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Eine Tausendsassa mit vielen Ideen fürs Dorf

Kandidatin bei "Wer wird Millionär" Eine Tausendsassa mit vielen Ideen fürs Dorf

Vera Rohrdantz ist keine gewöhnliche Erscheinung im Dorf Herberhausen. Sie hat die tiefe Stimme eines Mannes, der sie früher einmal war. Rohrdantz ist transsexuell. In Herberhausen will sie nun Verbesserungen anstreben und dafür einen Verein gründen. Außerdem ist sie Kandidatin bei Günter Jauch.

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Kandidatin bei Günther Jauch: Vera Rohrdantz spielt mit bei „Wer wird Millionär?“.

Quelle: Hinzmann

Herberhausen. Vera Rohrdantz will etwas bewegen in Herberhausen. Die marode Dorfschänke soll wieder in Betrieb genommen werden, Alt- und Neubürger sollen zusammengebracht werden, die Infrastruktur soll verbessert werden. Für diese Ziele will die 60-Jährige mit Gleichgesinnten den Verein „Treffpunkt Herberhausen“ gründen. Und dem TSV hat sie ein Dixi-Klo geschenkt, das demnächst am Sportplatz aufgestellt werden soll.

Dabei ist Rohrdantz sicher keine gewöhnliche Erscheinung im Dorf. Sie hat die tiefe Stimme eines Mannes, weil sie mal ein Mann war. Sie trägt Ohrringe, Lippenstift und lackierte Fingernägel, aber sie hat die Anatomie eines Mannes. Sie lebt mit einer Frau zusammen – und beide würden sich nicht als lesbisch bezeichnen.

Es war ein langer Weg für Rohrdantz in die Transsexualität. Sie habe sich „im Leben durch ein paar Sachen durchgekämpft“, sagt sie einmal nebenher. Lange Jahre war sie als Mann in führenden Positionen im Baustoff-Gewerbe aktiv. Sie war als Mann zweimal verheiratet, ist Vater von zwei erwachsenen Töchtern.

Rohrdantz, die früher Dieter mit Vornamen hieß, fand den Weg in das Leben als Frau abschnittweise. Schon früher ahnte sie manchmal, dass die Männer-Management-Welt nicht alles für ihn ist, dass ihm auch soziales Engagement wichtig ist. Doch Dieter blieb im Business, weil er das Geld für die Familie brauchte und weil er gelernt hatte, seine weibliche Seite an den Rand zu drücken. Doch dann ließen private Erschütterungen sein Inneres aufbrechen. Er lebte mit einer Partnerin zusammen, die am Borderline-Syndrom litt; seine Mutter starb – sein Vater war schon länger tot.

Vor zwölf Jahren begann Rohrdantz als Frau zu leben, zunächst im privaten Bereich. Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem er sich entscheiden musste, ob er eine „Freizeit-Transe“ sein wollte oder seriös als Frau leben. Die weibliche Identität fühlte sich für ihn passender, besser an. Deshalb begann er vor einigen Jahren, auch beruflich als Frau zu leben. Das irritierte frühere Geschäftspartner und auch Verwandte. Doch Rohrdantz setzte auf einen unaufgeregten, offenen Umgang mit dem Thema und erreichte so, dass viele den Wandel akzeptierten. Als Mitglied einer schlagenden Studenten-Verbindung in Köln werde er dort auch in seiner neuen Identität noch bei den Alten Herren geführt, berichtet er.

Bisher hat Rohrdantz, die aus Neu-Bottenbroich bei Köln stammt, eher in Großstädten gelebt und gearbeitet, so in Köln, Hamburg und Berlin, wo sie sich auch sozial engagierte. Auch Göttingen war eine berufliche Station. Sie sei außerdem beruflich viel in der Welt herumgekommen, sagt sie. Nun hat sie vor knapp einem Jahr mit ihrer Partnerin, mit Mischlingshund Benni und Katze Maja eine Wohnung im kleinen Herberhausen bezogen.

Im Dorf sei sie gut angekommen und auch gut angenommen worden, sagt Rohrdantz. Klar, zu Beginn müsse immer erst ein wenig das Eis gebrochen werden. Sie wolle nicht um jeden Preis auffallen, versuche, keine zickigen Allüren an den Tag zu legen und feiere bei Festen im Ort mit.
Rohrdantz will auch keine superfeminine Überfrau sein. So hat sie sich nicht operieren lassen. Deswegen spielt die Linkshänderin auch Tennis bei den Ü-55-Herren des Ortes. Und deswegen hält sie auch Trans–identität für einen besseren Begriff als Transsexualität. Bei der vergangenen Kommunalwahl hatte sie als Vera Dieter Rohrdantz für die Grünen kandidiert – und die meisten persönlichen Stimmen erhalten. Weil die Liste zog, sitzt sie aber trotzdem nicht in dem Gremium. Dafür kümmert sie sich mit ihrer Treffpunkt-Initiative um den Ort.

Beruflich ist sie noch immer als Selbstständige im Baustoff-Gewerbe aktiv. Mit der Firma Matenco Europe (UK) Ltd. hat sie 2010 einen Neustart in Angriff genommen, nachdem vorherige Projekte gescheitert waren. Der „rheinische Optimismus“, den sie für sich in Anspruch nimmt, lässt sie viele Projekte angehen.

Es finden sich gleich mehrere Seiten von ihr im Internet – zu einer ganzen Reihe von privaten, lokalen, beruflichen und sozialen Vorhaben und Interessen. Eine ganz neue Facette ist erst kürzlich hinzugekommen: Rohrdantz hat es als Kandidatin in die Quiz-Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Günther Jauch geschafft.

Nach zwei Testrunden am Telefon ging es nach Köln. Dort sei die Betreuung für die Sendung richtig gut gewesen, schwärmt Rohrdantz, die zu Beginn ziemlich angespannt war. Es sei ganz schön mutig gewesen, in die Sendung zu gehen. Sie sei selbst erstaunt, dass sie das gemacht habe. Um überhaupt um die Million spielen und sich den Fragen von Jauch stellen zu können, muss Rohrdantz allerdings erst einmal die Auswahlrunde zu Beginn der Sendung meistern.  Wie Rohrdantz um die Million kämpft, ist am Freitag im Fernsehen zu sehen.

Die Fernseh-Sendung „Wer wird Millionär?“ mit Vera Rohrdantz als Kandidatin ist am Freitag, 17. Februar, um 20.15 Uhr auf RTL zu sehen.

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Transsexuelle bei „Wer wird Millionär?“

Seit 1999 gibt es das Fernseh-Quiz „Wer wird Millionär?“, mehr als 1000 Folgen sind gelaufen – und nun sorgte eine Herberhäuserin am Freitagabend für ein Novum. Vera Rohrdantz ist nämlich in der langen Geschichte der Sendung die erste Transsexuelle, die sich den Fragen von Moderator Günther Jauch stellte.

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