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Ein Mädchen wünscht sich sehr, „nicht arm zu sein“

Briefe an den Nikolaus Ein Mädchen wünscht sich sehr, „nicht arm zu sein“

Klassische Wunschzettel sind kaum dabei, wenn Kinder aus ganz Deutschland an den Nikolaus im Göttinger Ortsteil Nikolausberg schreiben. Die meisten Kinder schreiben dem Nikolaus, der auch als Schutzpatron der Kinder gilt, was sie bedrückt und besorgt, erzählt Hildburg Rosenbauer. Sie ist die Heimatpflegerin des Dorfes und beantwortet gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlichen die Zuschriften: „Natürlich schreiben wir im Auftrag des Nikolaus.“

Jedes Jahr bekommt der Nikolaus rund 200 Briefe, sagt Rosenbauer. Das bedeute jede Menge Arbeit bis zum Nikolaustag am 6. Dezember. Jede Zuschrift wird sorgfältig gelesen. Manche Kinder offenbarten ihre innersten Ängste. Die 69-jährige Rosenbauer holt aus in einem Ordner einen Brief von einem Mädchen, das offenbar im Grundschulalter ist: „Ich wünsche mir, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich wünsche mir, nicht arm zu sein. Ich wünsche mir, dass keiner zu mir blöde Ausdrücke sagt.“

Vermutlich gehänselt

Um solche Briefe zu beantworten, brauche sie Zeit. Sie frage sich dann, was hinter solchen Zeilen steckt. „Vielleicht wurde das Mädchen schon wegen schlechter Kleidung gehänselt, weil sie sich nichts anderes leisten kann“, vermutet Rosenbauer.
Schwierig werde es immer dann, wenn Kinder schreiben, dass ein Familienangehöriger gestorben ist. Dann mache sie sich besondere Gedanken. Berührt hat sie auch ein Brief einer Mutter, die „im Auftrag“ ihres behinderten Kindes einen Brief an den Nikolaus geschrieben hat. „Man merkte gleich, dass nicht das Kind Trost suchte, sondern die Mutter selbst.“ Das habe sie sich bei der Antwort aber nicht anmerken lassen.

Antwort mit Sonderstempel

Jeder Brief werde individuell beantwortet und bekomme auch einen Nikolaussonderstempel. Nur die Kinder, die einen Wunschzettel schickten, bekämen eine Standardantwort. „Ihnen schreiben wir, dass der Nikolaus nicht für die Geschenke zuständig ist und wir den Brief an den Weihnachtsmann weitergeleitet haben“, sagt Rosenbauer und schmunzelt. Auch die Post helfe mit, dass der Nikolaus alle Briefe bekommt. Wer aber wirklich sichergehen will, dass die Nikolauspost auch ankommt, sollte außerdem Postleitzahl und Ort auf den Umschlag schreiben.
Der Ort Nikolausberg geht auf eine Sage zurück, nach der im Jahr 999 drei Pilger in das damals noch Ulrideshusen genannte Dorf gekommen sein sollen. Einer von ihnen soll Reliquien des Heiligen Nikolaus, des Bischofs von Myra, hinterlassen haben. Nach Ankunft der Reliquien wurde der Sage nach von den Dorfbewohnern eine Kirche gestiftet und gebaut. Die Kirche hatte bis ins 17. Jahrhundert als Wallfahrtskirche überregionale Bedeutung. St. Nikolaus gilt als Patron unter anderem der Reisenden, der Seefahrer und Bäcker und Kinder. Mehr über Nikolausberg im Internet unter www.wiki-goettingen.de.

Von epd

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