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FKG-Abiturienten geben Erotik-Kalender heraus

Shooting FKG-Abiturienten geben Erotik-Kalender heraus

Die Stimmung im Umkleidebereich des Fotostudios ist aufgekratzt. Im Hintergrund wummert Musik, eilig werden noch Haare gestylt oder Körper mit Babyöl eingerieben. Im Fotoatelier Koch läuft die Produktion für einen Erotik-Kalender.

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Malen mit Zahlen: Anton Ha wird als Vertreter des Faches Mathe für das Kalender-Shooting gestylt.

Quelle: Heller

Fotograf Wolfgang Koch gibt die Anweisungen für die Models, die schon vor der Kamera stehen: „Die eine Hand an den Oberschenkel. Das Glas tiefer, dichter ran.“ Die Models sind allerdings keine Profis, sondern allesamt Schülerinnen und Schüler des Felix-Klein-Gymnasiums (FKG). Sie ziehen sich hier im Dienste einer guten Sache um und aus, denn mit dem Erlös des Kalenders soll der Abiball 2010 mitfinanziert werden.

Nicht alle im Jahrgang sehen das Projekt positiv, weiß auch Anton Ha, einer der Hauptorganisatoren. Manche sprangen bei den Vorbereitungen des Projekts ab, manche im Jahrgang kritisierten es als billig oder „voll schlampig“, wenn sich die jungen Menschen vor der Kamera ausziehen.

Auch aus dem Kalender-Team sind einige durchaus zurückhaltend. Sie machen zwar um der guten Sache willen mit, möchten aber nicht mit dem vollen Namen mit dem Kalender in Verbindung gebracht werden. Sie fürchten, dass sich mögliche zukünftige Arbeitgeber skeptisch zeigen könnten, wenn sie von dem Kalender erfahren – eine Sorge, die Ha so nicht teilt. Am Ende blieb jedoch eine halbwegs verschworene Schar über, die das Projekt durchziehen will. 14 junge Frauen und Männer treten vor die Kamera, zwei wirken beim Stylen und Schminken hinter der Kamera. Nur eine aus dem Team ist laut Ha noch minderjährig. Sie habe aber die Erlaubnis ihrer Eltern.

Der Kalender solle eben nicht billig wirken, entgegnet Ha auf die Kritik, sondern ästhetisch anspruchsvoll. Die Schwarzweißbilder sollten die Schönheit der Körper zeigen. Fotograf Koch setzt diese Marschroute um: Zwar gibt es schöne Körper und viel Haut zu sehen, aber eben nicht alles.

Religion und Schönheit

Jedes Kalenderblatt soll ein Schulfach illustrieren, das durch die Models vertreten wird. Auf das jeweilige Fach weisen Accessoires oder die Körpersprache hin. Der Vertreter der Philosophie etwa ist in Denkerpose zu sehen. Beim Fach Mathe werden den Models mit Bodypainting-Farbe Zahlen aufgemalt.

Das Fach Religion wird durch zwei Schülerinnen im Eva-Kostüm vertreten – für das Shooting musste eine Zimmerpflanze von Koch Blätter lassen. Religion und körperliche Schönheit – das eine schließe das andere ja nicht aus, meint Kathi.

„Die Neugier hat mich hergetrieben“, sagt Moritz Schilling, der mit einem Reagenzglas in der Hand das Fach Chemie vertritt: „Ich habe sowas noch nie gemacht.“ Seine Eltern seien von dem Projekt nicht unbedingt uneingeschränkt begeistert, „aber ich bin ja alt genug“. Ihre Mutter sei sogar ganz angetan von der Unterwäsche gewesen, die ihre Tochter zum Shooting mitnahm, sagt Kathi. Für Schulleiter Klaus Juraschek ist der Kalender eine Privatsache der Schüler. Es gebe für die Schule keinen Grund, sich einzumischen.

In Göttingen ist das FKG die erste Schule, die einen solchen Kalender produzieren will. Bundesweit gibt es aber Vorbilder, so etwa Kalender des Wilhelm-von-Siemens-Gymnasiums in Berlin.

Koch sucht in Göttingen die Fotos am Computerbildschirm gemeinsam mit den Schülern aus. „Da sieht man ein bisschen Dekolleté drauf – das ist sexy“, sagt der Fotograf – und das nächste Bild ist ausgewählt.

  • Der Kalender soll 12,95 Euro kosten und am 3. Dezember erscheinen. Er ist dann unter anderem bei Klartext, Weender Landstraße 8–10, erhältlich.

Von Jörn Barke

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