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Ein Herz für Briefmarken und Stiche

Göttingen Ein Herz für Briefmarken und Stiche

Genau 45 Jahre führte Hans-Heinrich Himme zusammen mit seiner Frau das Briefmarkenfachgeschäft in Göttingen. Weil das Göttinger Geschäftsehepaar keinen Nachfolger fand, soll Ende des Jahres Schluss sein.

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Henriette und Hans-Heinrich Himme..

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Beim Eintreten in das Geschäft in der Weender Straße fällt der Blick sofort auf das Göttinger Gänseliesel. Die Lithographie vom meistgeküssten Mädchen der Welt, seit 1901 das Wahrzeichen der Universitätsstadt Göttingen, stammt vom Künstlers Fr.Grosse aus dem Jahr 1907 und ist einer der Renner in dem Fachgeschäft für Briefmarken, kunstvolle Stiche und Grafiken. „Die Leute fragen oft danach“, erzählt Henriette Himme. Kurz zuvor hatte eine junge Kundin gleich mehrere Exemplare davon für ein Institut der Göttinger Universität bestellt – als Geschenk für Besucher.

Überall an den Wänden des gemütlichen Ladens hängen Exemplare historischer Stahl- und Kupferstiche. Viele Schubladen verbergen die in dicke Alben sortierten Briefmarken aus verschiedensten Ländern und Jahren. Eine schmale Wendeltreppe führt nach oben auf die Galerie, wo weitere Exponate von Stichen zu finden sind.

Gewiss hat das Geschäft bessere Tage erlebt. Der Lack der Einrichtungsmöbel blättert an einigen Stellen etwas ab. Die Glasplatte auf dem Tresen ist mit zahllosen Kratzern übersäht - stumme Zeugen der vielen Arbeit, die über Jahre hier geleistet wurde. „Es gab Zeiten, in denen wir uns vor Kunden kaum retten konnten“, erzählt Himme mit Wehmut. Damals expandierte das Geschäft stark. Bis zu drei Mitarbeiter waren gleichzeitig im Einsatz. Heute ist es bedeutend ruhiger geworden in dem Laden in der Göttinger Fußgängerzone.

Erstes Geld auf dem Schwarzmarkt verdient

Auf die Frage, was das Besondere an Briefmarken ist, antwortet Hans-Heinrich Himme. „Das kann ich ihnen nicht sagen, auf mich habe sie jedenfalls immer eine starke Anziehungskraft ausgeübt.“ Schon als kleiner Junge habe er mit dem Sammeln begonnen. Damals investierte er sein auf dem Schwarzmarkt verdientes Geld in Briefmarken. Für Nachbarn und Bekannte tauschte er kurz nach dem Krieg Uhren gegen Zigaretten. „Viele haben sich das nicht getraut“, erzählt der bald 81-Jährige weiter. Die Geschäftstüchtigkeit und der Fleiß des kleinen Jungen hatte sich schnell herumgesprochen. Nach dem Abitur am Felix Klein Gymnasiums und einer kaufmännischen Lehre in Hamburg hat er begonnen, in Göttingen Betriebswirtschaft zu studieren. Weil er das Examen nicht bestand, beschloss er sich selbstständig zu machen.

Im Jahr 1973 hat das Ehepaar Himme das Fachgeschäft eröffnet. „Wir waren damals jung“, erinnert sich die 73-jährige Henriette mit einem Lächeln. Während Hans-Heinrich-Himme mit viel Akribie seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hatte, zog Henriette Himme die beiden Kinder auf. Hans-Heinrich führte später zudem die Hausverwaltung für die jüdischen Hahn-Stiftung. Viele Nachlässe habe er aufgekauft und ein riesiges Lager angesammelt. Himme war Verwaltungsrat der Kreissparkasse und ein angesehener Kaufmann in Göttingen. Zudem hat er ein Buch mit Stichen zum 250-Jahre-Jubiläum der Universität Göttingen herausgegeben. „Der Festakt fand aber wegen der Studentenkrawalle nicht statt“, erinnert er sich.

Angebote zum halben Preis

Die Jahre sind wie im Fluge vergangenen. Vergessen sind die endlosen Stunden im Laden und zu später Stunde am Schreibtisch. „Mein Mann konnte ohne seine Arbeit nicht sein“, erzählt Henriette Himme. Von weit her seien die Kunden angereist, die Geschäfte liefen gut. Doch die Zeiten ändern sich. „Briefmarken zu sammeln, ist bei den jungen Menschen heute nicht mehr beliebt. Entsprechend stark haben auch Briefmarken an Wert verloren“, sagt Henriette Himme weiter. Die Geschäfte laufen aus diesem Grund seit einigen Jahren nicht mehr so gut. Jetzt, im hohen Alter, müsse das Göttinger Geschäftsehepaar zudem kürzer treten. Seit einigen Jahren schon kann sich Hans-Heinrich Himme aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um die Geschicke des Geschäftes kümmern. Dies hatte immer häufiger seine Frau übernommen. Doch auch für sie ist der Aufwand, den so ein Laden macht, zu groß geworden. Das Geschäft weiterzuführen, sei daher nicht mehr möglich. „Leider haben wir auch keinen Nachfolger gefunden und wollen daher unser Geschäft Ende des Jahres schließen“, erklärt Himme. Noch bis zum 23. Dezember gibt es deshalb für Kunden das eine oder andere Schnäppchen zu machen. „Wir verkaufen viele Stücke zum halben Preis“, erklärt Himme.

Von Bernard Marks

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