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Elliehäuser und Ärzte retten seltene Wildkatze

Gen-Test bestätigt besondere Art Elliehäuser und Ärzte retten seltene Wildkatze

Sie stehen unter besonderem Schutz und sind so scheu, dass nur wenige sie zu Gesicht bekommen. Jetzt hat ein Elliehäuser eine echte Wildkatze vor dem sicheren Tod bewahrt. Im Oktober fand Jörn Schwill das gerade einmal drei Wochen alte Tier am Straßenrand. Ein Bein war gebrochen, offenbar war die Katze überfahren worden. Inzwischen hat eine Göttinger Tierärztin sie erfolgreich operiert. Naturschützer und Wildkatzen-Experten sind begeistert. Und wenn der Winter vorüber ist, soll Leni wieder ausgewildert werden.  

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„Wild, forsch und giftig“: Wildkatze Leni lässt sich auch von Tierärztin Sylvia Kasper nur mit Handschuhen gefahrlos halten.

Quelle: Vetter

Elliehausen. Der Name passt zu der Katze. Aber vielleicht hätten ihre Retter, Jörn Schwill und seine Frau, sie „Die wilde Leni“ nennen sollen. Wie eine afrikanische Raubkatze faucht sie in geduckter Haltung jeden an, der ihr zu nahe kommt. Ihr Knurren klingt eher nach einem Bären.

Und anfassen kann sie Tierärztin Sylvia Kasper nur mit Handschuhen. Dass es eine echte Wildkatze ist, hat das Team der Kleintierpraxis Wystub erst nach ein paar Tagen vermutet.

Vom kürzeren Schwanz abgesehen, sieht sie aus wie eine Hauskatze, „aber sie verhält sich völlig anders“, erklärt Kasper. Selbst verwilderte Hauskatzen würden irgendwann zutraulicher, Leni aber ist bis heute „wirklich wild“. Katzenfutter verweigert sie.

Erst seit sie (gefrorene und aufgetaute) Mäuse und Küken  bekommt, frisst sie. „Und die verschlingt sie ohne Spielereien nach einem einzigen Sprung in 30 Sekunden komplett“, ergänzt Kasper.

Dass Leni eine Wildkatze ist, habe ein Gentest bestätigt, versichert Frank Raimer, Wildkatzenexperte der Umweltschutzorganisation BUND im Nationalpark Harz: „Und das ist wirklich etwas Besonderes.“ Die Europäische Wildkatze gehöre zu den bedrohten Arten und sei sehr scheu.

Vor diesem Hintergrund werde der BUND Leni weiter betreuen. Am Mittwoch hat die Ärztin den Nagel am gebrochenen Schienbein entfernt. Ist die Wunde verheilt, wird Leni in einer Station des Nabu in Leiferde weiter aufgepäppelt.

Im Frühjahr will Raimer sie im Harz auswildern – „vielleicht“ ausgerüstet mit einem Peilsender. Womöglich wandert sie irgendwann zurück nach Göttingen. Die B 27 kann sie dann bei Roringen gefahrlos queren: Die neue Wildtierbrücke dort ist fast fertig.

Dabei hätte Katzenliebhaber Schwill Leni eigentlich gerne behalten. Vor fünfeinhalb Wochen hatte er sie südlich von Elliehausen gefunden: „Ich sah im Vorbeifahren im Straßengraben etwas hüpfen.“

Sie stehen unter besonderem Schutz und sind so scheu, dass nur wenige sie zu Gesicht bekommen. Jetzt hat ein Elliehäuser eine echte Wildkatze vor dem sicheren Tod bewahrt.

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Schwill stoppte und konnte die offensichtlich verletzte Katze greifen. „Ich habe da schon gedacht, dass es ein besonderes Tier ist“, erinnert sich der 47-Jährige. Bei einem ersten Tierarztbesuch blieben der Beinbruch und eine Zeh-Fraktur noch unbemerkt.

Wieder zu Hause, pflegten Schwills das Tier weiter – „aber sie nahm nur Katzenmilch zu sich. Und sie blieb ungewöhnlich wild, forsch und giftig“. Schwill suchte Hilfe im Katzenhaus Luttertal.

Das schaltete die Praxis Wystub ein, und Lenis schwere Verletzung konnte rechtzeitig operiert werden. „Sie hatte einen schweren Start, sie soll es auch einmal wieder gut haben“, sagt ihr Retter. Und er hofft, dass er durch den Peilsender daran teilhaben kann.

Grünbrücke

Wenn es keinen plötzlichen Wintereinbruch gibt, wird die Grünbrücke zwischen Roringen und Waake über die B 27 bis Weihnachten fertig sein – zumindest das Bauwerk.

Bepflanzt werde die 50 Meter breite Überführung für Waldtiere erst im Frühjahr, sagt Reinhard Wege von der Landesbehörde für Straßenbau.

Erst dann würden auch hohe Leitzäune an der Straße aufgestellt.

Zurzeit würden auf der Brücke aber schon Irritationsschutz-Zäune montiert, damit wandernde Tiere nicht durch Scheinwerferlicht und Motorenlärm erschreckt werden.

Die sogenannte Wildkatzenbrücke ist für Menschen tabu, kostet etwa 2,6 Millionen Euro und wird aus Bundesmitteln finanziert.

Sie soll Wildkatzen und alle anderen Waldtiere sicher über die Straße leiten.

Der Göttinger Wald gilt als Wanderkorridor für Wildkatzen aus dem Harz Richtung Süden. Eine weitere Grünbrücke wird voraussichtlich 2015 am Harzhorn über die A7 gebaut. us

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Grünbrücke

Das ist eine Punktlandung: Gerade erst hat der Bund der Steuerzahler den Bau einer Wildkatzenbrücke bei Roringen und Waake als Geldverschwendung kritisiert, da wird das Rettungsnetz für die Wildkatze des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) als „UN-Dekade-Projekt zur biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet.

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