgt ohne weitere Therapie nach Überzeugung des Gerichts „weiter ein erhebliches Gefärdungspotenzial“ (Vorsitzender Ralf Günther).

Am 22. August 2010 hatte er sich mit seiner Erlaubnis, als Gärtnereimitarbeiter außerhalb der Anstalt in Moringen Blumen gießen zu dürfen, aus der Psychiatrie abgesetzt, hatte sich unter einem Vorwand von einer Mitarbeiterin nach Göttingen zur dortigen LKH-Einrichtung fahren lassen und war verschwunden. Er habe sich das Leben nehmen wollen, sagt er. Dazu hatte er sich in seiner Wohngruppe ein Steakmesser besorgt.

So ganz glaubte ihm das Gericht seine Suizidabsicht nicht, denn er irrte einzig im Süden Göttingens umher, bis er eine pensionierte Lehrerin traf, die einen Beutel Mirabellen bei sich trug. Er fragte, und sie zeigte ihm das kleine Dickicht, in dem ein Mirabellenbusch stand. Als sich die Frau abwandte, sprang er sie von hinten an, drückte sie nieder und stach ihr das Messer in die Seite. Ein Motiv für die Tat konnten weder er, noch Psychiater oder Richter ergründen.

Was als Mordversuch angeklagt war, erwies sich nach dem Bericht einer psychiatrischen Gutachterin allenfalls als Körperverletzung, denn eine Absicht zu töten konnte das Gericht dem 34-Jährigen nicht unterstellen. Anders als bei der Tat vor zehn Jahren, wegen der er in der Psychiatrie sitzt. Damals hatte er sein Opfer nach einem sexuell motivierten Angriff zu töten versucht und vom Landgericht Braunschweig zehn Jahre wegen Mordversuchs erhalten.

Diesmal hat er sich bei seinem Opfer entschuldigt. Und auch die Pensionärin, die bei dem Angriff das einzig richtige getan und den Täter wüst beschimpft hatte, so dass er von ihr abließ, zeigte im Gericht Mitleid mit dem psychisch schwer kranken Mann.

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