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Opa im Museum an der Wand entdeckt

Familie Garbs’ Familiengeschichte Opa im Museum an der Wand entdeckt

Ein Foto im Museum Friedland hat Familie Garbs auf eine Reise in die Vergangenheit geschickt: Das Bild zeigt einen nahen Verwandten, der seinen Sohn sucht. Das Suchschild ist noch im Familienbesitz.

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Garbs, Lebensgefährtin Burga Grellmann, Enkelin Elin und Tochter Stefanie auf familiärer Spurensuche.

Quelle: Christina Hinzmann

Grone/Friedland, Friedland. Stellen Sie sich vor, Sie bummeln ahnungslos durch ein Museum und an der Wand hängt ein Foto, das eines nahen Verwandten zeigt. “Das hat mich richtig umgehauen”, sagt Heinz-Joachim Garbs. “Ich wollte es erst gar nicht glauben.”

Heinz-Joachim Garbs ist pensionierter Polizist. Gemeinsam mit Kollegen seiner alten Gewerkschaft hat der Groner vor drei Wochen einen Ausflug in das Museum Friedland unternommen. Beim Rundgang durch die Ausstellungsräume entdeckte er an einer Fotowand ein Bild. Darauf: Wilhelm Palussek. Sein Schwiegervater. Kein Zweifel. Denn auf dem alten schwarz-weiß-Foto im Museum hält Palussek ein Pappschild in der Hand. “Wer kennt den Gefreiten Wilhelm Palussek aus Ostpreußen vom Grenadier Regiment 6713 Kompanie 23 Inft. Division. Laut Aussage soll er 1949 erst im Lager 7117 dann Lager 7074 Oranki-Gorki gewesen sein”. Das steht auf der vergilbten Pape, sauber in Tinte aufgemalt. Die gelbe Pappe liegt noch heute in Garbs’ Schublade. “Ich habe sie immer aufgehoben”, so der 76-Jährige. Was ist aus Wilhelm Palussek geworden? Eine Frage, die auch die beiden nächsten Generationen umtreibt. Garbs’ Tochter Stefanie und Enkelin Elin knüpfen sich die Familiengeschichte gemeinsam mit Heinz-Joachim vor. Ganz leicht ist es nach all den Jahren nicht, die Spuren die Vergangenheit zu enträtseln.

Klar ist: Wilhelm Palussek Senior, Steffis Opa und Heinz-Joachims Schwiegervater, lebte in Grone, er starb 1968. Dann wird es ein wenig kompliziert, Palussek hatte drei Frauen und sechs Kinder aus zwei der drei Ehen. Wilhelm Junior ist der, den er suchte, nach dem Krieg. Im Lager Friedland - mit dem Schild.

Das Foto im Museum stammt aus den Jahren 1955/56. Damals kamen noch einmal 10 000 Heimkehrer aus russischen Internierungslagern im Lager Friedland an. Wilhelm Palussek Junior war nicht darunter. Die Suche des Seniors nach Hinweisen auf das Leben oder Sterben des Sohnes blieb ergebnislos. Bis heute ist sein Schiksal ungeklärt.

Auf der Rückseite der Pappe stehen russische Schriftzeichen, darüber ganz dünn geschrieben und kaum zu entziffern das Geburtsdatum 8.9.24. Garbs weiß wenig über die Palusseks, nur eines der sechs Kinder lebt noch: Heinz. Er feiert demnächst seinen 90. Geburtstag in Bonn. “Komm, wir rufen Heinz an”, sagt Garbs und greift zum Telefon. Die Familie will mit der Geschichte weiter kommen. Der Bonner Senior Heinz hat alle Daten im Kopf - ja, das ist Wilhelms Geburtstag. Mit 20 habe sich der Bruder damals freiwillig für den Krieg gemeldet. “Er wollte Soldat werden”, sagt Heinz. Er selbst wollte das ebenfalls. Das letzte Mal, dass die Familie Palussek 1944 ein Lebenszeichen von Wilhelm Junior hörte, das war kurz vor Weihnachten. “Ich wollte doch zusammen mit meinem Bruder Weihnachten feiern”, erinnert sich Heinz. Wilhelm war zu dieser Zeit im “Kurland” stationiert, das liegt im heutigen Lettland. Von da an liegt Wilhelms Schicksal im Dunkeln. Der jüngere Bruder wird später gefangen genommen, kommt in amerikanische Gefangenschaft und übersteht nach einigen Turbulenzen den Krieg.

Als Heinz in Bonn am Telefon von seinem Bruder und dem letzten brutalen Kriegsjahr erzählt, ist die Familie auf Heinz-Joachims Sofa in Grone sichtlich bewegt. Bislang wussten Steffi und Elin wenig über diesen Teil ihrer eigenen Geschichte. “Wir sind am vergangenen Wochenende gemeinsam ins Museum gefahren”, sagt Steffi. Sie möchte mehr darüber wissen, was aus ihren Vorfahren geworden ist. “Und dann”, so sagt Heinz-Joachim, “wollen wir das Pappschild dem Museum schenken”. Vorher aber wird erst einmal Heinz’ 90. Geburtstag gefeiert.

Selten, dass Angehörige Verwandte finden

Das Fotos, das im Museum Friedland hängt, wurde von Reiner Kluwe gemacht, es stammt aus dem Archiv des DRK Suchdienstes in München: Eva Völker, Pressesprecherin des Museums. “Das Bild findet sich auch in der Lagerchronik als Ausschnitt aus dem Ostpreußenblatt, dort ist als Quelle „PIK Kluwe“ genannt”, so Völker weiter. Dass jemand, so wie Heinz-Joachim Garbs, in der Ausstellung einen Verwandten findet, das sei selten. Immer wieder einmal melden sich laut Völker aber Besucher, um dem Museum Dokumente oder Obje

Das Original-Schild

Das Original-Schild

Quelle: Christina Hinzmann

kte von Angehörigen, die über das Grenzdurchgangslager Friedland gekommen sind, zu überlassen. “Selten ist aber, dass jemand tatsächlich einen Angehörigen in unserer Ausstellung wiederfindet und dann auch noch ein Objekt besitzt, das auf einem unserer Fotos zu sehen ist”, sagt sie. Dass sei eiin schönes Beispiel dafür, dass Museumsarbeit manchmal wie ein Detektivspiel ist oder auch wie ein Puzzle sei. “Wenn man dann ein Puzzleteil findet, durch das sich das Bild vervollständigt, ist das ein sehr schönes Gefühl,“ sagt die Pressesprecherin. Ein solches Suchschild im Original habe für das Museum einen sehr großen Wert. “Wir freuen uns über solche Rückmeldungen. Sie zeigen, dass das Museum Friedland ein lebendiger Ort ist, weil er die Besucher berührt und weil er sich auch durch sie ständig verändert.” Die Sammlung wachse kontinuierlich. “Wir freuen uns sehr, wenn Herr Garbs das Suchschild dem Museum Friedland überlassen möchte und sind sehr gespannt, mit ihm darüber zu sprechen.“ Allerdings, so Völker, sei das Suchschild auf dem Foto nicht ganz identisch mit dem, das erhalten geblieben ist.

Denkmal ist 50 Jahre alt

Für 567 277 Heimkehrer aus Kriegsgefangenschaft war das Lager Friedland die erste Anlaufstelle bei ihrer Rückkehr in die Heimat. Das Denkmal auf dem Hagenberg über Friedland soll daran erinnern. Es ist in diesem Jahr 50 Jahre alt. Vier Dorne erstrecken sich dort in die vier Himmelsrichtungen. Sie sind Mahnung und Gedenkstätte, erinnern an Gefangenschaft in Sibirien und an glückliche Heimkehr, die in Friedland be

Das Heimkehrer-Denkmal in Friedland

Das Heimkehrer-Denkmal in Friedland

Quelle: Christina Hinzmann

gann. Am 15. Mai 1966 hatte Bundeskanzler Konrad Adenauer den Grundstein für die Gedenkstätte gelegt. 527 634 Mark hatte der Heimkehrerverband für das „Mahnmal der Hoffnung, des Dankes und der Versöhnung“ gesammelt. Im Oktober 1967 wurde es eröffnet.

Von Britta Bielefeld

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